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Berlin, den 03.12.2007

Neue Infomaterial-Serie

“MANEO informiert” K.O.-Tropfen – Augen auf und Hand aufs Glas!

fleyer-ko-tropfen Nachdem MANEO in jüngerer Vergangenheit wieder vermehrt Hinweise auf Delikte im Zusammenhang mit so genannten K.O.-Tropfen bekommen hat, verstärkt MANEO seine Aufklärungskampagne. In dem heute vorgestellten Faltblatt hält MANEO umfassende Informationen bereit, wie man sich vor K.O.- Tropfen-Übergriffen schützen kann, und gibt Betroffenen und Zeugen hilfreiche Tipps für den Ernstfall. Aufgrund der großen Nachfrage nach aktuellem Informationsmaterial hat MANEO seine gesamte Infoblatt- Reihe umfangreich überarbeitet und ergänzt. In Kürze sind weitere „MANEO informiert“-Faltblätter erhältlich.

„MANEO informiert - K.O.-Tropfen“ ist erhältlich bei MANEO,
Bülowstraße 106,
10783 Berlin,
und kann telefonisch oder per E-Mail bestellt werden:
030/ 216 33 36, maneo[at]maneo.de.

Auszug aus „MANEO informiert - K.O.-Tropfen“:

  • Fallbeispiel 1: Ein 41 Jahre alter schwuler Mann berichtete MANEO, dass er Abbuchungen von seinem Konto in Höhe von € 900,- festgestellt habe, die er sich nicht erklären könne. Am Telefon klang der Betroffene unzusammenhängend und wirr. Möglicherweise könnten zwei junge Männer, die er in der Nacht vom 24.01. auf den 25.01. kenne gelernt und zu sich nach Hause eingeladen habe, dafür verantwortlich sein. Nachweisen könne er es ihnen aber nicht.

  • Fallbeispiel 2: Ein 25-Jähriger berichtete MANEO, dass er kürzlich von einem einwöchigen USA-Aufenthalt zurückgekehrt sei. Er habe dort an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen. Eines Abends in der Umkleidekabine sei eine maskierte Person an ihm vorbei gegangen. Plötzlich habe er ein feuchtes Tuch vor seinem Gesicht verspürt und sofort das Bewusstsein verloren. Als er wieder zu sich kam, habe er bemerkt, dass er vergewaltigt worden war.

  • Fallbeispiel 3: Ein 55 Jahre alter Bankangestellter hatte einen 22-Jährigen zu sich in die Wohnung eingeladen. Dort mischte ihm der Täter unbemerkt Methadon in ein Getränk. Das Opfer, das kurz darauf bewusstlos wurde, verstarb wenig später an der Überdosis. Erst wiederholte Abbuchungen vom Konto des Opfers ließen die Polizei ein Gewaltverbrechen vermuten. Der Täter konnte schließlich gefasst werden.


K.O.-Tropfen
Bei den so genannten „K.O.-Tropfen“ (engl. Knock Out, jemanden „außer Gefecht setzen“) handelt es sich zumeist um Medikamente oder Drogen, die als Lösung oder Pulver in einem unbeobachtete Moment dem Opfer ins Getränk oder Essen gemischt werden. Die Mittel sind geruchs- und geschmacksneutral.


K.O.-Tropfen wirken sich abhängig von körperlicher Verfassung sowie vorherigem Alkohol- oder Medikamentenkonsum unterschiedlich aus. So kann den Betroffenen unerwartet eine sofort einsetzende Müdigkeit überfallen. Die Opfer schlafen ein und wachen erst Stunden später wieder auf. Sie fühlen sich oft matt, dösig oder krank.

Andere bleiben nach der Einnahme von K.O.- Tropfen für eine Zeit wach, haben aber an diesen Wachzustand rückwirkend keine Erinnerung mehr. Sie wirken auf umstehende Personen oft wie betrunken oder teilnahmslos. Ihrer Kontrolle beraubt, sind die Betroffenen „leichte Beute“ für die Täter.

MANEO bietet Betroffenen und Zeugen Hilfe und Unterstützung an.
Beratung täglich von 17-19 Uhr Tel. 030 -216 33 36.






Berlin, den 30.11.2007

MANEO Umfrage2 logo
Zweite Runde für MANEO-Studie

Startschuss für die zweite Online-Umfrage
zu Gewalterfahrungen von Schwulen 01.12.07 – 31.01.08

Am morgigen Samstag, den 1. Dezember 2007, startet die zweite große MANEO-Umfrage zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern. Auf der Website www.maneo-toleranzkampagne.de wird der Fragebogen bis zum 31. Januar 2008 online ausfüllbar sein.

Zwölf Monate nach der ersten Umfrage wiederholt MANEO die bundesweit beispiellose Studie, um damit Gelegenheit zu erhalten, die bisher gewonnenen Ergebnisse mit denen der nun startenden Untersuchung vergleichen zu können. Damit will MANEO die wissenschaftliche Relevanz der bisher gewonnenen Ergebnisse weiter erhärten. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse ist MANEO in der Lage, seine Präventionsarbeit weiter zu optimieren.

Daher ruft MANEO auch jene Personen zur neuerlichen Teilnahme auf, die bereits im letzten Jahr mitgemacht haben. „Wir möchten uns vorab bedanken bei allen Teilnehmern, die sich die Zeit nehmen, den Fragebogen auszufüllen“, so Bastian Finke, MANEO-Projektleiter und Initiator der Studie. „Die hohe Teilnehmerzahl der ersten Studie hat uns gezeigt, dass wir mit unserer Umfrage ein wichtiges Anliegen erreichen. Damit wir ein möglichst umfassendes Bild erhalten, ist es erneut notwendig, dass sich jeder an dieser Befragung beteiligt – unabhängig davon, ob man selbst unmittelbar Betroffener oder Zeuge eines Vorfalls geworden war, oder noch nie mit Gewalt gegen Schwule und Bisexuelle konfrontiert gewesen ist. Die Teilnahme an der Befragung trägt in jedem Fall dazu bei, dass wir die Situation besser einschätzen können.“

Erstmalig in der Bundesrepublik wurden mit der breit angelegten anonymen MANEO-Studie 2006/2007 empirische Daten zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern erhoben. Die brisanten Ergebnisse und die enorme Teilnehmerzahl der MANEO-Studie – an der ersten Umfrage hatten 24.000 Personen teilgenommen – sorgten bundesweit bei Wissenschaft, Politik und Verbänden für Aufsehen. Zahlreiche UnterstützerInnen, darunter auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, würdigten die MANEO-Studie als Meilenstein.

An der Ausarbeitung der Umfrage 2007/2008 waren erneut renommierte Fachkollegen wie
Dr. Michael Bochow (Soziologe), bekannt durch Untersuchungen zu Einstellungen von schwulen Männern zu HIV und AIDS im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA),
Dr. Bodo Lippl (Soziologe), Dozent am Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin, Dr. Martina Stallmann (Soziologin), Dozentin für Methodenlehre an der Evangelischen Fachhochschule Berlin, sowie Bastian Finke (Soziologe), MANEO-Projektleiter, beteiligt.

