Benefiz-Party   Tolerantia-Preis   MANEO-Award


Die diesjährige Preisverleihung findet am 30.04. im Rahmen des MANEO Benefiz-Events @ Kantine am Berghain, statt. Gegen 23 Uhr werden die Preisträger auf der Party geehrt.


Tolerantia-Preisträger 2009

Mit dem Tolerantia-Preis ehrt die „Berlin Alliance Against Homophobia“, eine deutsch-französisch-polnisch-spanischen Initiativgruppe, herausragendes Engagement im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in Europa. Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der vier Hauptstädte statt, 2009 in Berlin.

Dem Bündnis schwuler und schwullesbischer Anti-Gewalt-Projekte in Europa, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen, gehören neben MANEO (Deutschland), SOSHomophobie (Frankreich), Lambda-Warschau und KPH (Polen) seit 2008 auch COGAM und TRIANGULO (Spanien) an; Grundlage ist die gemeinsam unterzeichnete „Toleranjca-Erklärung“. Als Ausdruck dieses Bündnisses und in Anerkennung von beispielhaften Leistungen wird der Gemeinschaftspreis, eine Skulptur mit vier Segeln, seit 2006 an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus den Mitgliedsländern vergeben.
Die diesjährigen Preisträger sind Hans-Wolfram Stein (Deutschland), Paris Foot Gay und Vikash Dhorasoo (Frankreich), Prof. Zbigniew Holda(Polen), Juan Fernando López Aguilar (Spanien).


Deutschland:
Hans-Wolfram Stein, Lehrer für Wirtschaft und Politik am Schulzentrum Walliser Straße in Bremen, hat mit großem Engagement Homophobie und Hassgewalt an seiner Schule problematisiert. Sein beispielhafter Einsatz hat dazu beigetragen, die Haltung und Einstellung gegenüber Homosexuellen sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern positiv zu verändern.
Das gemeinsam mit den Schülern der Klasse 2HH 07/5 initiierte Forschungsprojekt, das Hans-Wolfram Stein an seiner Schule über den Zeitraum von fast einem Jahr durchführte, ist ein herausragender Meilenstein in der schulischen Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Deutschland.
Ergebnis seiner vorbildlichen Projektarbeit ist: „In vielen, wenn nicht in allen Bereichen konnten homophobe Einstellungen abgebaut werden. Im Bereich der demokratischen Rechte stieg der Anteil, der für Gleichberechtigung eintritt, stark an. Vor allem aber tritt jetzt jeder Schüler und jede Schülerin in der Klasse für folgende Aussage ein: ‚Diskriminierung von Homosexuellen sollte von allen bekämpft werden.’“ Die Arbeitsergebnisse dienen jetzt als Vorlage auch für andere Schulen, die sich mit dem Thema Homophobie auseinandersetzen wollen.
Es ist vor allem dem Engagement und der Beharrlichkeit von Hans-Wolfram Stein zu verdanken, dass dieses Projekt realisiert werden konnte. Mit diesem Preis soll auch das Engagement der Schülerinnen und Schüler gewürdigt werden, die das Projekt gemeinsam mit Hans-Wolfram Stein realisiert haben.

Frankreich:
Paris Foot Gay wurde 2003 als erster französischer Fußballclub gegründet, der ausdrücklich für heterosexuelle und schwule Fußballspieler gleichermaßen offen ist und sich selbstbewusst gegen Diskriminierung und Homophobie stellt. Der Verein will diskriminierende Einstellungen ändern und deutlich machen, dass eben auch ein schwuler Mann das Recht hat, Fußball zu spielen ohne sich verstecken zu müssen. Damit soll das Recht zum Anderssein unterstrichen und Vorurteile bekämpft werden.
Paris Foot Gay will die Emanzipation von Schwulen stärken und damit das Coming-out von schwulen Sportlern befördern, sodass diese Gruppe in der Sportwelt ihren gleichberechtigten Platz findet – ein rundherum unterstützenswertes Ziel, ist doch Homophobie im Sport noch immer stark verbreitet.
Mit der Bekämpfung von Homophobie im Fußball sendet Paris Foot Gay außerdem ein starkes Signal an die gesamte Gesellschaft, hat doch Sport insgesamt eine breite Öffentlichkeit. Vor allem Jugendliche, die für Vorurteile besonders empfänglich sind, können so erreicht werden. Mit dem Tolerantia-Preis möchten wir dieser Nicht-Regierungsorganisation für ihren Mut danken, sich diesem so wichtigen Thema zu widmen.

Frankreich:
Vikash Dhorasoo, am 10. Oktober 1973 in Harfleur (Seine-Maritime) geboren, ist ein französischer Fußballspieler, der eine internationale Karriere zurückgelegt hat. In den Spielsaisons 1997 bis 1998 und 2003 bis 2004 war er der beste Spieler der französischen Nationalliga. Von 2002 bis 2003 spielte Dhorasoo in Lyon und sein Team führte in diesen zwei Saisons die französische Nationalliga an.
2006 gehörte er der französischen Nationalmannschaft an, die an der Fußball- WM in Deutschland teilnahm. Im letzten Jahr hat er seine Karriere beendet.
Dhorasoo, verheiratet und Vater zweier Töchter, ist Schirmherr des Paris Foot Gay, einem Fußballclub, der gegründet wurde, um Homophobie in den Stadien zu bekämpfen. Er ist der einzige französische Nationalspieler, der sich zu diesem Thema bisher öffentlich geäußert hat.
Die Tatsache, dass ein farbiger heterosexueller Mann Paris Foot Gay unterstützt, zeugt von einem großen Respekt für die Menschenrechte und insbesondere für die Gleichberechtigung der LGBT-Gemeinden.

Polen:
Prof. Zbigniew Holda ist Jurist, Strafrechtler, Experte für Menschenrechte, Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau und Vorstandsmitglied der Helsinki-Stiftung für Menschenrechte. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg repräsentierte er die Stiftung für Gleichberechtigung („Fundacja Rownosci”) sowie die Mitglieder der polnischen LGTB-Organisationen, die gegen das Verbot der Gleichberechtigungsparade („Parada Rownosci”) in Warschau 2005 klagten. Der Rechtsstreit endete mit einem Präzedenzurteil, welches Gesetze, mit denen friedliche Demonstrationen unmöglich gemacht werden sollten, für illegal erklärte.
2006 vertrat er vor dem Amtsgericht in Posen vier lesbische Frauen , die sich entschlossen hatten, gegen Stadtratsmitglieder der polnischer Rechtspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) vor Gericht zu gehen. 2005 hatten die PiS-Mitglieder Homosexualität mit Zoophilie, Nekrophilie und Pädophilie verglichen. Die Präzedenzsache endete mit einem Vergleich. Die Funktionäre der PiSPartei mussten sich bei den Betroffenen entschuldigen und offiziell erklären, dass sie keine Absicht hatten, irgendjemanden zu beleidigen.
Professor Zbigniew Holda setzte sich kontinuierlich für Menschenrechte – auch für sexuelle Minderheiten – ein. Der Tolerantia-Preis ist Ausdruck der Anerkennung für sein gesamtes Wirkens und seines Lebenswerkes.

Spanien:
Juan Fernando López Aguilar, am 10. Juni 1961 in Las Palmas (Gran Canaria) geboren, studierte Jura an der Universität Granada sowie Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Complutense von Madrid. 1988 erwarb er den Master of Arts in Law & Diplomacy an der Fletcher School of Law & Diplomacy in Massachussetts. Der Professor für Verfassungsrecht an der Universität von Las Palmas de Gran Canaria wurde bereits mit dem Jean Monnet Preis über Recht und Europäische Integration ausgezeichnet.
1983 trat López Aguilar der sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens, PSOE, bei. Zwischen 1990 und 1993 war er parlamentarischer Berater der Justizminister. Von 1993 bis 1996 war Aguilar Leiter des Ministerbüros bei Minister Jerónimo Saavedra in den Ministerien für Öffentliche Verwaltung und Bildung. Seit 1996 ist López Aguilar Abgeordneter im spanischen Parlament. Schon 1999 war er Spitzenkandidat der PSOE zur Präsidentschaft der Regierung der Kanarischen Inseln. Seit Juli 2000 war er Sekretär für Öffentliche Freiheiten und die Entwicklung der Autonomen Regionen im Vorstand der PSOE.
Während dieser Zeit und dank seiner aktiven Federführung legte die Spanische Regierung dem Parlament einen Gesetzesvorschlag zur Regelung der standesamtlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren vor, welches am 28. Juli 2005 verabschiedet wurde. Seinen aktiven Einsatz für die Gleichberechtigung würdigt die spanische LGBT-Bewegung mit großer Anerkennung.