Finke, der mit seinem Wissenschaftsteam nun die Wiederholung der Umfrage startet, möchte mit der Studie das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO einmal mehr als Institution empfehlen, die bemüht ist, weitere wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet voranzubringen. Denn Ziel ist es, die Präventions- und Opferhilfearbeit hier deutlich zu verbessern. „Dass Handlungsbedarf in Deutschland besteht, wird vielfach in Politik und Verwaltungen ignoriert“, so Finke.

Zur Teilnahme an der Umfrage aufgerufen sind daher nicht nur unmittelbar Betroffene oder Zeugen von homophoben Vorfällen. Bereits die Einschätzung des eigenen Risikos, heutzutage Opfer einer schwulenfeindlichen Gewalttat werden zu können, ist von Interesse. Außerdem gilt es näher zu beleuchten, warum nach wie vor viele Schwule eine Anzeige bei der Polizei scheuen.

Vom 1. Dezember 2007 bis 31. Januar 2008 ist der Online-Fragebogen auf der Website www.maneo-toleranzkampagne.de ausfüllbar. Außerdem werden ab 1. Dezember rund 120.000 Fragebögen als Beilagen über einschlägige Berliner Printmedien in den schwulen Szenen verteilt.

Wir danken den Unterstützern unserer Umfrage:
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Berlin, den 23.11.2007

Muhabbet weiter in der Kritik:

Plattenlabel widerspricht Medienberichten. MANEO fordert unmissverständliche Distanzierung

In der öffentlichen Diskussion um angebliche Gewalt verherrlichende Äußerungen des Sängers Muhabbet hat sich das Plattenlabel des Künstlers zu Wort gemeldet. Den von der Frankfurter ARD-Redakteurin Esther Schapira erhobenen Vorwurf, Muhabbet habe während der Preisverleihung des „Prix Europa“ den Mord an dem niederländischen Filmregisseur Theo van Gogh gebilligt, bestreitet die Plattenfirma mit dem Hinweis, Muhabbet sei „gegen jede Form von religiösem Fundamentalismus – egal aus welcher Religion“. Schapira jedoch hält an ihrer Darstellung fest, die zudem von ihrem Co-Autor Kamil Taylan bestätigt wird.

Die in diesem Zusammenhang in der Presse zitierten und Muhabbet zugeschriebenen Gewalt verherrlichenden Songs „Das Tum“, „Pakt der Wölfe“ und „Wolfszug“ stammten laut Darstellung von Plak Music nicht aus der Feder Muhabbets: Für Text, Inhalt und Produktion zeichne sein Bruder, bekannt unter dem Künstlernamen $iki Pa!, verantwortlich. Weiter heißt es jedoch: „Muhabbet singt in allen drei Songs den Chorus.“

Bastian Finke: „So einfach kann man diese Hasstiraden nicht unter den Teppich kehren. Ob Muhabbet an den genannten Songs nun als Urheber oder ‚nur’ als Backgroundsänger beteiligt war: er macht sich gemein mit dem widerwärtigen Inhalt. Eine umissverständliche öffentliche Distanzierung des „Toleranzbotschafters“ ist die Erklärung der Plattenfirma jedenfalls nicht.“ Wer als ‚Toleranzbotschafter’ in der Öffentlichkeit anerkannt sein will, muss jegliche Formen vorurteilsmotivierter Gewalt mit Nachdruck verurteilen, sich auch mit der eigenen Vergangenheit kritisch auseinander setzen und dies deutlich machen. Diese Chance hat Muhabbet in der bisherigen Diskussion ungenutzt verstreichen lassen.“

Muhabbet die Urheberschaft des homophoben und frauenverachtenden Machwerks „Im Westen“ zuzuschreiben, sei laut Darstellung des Plattenlabels jedoch falsch: „Alle Texte dieses Songs stammen von Amok, einem kurdischen Rapper mit Abitur. Der Track wurde von $iki Pa! produziert.“ „Diese Darstellung der Plattenfirma wirft aber die Frage auf, warum Muhabbet oder sein Plattenlabel in der Vergangenheit anscheinend nicht bemüht waren, anders lautende Quellen zu korrigieren, geschweige denn sich von Songs klar und unmissverständlich zu distanzieren“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke. Nachrichtenportale wie Welt-Online verorteten daher die Miturheberschaft dieses und anderer Songs weiter bei Muhabbet. Finke weiter: „Wir wollen gerne glauben, dass Muhabbet mit Gewalt und homophober Hetze nichts zu tun hat.. Den Beweis dafür muss er aber noch erbringen.

In seiner Pressemitteilung, die MANEO vorliegt, verbreitet Plak Musik außerdem: „Es ist nicht unsere Sache, die Musik unserer Künstler zu interpretieren. Das obliegt dem Hörer.“

MANEO-Projektleiter Finke fordert die Plattenfirma zum Umdenken auf: „Niemand – vom Plattenlabel über den Konzertveranstalter bis zum Radiosender – kann sich aus seiner publizistischen Verantwortung stehlen. Insbesondere bei Hass-Musik ist neben einer kritischen Öffentlichkeit auch das Verantwortungsbewusstsein der gesamten Musik- und Medienbranche gefordert.“






Berlin, den 14.11.2007

Schöner Cruisen:

Plakat SChöner Cruisen MANEO-Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“
trotz plötzlichen Unwetters ein voller Erfolg

Zunächst schien noch die Sonne, als sich am vergangenen Samstag, 10.November, um 14 Uhr rund zwei Dutzend hoch motivierte Helfer im Tiergarten an den Tischtennisplatten trafen.

MANEO hatte zum freiwilligen Großputz aufgerufen, nachdem das Grünflächenamt des Bezirks sowie zahlreiche Cruiser wiederholt Anlass zu Beschwerden fanden: vor allem achtlos weggeworfene Hinterlassenschaften wie Papiertaschentücher und Kondome sind kein schöner Anblick – weder für Parkbesucher noch für Cruiser. Zum Ausklang der Outdoor-Saison hatte also MANEO mit dem symbolischen Akt des „Großputzes“ ein Zeichen setzen wollen, auch über die Aktion hinaus: „Rücksichtsvolles Cruisen ist letztlich auch ein Beitrag für ein gutes Stadtklima, denn auf die Bedürfnisse aller Parkbesucher wird Rücksicht genommen“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke.

Die anwesenden Polizeivertreter sowie das Grünflächenamt des Bezirks begrüßten die Aktion und zeigten sich ob des Engagements beeindruckt. Auch Margot Schlönzke, KoRa van Tastisch und Uschi Wurst von der TunSi, sowie einige der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz waren in vollem Ornat zugegen und griffen fleißig mit zu Handschuhen und Greifzangen.

Nachdem das Areal hinter den Tischtennisplatten weitestgehend von den Hinterlassenschaften rücksichtsloser Cruiser befreit und kleine Schilder mit dem „Schöner Cruisen“-Emblem aufgestellt worden waren, die nachfolgende Cruiser zu Sauberkeit und Rücksichtnahme gemahnen, setze der erste Graupelschauer ein. Zunächst noch unerschrocken, rückten der Trupp aus Helfern, MANEO-Mitarbeitern, Schwestern und TunSi-Damen zur Löwenbrücke weiter, musste dort jedoch zum Abbruch der Aktion blasen: Gewitter und Schneegestöber machten ein Weiterkommen unmöglich.

MANEO-Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“ MANEO-Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“ Statt nach geplanten zwei Stunden endete die Aktion bereits nach einer Stunde – nichtsdestotrotz war ein beachtliches Müllvolumen zusammengekommen: Rund 10 volle Müllsäcke kamen zusammen. Anschließend im Mann-O-Meter ließ man bei Grillwurst und Glühwein den Nachmittag ausklingen und dankte den UnterstützerInnen für ihren Einsatz.

Die MANEO-Aktion „Schöner Cruisen – Großputz im Tiergarten 2007“ bildete den Auftakt einer Reihe weiterer Aufklärungsaktionen rund um das Thema Cruising. MANEO plant zudem die Wiederholung der Aktion „Schöner Cruisen – Großputz im Tiergarten“ im Umfeld des Berliner CSD 2008.

Wer die Aktion auch noch nachträglich unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen mit einer Spende das Dankeschön-Grillfest für die Helfer unterstützen.

Spendenkonto: Mann-O-Meter e.V., Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00, Konto-Nr. 3126000, Zweck: MANEO / Schöner Cruisen.

Spenden sind steuerabzugsfähig. Für die Erstellung einer Spendenquittung bittet MANEO um eine Benachrichtigung.






Berlin, den 09.11.2007

Zweite Runde für MANEO-Studie

Die zweite Online-Umfrage zu Gewalterfahrungen von Schwulen
startet am 1. Dezember 2007

Zwölf Monate nach der ersten Umfrage wiederholt MANEO die bundesweit beispiellose Studie zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern. Erneut ruft MANEO zur regen Teilnahme auf. MANEO will mit der Wiederholung der Befragung die wissenschaftliche Relevanz der bisher gewonnenen Ergebnisse weiter erhärten. MANEO hofft, dass sich auch wieder vielen der Personen an der Umfrage beteiligen, die bereits im letzten Jahr mitgemacht haben.

Erstmalig in der Bundesrepublik wurden mit der breit angelegten anonymen MANEO-Studie 2006/2007 empirische Daten zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern erhoben. Ziel des circa 20-minütigen Online-Fragebogens auch der Wiederholungsstudie 2007/2008 ist, durch individuelle Einschätzungen der Teilnehmer ein detailliertes Bild der momentanen Situation von Schwulen und Bisexuelle zu erhalten.

Nach wie vor ist die Dunkelziffer bei antischwulen Delikten enorm hoch; viele Taten werden nicht zur Anzeige gebracht, vieles wird bagatellisiert. Die MANEO-Studie 2006/2007 offenbarte eine Dunkelziffer von 90 Prozent: „Bis dahin gingen wir von einem Dunkelfeld von 80 Prozent aus. Die Studie belehrte uns eines Schlechteren!“, so MANEO-Projektlieter Bastian Finke.

Die brisanten Ergebnisse und die enorme Teilnehmerzahl der MANEO-Studie – an der ersten Umfrage hatten 24.000 Personen teilgenommen – sorgten bundesweit bei Wissenschaft, Politik und Verbänden für Aufsehen. Zahlreiche UnterstützerInnen, darunter auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, würdigten die MANEO-Studie als Meilenstein. „Etwas Vergleichbares hat es in Deutschland in der Tat noch nicht gegeben“, so Finke.

An der Ausarbeitung der Umfrage 2007/2008 sind erneut renommierte Fachkollegen wie Dr. Michael Bochow (Soziologe), bekannt durch Untersuchungen zu Einstellungen von schwulen Männern zu HIV und AIDS im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Dr. Bodo Lippl (Soziologe), Dozent am Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin, Dr. Martina Stallmann (Soziologin), Dozentin für Methodenlehre an der Evangelischen Fachhochschule Berlin, sowie Bastian Finke (Soziologe), MANEO-Projektleiter, beteiligt.

Finke, der mit seinem Wissenschaftsteam die Wiederholung der Umfrage vorbereitet, möchte mit der Studie das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO einmal mehr als Institution empfehlen, die bemüht ist, weitere wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet voranzubringen. Denn Ziel ist es, die Präventions- und Opferhilfearbeit hier deutlich zu verbessern. „Dass Handlungsbedarf in Deutschland besteht, wird vielfach in der Politik und in Verwaltungen ignoriert“, so Finke.

Zur Teilnahme an der Umfrage aufgerufen sind daher nicht nur unmittelbar Betroffene oder Zeugen von homophoben Vorfällen. Bereits die Einschätzung des eigenen Risikos, heutzutage Opfer einer schwulenfeindlichen Gewalttat werden zu können, ist von Interesse. Außerdem gilt es näher zu beleuchten, warum nach wie vor viele Schwule eine Anzeige bei der Polizei scheuen.

Vom 1. Dezember 2007 bis 31. Januar 2008 wird der Online-Fragebogen auf der Website www.maneo-toleranzkampagne.de ausfüllbar sein. Außerdem werden ab 1. Dezember rund 120.000 Fragebögen als Beilagen über einschlägige Berliner Printmedien in den schwulen Szenen verteilt.

Zur Teilnahme sind alle aufgerufen – auch all jene, die bereits an der ersten Studie teilgenommen hatten, überhaupt alle, ob sie bisher Gewalt erfahren haben oder nicht.






Berlin, den 07.11.07

Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum

eine Veranstaltung des Landeskriminalamtes Berlin, Anti-Gewalt-Projekt, in Zusammenarbeit mit MANEO

DATUM: Montag, den 3. Dezember 2007
BEGINN: um 19:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter, Bülowstr. 106
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus M19, 106, 187


Ein weiteres Mal führen wir in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Berlin, Referat Vorbeugung/ Anti-Gewalt-Projekt, eine Informationsveranstaltung zum Thema „Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum“ durch. Die Informationsveranstaltung richtet sich an alle interessierte Personen, die mehr über den Umgang mit Gewalt und Aggression im „öffentlichen Raum“ (damit sind z.B. öffentliche Verkehrsmittel oder die Straße gemeint) wissen wollen. Die Veranstaltung richtet sich an Personen, die vielleicht selbst schon einmal Opfer von Gewalt geworden sind oder Gewalt als Zeugen miterlebt haben. Die Veranstaltung richtet sich vor allem auch an Personen, die sich Informationen für den Fall besorgen wollen, eventuell selbst einmal in eine solche Situation zu geraten.