TOLERANTIA 2008 – Die Preisträger:

Deutschland:
Tanja Walther, 38 Jahre alt, Lehrerin und Sportwissenschaftlerin. Sie war aktive Fußballerin bei Tennis Borussia Berlin (1992-1994) und im Bundesligaverein Turbine Potsdam (1995-1999). Sie ist heute noch immer eine leidenschaftliche Fußballerin in der Berliner Landesliga.
Gewürdigt wird ihr langjähriges, vorbildliches Engagement gegen Homophobie im Sport und im Fußball. Sie ist Initiatorin der Aktionsabende gegen Homophobie im Fußball. Seit fast 10 Jahren ist sie Beiratsmitglied im Berliner Sportverein „Seitenwechsel“, seit 2006 ist sie Delegierte im European Gay and Lesbian Sport Federati-on (EGLSF) beim europäischen Netzwerk „Football Against Racism in Europe (FARE)“, die europaweit durchgeführt werden.

Deutschland:
Philipp Lahm, 24 Jahre alt, Fußballspieler bei Bayern München und im Deutschen Nationalteam. Im Dezember 2007 äußerte sich Philipp Lahm öffentlich zum Thema Homosexualität und Fußball. Er erklärte: „Ich lebe gerne in einer liberalen, offenen Gesellschaft“ und "wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern".
Philipp Lahm ist der erste Nationalspieler, der sich öffentlich und unmissverständlich für Toleranz gegenüber homosexuellen Fußballspielern äußert. Er zeigt sich angesichts homophober Strukturen im Fußball standhaft und zeigt Solidarität mit homosexuellen Fußballern. Er übernimmt damit eine Vorbildfunktion im Fußball.

Deutschland:
Dr. Theo Zwanziger, 63 Jahre alt, deutscher Sportfunktionär, Jurist und Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB). Er erklärte öffentlich, dass der DFB alle Spielerinnen und Spieler bei einem Outing unterstützen würde. Er bezeichnete es als Aufgabe des DFB, "auf breiter Basis Rahmenbedingungen zu schaffen, damit homosexuellen Menschen der Zugang zum und die Bewegung im Sport ohne das Gefühl der Diskriminierung möglich ist".
Theo Zwanziger setzt sich dafür ein, die Aufklärung über Lesben und Schwule bei Trainern, Schiedsrichtern und in den Vereinen tatkräftig zu unterstützen. Er sprach sich wiederholt und deutlich gegen Diskriminierung von Homosexuellen im Sport und Fußball aus und dass ein solches Verhalten geahndet werden sollte, auch beim Fußball mit Punktabzug.

Frankreich:
Bruno Solo, 44 Jahre alt, hat seine Karriere als Journalist und Moderator beim Fernsehpro-gramm Canal+ in Frankreich gestartet. Später arbeitete er beim Sender TF1 bevor er anfing, ab 1993 als Schauspieler zu arbeiten. Er produziert mittlerweile erfolgreiche Fernsehserien wie „Caméra café“ und „Kaamelott“.
Ohne selbst betroffen gewesen bzw. angesprochen worden zu sein hat er mehrmals Partei für die Verteidigung der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender ergriffen und sich regelmäßig gegen Homophobie ausgesprochen.

Polen:
Marzanna Pogorzelska, 44 Jahre alt, ist seit 15 Jahren Englisch-Lehrerin sowie Betreuerin einer Amnesty International Gruppe am Gymnasium 1 in Kedzierzyn-Kozle (Opel-Region). Im Mai 2007 richtete sie einen offenen Brief an Roman Giertych – dem Bildungsmi-nister der damaligen polnischen Rechtsaußenregierung – in dem sie öffentlich die intolerante Politik der Regierung gegenüber Homosexuellen kritisierte. Sie erklärte öffentlich, dass sie ihre Schüler weiterhin über die Existenz von sexuellen Minderheiten aufklären, sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen in der Gesell-schaft einsetzen, sich der Regierungspolitik widersetzen und sich auch von der Regierung davon nicht abbringen lassen wird. Bildungsminister Giertych bezeichnete dies später als „Homosexuellen-Propaganda“.
Marzanna Pogorzelska beteiligte sich aktiv an der vom Europäischen Rat initiierten Kampagne “All Different – All Equal”. Sie organisierte verschiedene Veranstaltungen und Aktionen zu diesem Thema.