Folgende Themen stehen im Programm:

  • Tätervorgehen
  • Gefahrenwahrnehmung und –abwehr
  • Täterbesonderheiten bei Sexualdelikten
  • Abwehrstrategien gegen Gewaltangriffe
  • Sicher fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Gefahrlos Hilfe leisten, Notwehr- und Selbsthilferecht
  • Waffenproblematik
  • Richtiges Anzeigeverhalten
  • Was tun, wenn doch mal was passiert ist
  • Möglichkeiten der Selbstverteidigung

Geschulte Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Berlin informieren und geben praktische Tipps und Hinweise.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt auf 40 Personen. Interessierte werden gebeten, sich möglichst bald zu melden.

Anmeldeschluss: 30. November 2007.

Erforderlich ist die namentliche und verbindlich Anmeldung.

Anmeldung: MANEO c/o Mann-O-Meter e.V.,
Bülowstraße 106 (direkt am Nollendorfplatz),
10783 Berlin
Tel.: 030- 2163336
eMail: maneo[at]maneo.de






Berlin, den 02.11.2007

Tolerantia-Preis 2007 verliehen

Am Abend des 3. November wurde zum zweiten Mal der von MANEO initiierte deutsch-französisch-polnische Tolerantia-Preis verliehen. Die diesjährige Preisverleihung fand im Pariser Louvre statt.

preisverleihung im louvre Mit der trinationalen Auszeichnung würdigen die Organisationen SOSHomophobie (Frankreich), Lambda- Warsawa, Kampagne gegen Homophobie und Stiftung für Gleichberechtigung (Polen) und MANEO (Deutschland) beispielhaftes Engagement zur Überwindung von Homophobie und Hassgewalt in den jeweiligen Ländern.

Die diesjährigen Preisträger sind der polnische Bürgerrechtler und stellvertretender Chefredakteur der liberalen Tageszeitung "Gazety Wyborczej" Piotr Pacewicz, das französischeTheaterprojekt „Place de Mythos” und die deutsche Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international.

© MANEO. Verleihung des Tolerantia-Preises im Pariser Louvre am 3. November 2007 mit Preisträgern und Veranstaltern.


AUF EIN WORT –
DIE PREISTRÄGER 2007


FRANKREICH: Vanva Gauthier, Leiterin des mit dem Tolerantia-Preis 2007 augezeichneten Theaterprojektes
„Place de Mythos / Delusion Square“ (Frankreich):
"Wir arbeiten seit rund zwölf Jahren mit jungen Leuten von Ris-Orangis, einem Vorort von Prais, der ebenso sozialer Brennpunkt ist, zusammen.Vor drei Jahren kamen wir auf die Idee das Thema „schlechter Ruf" auf die Bühne zu bringen. In den Banlieues, so wie unserer, werden Mädchen, die Affären mit Jungs haben, als Schlampen abgestempelt, und Jungs, die keine Affären mit Mädchen haben, als „Schwule". Zu Beginn unseres Projekts zeigten auch unsere jungen Leute starke homophobe Tendenzen. Doch mit der Zeit drehte sich etwas in den meisten derer Köpfe. Und dazu hat unser Theaterstück beigetragen. Wir sind unheimlich stolz den Tolerantia-Preis zu bekommen. Es ist sehr wichtig für uns, weil wir wissen, wer ihn vor uns bekommen hat und das macht diese Auszeichnung noch wertvoller. Wir haben durch "Place de Mythos" für die Belange der Homosexuellen ein Zeichen setzen wollen. Dieser Preis ist ein Preis des Herzens."


DEUTSCHLAND Richard Harnisch, Sprecher der mit dem Tolerantia-Preis 2007 ausgezeichneten Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international:
"Wir freuen uns über diese Anerkennung unseres langjährigen Einsatzes für die Menschenrechte weltweit. Von großer Bedeutung für unsere Arbeit ist ein funktionierendes internationales Netzwerk, um Informationen schnell auszutauschen und im Ernstfall reagieren zu können. Durch den Tolerantia-Preis können wir insbesondere unsere Bindung nach Polen weiter ausbauen. Das ist sehr wichtig für uns; bereits seit längerer Zeit machen wir uns für eine Verbesserung der Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in unserem Nachbarland stark."


POLEN: Piotr Pacewicz, mit dem Tolerantia-Preis 2007 ausgezeichneter polnischer Bürgerrechtler und stellvertretender Chefredakteur der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza:
"Als ich für unsere Zeitung Gazeta Wyborcza einen Komentar zu den Ergebnissen des letzten ‚Gewalt-Berichts’ der Organisation KPH (Campaign Against Homophobia) and Lambda schrieb titelte ich meinen Beitrag mit den Worten “Seid leise ihr Schwulen“. Homosexuelle sind Opfer vieler Aggressionen. Nach dem letzten Bericht wurden 20 Prozent der Schwulen Opfer physischer Gewalt, etwa die Hälfte aller Schwulen erlebte verbale Gewalt and Einschüchterung.

Aber das größte Problem ist der Pakt des Schweigens über diese Gewalt. 85 Prozent der Schwulen verbergen ihre homosexuelle Orientierung am Arbeitsplatz, 79 Prozent an Schulen und Universitäten. 50 Prozent der Mütter und Zweidrittel der Väter wissen nicht die Wahrheit über ihre Kinder. Eines der Gründe für diese tragische Statistik ist der katholische Konservatismus. Zwei Jahren lang wurde Polen von rechtgerichteten Populisten regiert, größtenteils von der Partei der Kaczynski-Brüder ‚PiS’. Sie benutzen und bestärkten homophobe Einstellungen. Letzten Monat verloren die Kaczynsci-Brüder die Parlamentswahlen in Polen. Regierungschef Kaczynski erklärte seine Niederlage damit, dass diese aufgrund einer machtvollen Front, angeführt durch die Zeitung Gazeta Wyborcza, herbeigeführt worden sei. Das sich verändernde politische Klima wird dazu beitragen, dass es bald zum politisch korrekten Ton gehören wird, homophobe Äußerungen ebenso zu verurteilen wie dies bereits bei antisemitischen Äußerungen geschieht.

Ich sehe das auch noch in einem weiteren Kontext als eine Herausforderung für die Bürgergesellschaft. Obwohl sich unser Land dynamisch schnell weiter entwickelt und die Polen sich mit einer ebenso großen Schnelligkeit weiter bilden, so entwickelt sich unser soziales Kapital nicht mit gleicher Geschwindigkeit. Vertrauen in andere, guter Wille und Kooperationsbereitschaft, der Wille, bürgerliche Verantwortung zu übernehmen, das befindet sich noch immer auf dem niedrigsten Level in Europa. Polen sind noch keine vollreifen Bürger. Erklärungen wie die Tolerancia-Erklärung sind wie Sterne am Himmel wie Immanuel Kant sie sah. Sie können einer bürgerlichen Mobilisierung behilflich sein. Eine solche muß auch auf Seite der Homosexuellen stattfinden."


DER TOLERANTIA-PREIS
Erstmals in 2006 hatten die Projekte MANEO, der französische Verein SOS-Homophobie sowie die polnischen Organisationen Lambda, KPH und die Stiftung für Gleichberechtigung mit dem „Schwulen Weimarer Dreieck“ ein Netzwerk gegründet, um in der Anti-Gewalt-Arbeit trinational enger zusammen zu arbeiten. Die Organisationen haben u.a. beschlossen, jedes Jahr zum Internationalen Tag gegen Homophobie am 17. Mai ihre Jahresberichte der Öffentlichkeit zu präsentieren und an die EU weiter zu leiten. Darüber hinaus wollen sie ihre Meldestellen für die Erfassung von homophober Gewalt sowie die Opferhilfearbeit für homosexuelle Gewaltopfer ausbauen, insgesamt der Bagatellisierung homophober Gewalt in der Öffentlichkeit energischer entgegen treten. Da Homophobie keine Grenzen kennt, muss dieser gesellschaftlich relevante Kampf über die eigenen Grenzen hinaus geführt werden.

Der „Tolerantia“-Preis ist der symbolträchtigste Ausdruck dieser Zusammenarbeit. Ausgezeichnet wurden im Mai 2006 im Rahmen einer Benefiz-Veranstaltung im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, die Grünen-Politiker Volker Beck und Günther Dworek (Deutschland), der Begründer des Internationalen Tages gegen Homophobie, Dr. Louis-Georges Tin (Frankreich) und der Senator Kazimierz Kutz (Polen).

Weitere Infos: www.maneo-toleranzkampagne.de






Berlin, den 17.10.2007

Schöner Cruisen

MANEO-Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“ zum Ausklang der Outdoor-Saison

Plakat  SChöner Cruisen Bis weit über die Stadtgrenzen hinaus ist der Tiergarten, insbesondere der Teil westlich der Siegessäule, bei homo- und bisexuellen Männern als Cruising-Gebiet bekannt. Cruisen ist eine schöne Sache, und das soll auch so bleiben.

Doch zertrampelte Grünanlagen und achtlos weggeworfene Hinterlassenschaften sind kein schöner Anblick – weder für Parkbesucher noch für Cruiser. Wiederholt hatte das zuständige Grünflächenamt die Verunreinigungen durch Papiertaschentücher und Kondome als nicht akzeptabel bezeichnet – zu Recht, geben die Zustände doch seit längerem Anlass zu Beschwerden sogar seitens vieler Cruiser.

Zum Ausklang der Outdoor-Saison ruft daher MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, zum Großputz auf: Am Samstag, den 10. November 20007, veranstaltet MANEO von 14 bis 16 Uhr die Aktion „Schöner Cruisen – Großputz im Tiergarten 2007“.

An den Tischtennisplatten zwischen Bremer Weg und Großer Weg erhalten freiwillige Helfer kostenlos Müllsäcke, um das einschlägige Areal von Hinterlassenschaften zu befreien. Auf Wunsch werden auch Handschuhe zur Verfügung gestellt, sofern keine eigenen mitgebracht werden können; MANEO bitte dafür vorab um eine kurze Benachrichtigung an maneo[at]maneo.de.

Als Dankeschön lädt MANEO die fleißigen Helfer im Anschluss an die Aktion ins Mann-O-Meter zu Grillwurst und Glühwein ein.

Mit Flyern („Schöner Cruisen“) wird MANEO in den schwulen Szenen für die Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“ werben. MANEO-Projektleiter Bastian Finke: „Mit diesem symbolischen Akt wollen wir ein Zeichen setzen. Rücksichtsvolles Cruisen ist letztlich auch ein Beitrag für ein gutes Stadtklima, denn auf die Bedürfnisse aller Parkbesucher wird Rücksicht genommen.“

Die MANEO-Aktion „Schöner Cruisen – Großputz im Tiergarten 2007“ bildet den Auftakt einer Reihe weiterer Aufklärungsaktionen rund um das Thema Cruising.

Wer die Aktion unterstützen möchte, jedoch selber keine Zeit haben sollte, kann mit einer Spende das Dankeschön-Grillfest für die Helfer unterstützen.

Spendenkonto: Mann-O-Meter e.V.,
Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 100 205 00,
Konto-Nr. 3126000,
Zweck: MANEO / Schöner Cruisen.

Spenden sind steuerabzugsfähig. Für die Erstellung einer Spendenquittung bittet MANEO um eine Benachrichtigung.

MANEO-Aktion „Großputz im Tiergarten 2007“ Samstag, 10. November 2007
von 14 bis 16 Uhr
Treffpunkt: Tiergarten, an den Tischtennisplatten
mit anschließendem Grillen und Glühwein im Mann-O-Meter, Bülowstr. 106






Berlin, den 15.10.2007

Rote Karte für Homophobie im Fußball

MANEO und DFB unterzeichnen Erklärung gegen Homophobie im Fußball

Am vergangenen Freitag, 12. Oktober 2007, unterzeichneten beim 1. Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball Fußballvereine, Funktionäre, Fanclubs und Organisationen eine Erklärung gegen Diskriminierung. Die Unterzeichner, darunter der DFB, Hertha BSC, Werda Bremen, Hamburger Fußball-Verband, Türkiyemspor Berlin, die Hertha-Junxx, Vorspiel e.V. und MANEO, setzten damit ein bislang beispielloses Zeichen: Die Erklärung spricht sich u.a. für die Thematisierung aller Formen von Diskriminierung, die Einführung von Antidiskriminierungsparagraphen in Stadionordnungen und Vereinssatzungen sowie die Dokumentation von Diskriminierungen aus.

Die von der European Gay ans Lesbian Sports Federation (EGLSF), vertreten durch die frühere Bundesligaspielerin von Turbine Potsdam Tanja Walther, veranstaltete und von MANEO unterstützte Aktion stellt damit einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Fußballsports dar. MANEO-Projektleiter Bastian Finke: „Homophobie und Diskriminierung haben auf dem Fußballplatz, überhaupt im Sport nichts zu suchen. Das zerstört Sportler. Hier sind gerade Vereine und Verbände aufgefordert, unmissverständlich Stellung zu beziehen“

Handeln tut Not: Co-Veranstalter Oliver Lück vom Online-Fußballmagazin "Rund" wies darauf hin, dass nach wie vor ein „stark homophobes Klima im deutschen Fußball“ herrsche, wie er auf der Podiumsdiskussion im Berliner Olympiastadion sagte. Helmut Spahn, designierter Sicherheitsbeauftragter des DFB, erklärte, dass Sport wichtige Anstöße geben könne und auch müsse - auch wenn der Fußball nicht gesellschaftliche Probleme lösen könne. DFB-Präsident Theo Zwanziger wolle sich dafür einsetzen, hier „wirklich" etwas zu verändern, so Spahn. Marianne Meier (Swiss Academy of Development / UEFA) betonte, dass die UEFA ausdrücklich diesen Abend wie auch weitere Aktionen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Homosexuellen im Fußball unterstütze. Die UEFA habe mittlerweile das Problem erkannt und wolle hier auch aktiv etwas tun. In einem Handbuch der UEFA sei hierzu bereits Stellung bezogen worden.

MANEO-Projektleiter Finke begrüßt das nachdrückliche Engagement der an der Erklärung Beteiligten und wünscht sich für die Zukunft ein noch stärkeres Engagement seitens der Bundesligavereine: „Wir können sehr gut nachvollziehen, dass sich aktive Sportler und Fußballer nicht outen wollen. Nach wie vor ist ihre Angst vor Nachteilen groß. Um so bewundernswerter ist es, dass es dennoch immer wieder Sportlerinnen und Sportler tun. Wichtiger denn je ist ein solidarisches und unterstützendes Umfeld innerhalb des Sports. Für uns bleibt deshalb unverständlich, warum sich nach wie vor gerade bekannte Sportgrößen zieren, Gesicht gegen Homophobie und Hassgewalt im Sport zu zeigen etwa mit der Aussage: ‚Stopp. Ausgrenzung und Gewalt gegen Schwule und Lesben im Sport lass ich nicht zu!’ Wo sind die bekannten Sportler, die den mut für ein solches Statement aufbringen?.“






Berlin, den 11.10.2007

Tolerantia-Preis 2007

Zum zweiten mal wird der deutsch-französisch-polnische Preis an Persönlichkeiten und Projekte aus Deutschland, Frankreich und Polen verliehen

Bereits zum zweiten Mal wird der von MANEO initiierte Tolerantia-Preis an Persönlichkeiten und Projekte aus Frankreich, Polen und Deutschland verliehen, die sich im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt verdient und für mehr Gleichberechtigung in den Ländern stark gemacht haben. Die diesjährige Verleihung des jährlich ausgelobten Preises findet am 3. November 2007 im Rahmen einer Feierstunde im Pariser Louvre statt.

Plakat Augenzeugen melden In 2006 hatten die Projekte MANEO, der französische Verein SOS-Homophobie sowie die polnischen Organisationen Lambda, KPH und der Stiftung für Gleichberechtigung mit dem „Schwulen Weimarer Dreieck“ ein Netzwerk gegründet, dessen gemeinsame Ziele in dem trinationalen Tolerantia-Preis ein würdiges Symbol fanden.

Ausgezeichnet wurden im Mai 2006 im Rahmen einer Benefiz-Veranstaltung im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, die Grünen-Politiker Volker Beck und Günther Dworek (Deutschland), der Begründer des Internationalen Tages gegen Homophobie, Dr. Louis-Georges Tin (Frankreich) und der Senator Kazimierz Kutz (Polen). Die diesjährigen Preisträger, die bereits auf der MANEO-Werkstatt 2 im Mai 2007 in Berlin bekannt gegeben wurden, sind: Piotr Pacewicz, polnischer Bürgerrechtler und stellvertretender Chefredakteur der liberalen Tageszeitung "Gazety Wyborczej", das Theaterprojekt „Place de Mythos” aus Frankreich und die Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international aus Deutschland. Weitere Infos: www.maneo-toleranzkampagne.de

TOLERANTIA 2007 – DIE PREISTRÄGER

DEUTSCHLAND: Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international
MERSI, am 18. November 1995 zunächst unter dem Namen „Sektionskoordinationsgruppe Homosexualität“ bei amnesty international ins Leben gerufen, setzt sich heute dafür ein, Menschenrechtsverletzungen an Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern weltweit aufzudecken und die Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Betroffenen voranzutreiben. MERSI zählt derzeit etwa sechzig Aktive, die in Bezirksgruppen in mehreren Städten Deutschlands tätig sind. Über das amnesty-interne Netzwerk „amnesty international members for gay and lesbian concerns“ steht MERSI zudem mit mehr als 25 anderen Ländern in Verbindung. Bewährtes Instrument von amnesty international sind so genannte „urgent actions“: Eilaktionen mit dem Ziel, eklatante Missstände in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit zu rücken und durch den erzeugten Druck Regierungsstellen oder Polizeien zum Handeln zu bewegen. Heute beteiligen sich nahezu 1.000 Unterstützerinnen und Unterstützer an den Schnellappellen; mehr als 40 % der Interventionen führen zu Erfolgen: aufgrund ihrer sexuellen Identität Inhaftierte wurden freigelassen, Täter angeklagt. Das von MERSI-Mitgliedern herausgegebene Buch „Das Recht, anders zu sein“ dokumentiert zahlreiche Fälle von Menschenrechtsverletzungen an LGBT weltweit. Ausführlich wird über rechtliche Bestimmungen und den Umgang mit Homosexualität in den verschiedenen Regionen der Welt informiert. www.mersi-amnesty.de

POLEN: Piotr Pacewicz
Bevor Piotr Pacewicz nach den Umbrüchen 1989 die erste unabhängige Tageszeitung, "Gazety Wyborczej", gründete, war er acht Jahre lang als Redakteur bei der größten Zeitung der damals illegalen Solidarnosc, "Tygodnika Mazowsze", tätig. Seit 1980 arbeitete er zudem am Institut für Psychologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) und war Dozent für Sozialpsychologie an der Technischen Universität in Westberlin. 1989 dann war er bei den Gesprächen am Runden Tisch aktiv und ist seit 1995 Stellvertretender Chefredakteur der liberalen "Gazety Wyborczej". 2005 nahm er an der verbotenen Gleichberechtigungsparade teil, die er zugleich in seiner redaktionellen Arbeit unterstütze. Wiederholt protestierte er gegen die lesben- und schwulenfeindliche Hetzpropaganda polnischer Politiker. Dank seiner zahlreichen Artikel und Kommentare hat sich das Bild der Homosexuellen in polnischen Medien deutlich verbessert. Piotr Pacewicz, Jahrgang 1953, ist Absolvent der Fakultät für Psychologie der Warschauer Universität.

FRANKREICH: Theaterprojekt „Place de Mythos / Delusion Square” von Ris-Orangis
Das Jugendprojekt Ris-Orangis befindet sich mitten in einem sozialen Brennpunkt: Gewalt, Diskriminierung und Homophobie sind in dem Pariser Vorort quasi an der Tagesordnung. Im November 2006 traten ein Jugendarbeiter und ein Theaterdirektor mit einer Idee an die Jugendlichen des Clubs heran: Sie sollten eine Stück schreiben und auf die Bühne bringen, das ihren Alltag und das ständige Klima der Gewalt widerspiegeln würde. Aus eigenem Antrieb entschieden die Jugendlichen, Homophobie – die in ihren Augen ärgste und meist verbreitete Form der Diskriminierung in ihrem Kiez, zum Thema zu machen. Heraus kam ein authentisches, zweistündiges Musical mit Rap-, HipHop- und R’n’B-Elementen – die 16- bis 21-jährigen heterosexuellen Akteure wählten bewusst eben jene Musikstile, die für homophobe und sexistische Texte in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisiert wurden. Die Show war von großem Erfolg und wird auch noch in Zukunft zahlreiche Male in Theatern in und um Paris aufgeführt werden. Nicht nur französische LGBT-Organisationen waren begeistert; die Französische NCC verlieh dem Projekt das Label „All different All equal“.






Berlin, den 12.10.2007

MANEO – Denkzettel #2 Schwanzlutscher*

Plakat Schwanzlutscher Bereits im Mittelhochdeutschen tritt für das ursprünglich nur im hochdeutschen Sprachbereich gültige Wort (mhd. swanz, von „sich schwenkend bewegen“, später auch „Tierschweif“) die umgangssprachliche Bedeutung „Penis“ auf. „Schwanzlutscher“ verunglimpft als heutzutage vielfach verwendetes Schimpfwort homosexuelle Jugendliche und Männer, in dem es sie in abfälliger Weise auf eine Sexualpraktik reduziert.

Das englische Äquivalent „cocksucker“ machte in den USA der 1970er-Jahre medial Karriere, nachdem es als eines der „Sieben Schmutzigen Wörter“ auf dem Index der Bundesrundfunkbehörde FCC landete: Komödiant George Carlin hatte sich einen Spaß daraus gemacht, in einer Radioshow mit „verbotenen“ Worten zu provozieren.

Heute definiert der Duden im Wörterbuch der Szenesprachen „Sucker“ [zu engl. to suck = saugen, lutschen] als „zeitgemäße Beleidigung für jeden Mistkerl“. Als Abkürzung für „Cocksucker“ sei der Schwanzlutscher gemeint, was „hier allerdings nicht mit vordergründig sexueller Bedeutung verwendet“ würde: Das Wort „suck“ habe sich vor allem durch die populäre MTV- Zeichentrickserie „Beavis and Butthead“ als Bezeichnung für alles Uncoole, Langweilige und Negative durchgesetzt. „School sucks!“, sage Butthead, so wie ein schlechter Film oder eine öde Party „saugen“ würden. Ein „Lutscher“ sei eher ein „Langweiler“, ein „Blindgänger“ oder eine „Null“.
(Quellen: Duden – Das Herkunftswörterbuch, 2006; Duden – Wörterbuch der Szenesprachen, 2001; Wikipedia.de)

Logo MANEO -Kreativ-wettbewerb08 „Schwanzlutscher“ ist das zweite Motiv einer fünfteiligen Flyer-Serie, die dieses und weitere homophobe Schimpfworte aufgreift.MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, wirbt damit für den MANEO-Kreativpreis 'Hands of Courage' 2008 Der Ideenwettbewerb für Teens und Twens




Plakat Schwanzlutscher Ein Wettbewerb für Teens und Twens

Um Homophobie und Hassgewalt unter Jugendlichen zu begegnen, verleiht MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie 17. Mai 2008 im Rahmen eines Ideenwettbewerbs für Teens und Twens erstmalig den MANEO-Kreativpreis 'Hands of Courage' 2008.

Alle Infos, Termine und Anmeldeformular unter www.tag-gegen-homophobie.de

Vorbereitungsworkshops ab Herbst 2007
Einsendeschluss der Beiträge: 30.04.2008
Hands-of-Courage-Award & Party: 25.05.2008



Die ausführliche Info-Broschüre zum Wettbewerb ist bei MANEO im Mann-O-Meter, Bülowstr. 106, U-Bhf. Nollendorfplatz, erhältlich.

Ideenpool Jugendliche im Alter von etwa 14 bis 24 Jahren sind eingeladen, sich mit eigenen kreativen Beiträgen mit dem Thema „Homophobie, Männlichkeit und Gewalt“ auseinanderzusetzen. Für die Gruppen- oder auch Einzelarbeiten stehen vier Kategorien zur freien Wahl. Die jeweils besten Beiträge werden von einer unabhängigen Jury prämiert.

Kategorie (1) „Theater & Film“ Zum Beispiel: Kurzfilme, Sketche, Video-Clips, Animationsfilme, Werbe- Spots, Theaterstücke, Puppentheater, ... Beiträge als DVD/Video, max. 15 Minuten.

Kategorie (2) „Musik & Tanz“ Zum Beispiel: Dance-Clips, Musik-Clips, Songs, Chorgesang, Sprechgesang, Orchesterstücke, Choreografien, ... Beiträge als DVD/Video, max. 5 Minuten.

Kategorie (3) „Kurzgeschichten“ Zum Beispiel: Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte, Reportagen, Dialoge, Love-Storys, ... Beiträge schriftlich, max. 15 Minuten Vortragsdauer.

Kategorie (4) „Foto“ Zum Beispiel: Fotoserien, Foto-Lovestorys, Bildcollagen, Plakate, ... Beiträge möglichst im Format DIN A4.

Gern beantworten wir Ihre individuellen Fragen: 030/ 216 33 36 oder maneo[at]maneo.de




Berlin, den 24.09.2007

Wowereit besucht Warschau

MANEO begrüßt neuerliche Gespräche zur Situation von Homosexuellen in Polen

Heute wird Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu einem zweitägigen Besuch in Warschau erwartet. Er wurde von der Warschauer Oberbürgermeisterin Hanna Gronkiewicz- Waltz von der liberal-konservativen Bürgerplattform eingeladen. Unter anderem soll es in den Gesprächen auch um die Situation von Homosexuellen in Polen gehen. Wowereit trifft dazu mit Vertretern der polnischen Lesben- und Schwulenorganisation Lambda Warszawa zusammen.

Erst im Mai dieses Jahres empfing MANEO zahlreiche Vertreter seiner polnischen und französischen Partnerorganisationen, darunter auch Lambda Warszawa, zu einer zweitägigen Fachkonferenz zum Thema „Homophobie und schwulenfeindlicher Gewalt im öffentlichen Raum: Meldung – Bewertung - Prävention“. Der länderübergreifende Austausch wurde von rund 120 Vertretern aus Politik, Polizei und der Anti-Gewalt-Arbeit interessiert angenommen, bot die Veranstaltung doch eine hervorragende Basis für neue Impulse für die zukünftige Anti-Gewalt-Arbeit in den Ländern.

Nicht nur das Interesse des Fachpublikums war groß, auch die hiesige Politik würdigte das Engagement mit breiter Unterstützung: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hatte die Schirmherrschaft über den diesjährigen Internationalen Tag gegen Homophobie und die deutsch-französisch-polnische Fachkonferenz von MANEO übernommen.

Gesellschaftliche Öffnung, so die Bilanz der Fachtagung, stellt jedoch insbesondere in Polen noch eine große Herausforderung dar, zumal derzeit von politischer Ebene eher gegenteilige Tendenzen zu erkennen sind. Die restriktive Haltung der polnischen Behörden erschwerte es vielen Interessierten, insbesondere Vertretern der polnischen Polizei, an der MANEO-Werkstatt teilzunehmen. Lambda-Warschau wurde daher angeboten, eine Einladung an Vertreter von Polizeien aus Deutschland und Frankreich nach Polen zu unterstützen, um dort die Kooperationsmöglichkeiten zu thematisieren und zu verbessern.

Dass ein solches Vorhaben auch Unterstützung auf europäischer Ebene finden wird, belegen deutliche Worte, die Dagmar Roth-Behrendt, Vizepräsidentin des Europaparlaments, während der Tagung an die Adresse der polnischen Regierung gerichtet hatte. Sie kritisierte harsch die gegen die europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien verstoßenden Gesetzesvorhaben und wies darauf hin, „dass Polens Beitritt zur Europäischen Union nicht möglich gewesen wäre, wenn es vor der letzten Erweiterung der Union im Jahr 2004 zu diesen nicht hinnehmbaren Ereignissen gekommen wäre.“ Die „Äußerungen einiger polnischer Regierungsvertreter“ würden „gegen die demokratischen Grundsätze der Europäischen Union verstoßen“, so Roth-Behrendt weiter.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, die sich ebenfalls der Haltung der derzeitige polnischen Regierung widmete, sekundierte in ihrem Grußwort treffend: „Wer sich mit Worten einübt in Ausgrenzung und Diskriminierung, für den rücken auch gewaltsame Taten in den Blick.“ Roth-Behrendt versicherte den Tagungsteilnehmenden: „Sie können sicher sein: Das Europäische Parlament wird mit Ihnen gemeinsam für eine Europäische Union ohne Homophobie kämpfen.“

Vor diesem Hintergrund unterstützt MANEO ausdrücklich die Gespräche, zu denen Berlins Regierender Bürgermeister heute in Warschau erwartet wird. MANEO begrüßt die Gespräche als ein positives Signal für die deutsch-polnische Beziehungen und freut sich über das Interesse Wowereits an der Arbeit und den Belangen der Homosexuellen in der polnischen Hauptstadt.






Berlin, den 04.09.2007

MANEO lässt Anzeige gegen Bushido prüfen

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: „Bushido reitet derzeit auf einer Welle medialer Aufmerksamkeit – und, anstatt sich für seine Ausfälle zu entschuldige, zeigt er sich als eiskalter Geschäftsmann. Bushido hat sich bislang mit keiner Silbe von homophober Gewalt distanziert. Fadenscheinige Ausreden, Textzeile wie ‚Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel’ seien einer Jugendsprache entlehnt und doch gar nicht ernst gemeint, können keiner ernsthaften Kritik standhalten.“

MANEO lässt derzeit eine Strafanzeige gegen Bushido prüfen, da dieser während des Konzerts am Brandenburger Tor an die Adresse der homosexuellen Gegendemonstranten seinen ausgestreckten Mittelfinger richtete und gerufen hatte: „Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß’ drauf.“

Aufgrund antisemitischer Texte lässt der Zentralrat der Juden ebenfalls eine Anzeige gegen Bushido prüfen. Das von der Jugendzeitschrift BRAVO und dem Musiksender VIVA ins Leben gerufene Anti-Gewalt-Event wurde vom Präsidium des Zentralrats scharf verurteilt.






Berlin, den 31.08.2007

Diskriminierung mit zweierlei Maß bemessen: Homophobie zunehmend als bloßes Kavaliersdelikt bagatellisiert

Gangsta-Rap: Ausländerfeindlichkeit ist tabu – antischwule Parolen sind harmlose Alltagskultur
Fußball: Rassismus wird hart bestraft – für Homophobie gibt’s Rabatt


„Schier unglaublich“ findet MANEO-Projektleiter Bastian Finke die Bagatellisierung von Homophobie, wie sie in jüngster Zeit in unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft Schule zu machen scheint: „Es wird so getan, als seien antischwule Parolen und homophobe Hetzte wahlweise harmlose Alltagskultur oder bloße Kavaliersdelikte, bei denen man ja noch mal ein Auge zudrücke könne.“
Zwei Beispiele:

Am 25.08.2007 geriet das Anti-Gewalt-Konzert am Brandenburger Tor zur Farce. Mit Befremden nahm MANEO zur Kenntnis, dass die von der Jugendzeitschrift BRAVO gemeinsam mit dem TV-Sender VIVA ins Leben gerufene Kampagne „Schau nicht weg!“ zwar vorgab, „für ein gewaltfreies Schuljahr rocken“ zu wollen, jedoch dem wegen seiner homophoben, frauenfeindlichen und Gewalt verherrlichenden Texte umstrittenen Rapper Bushido entgegen breiten Protestes aus Politik und Verbänden ein Forum bot. Mehr noch: Nicht nur, dass sich die Veranstalter nicht ausdrücklich von dessen hetzerischen Parolen distanzierten – sie billigten sie sogar als eine legitime „Jugendsprache“, die von „Erwachsenen“ schlicht nicht verstanden würde, wie BRAVOChefredakteur Tom Junkersdorf am Abend des Events sagte.

MANEO kann diese Argumentation nicht nachvollziehen: „Wie beispielsweise sind Textzeilen wie ‚Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel’ zu verstehen wenn nicht als homophobe Hetze?“, so Finke. Nach dem Verständnis von MANEO, das auf nunmehr 17-jähriger Erfahrung in der Anti-Gewalt- Arbeit beruht, wird mit solchen Parolen unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit antischwulen Ressentiments Vorschub geleistet. Es ist eine unbestrittenen Tatsache, dass „schwule Sau“ nach wie vor das meistgebrauchte Schimpfwort an deutschen Schulen ist. Statistisch befindet sich in jeder Schulklasse ein schwuler Junge und ein lesbisches Mädchen. Es kann nicht toleriert werden, dass diese Jugendlichen wissentlich zur Zielscheibe gemacht werden, dass verbale oder körperliche Gewalt gegen diese Jugendlichen sowie der Aufruf dazu als harmlose Jugendkultur abgetan werden. So etwas darf nicht mehrheitsfähig werden. MANEO hatte erst kürzlich eine umfangreiche empirische Studie zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern vorgestellt: Rund zwei Drittel der Befragten unter-18-jährigen schwulen und bisexuellen Jugendlichen gaben an, bereits direkt von homophober Gewalt betroffen gewesen zu sein.

Homosexuelle – eine vogelfreie Minderheit?
Indem sich die Veranstalter BRAVO und VIVA nicht unmissverständlich auch gegen Gewalt gegen Homosexuelle gewandt haben, haben sie ihrem Motto „Schau nicht weg!“ selbst widersprochen.
Noch verstärkt durch Bushidos explizite Verurteilung allein rassistischer Gewalt entstand dadurch der gefährliche Eindruck, es gäbe zweierlei Minderheiten – schützenswerte und vogelfreie: Rassismus ist schlimm, Schwule klatschen okay. Oder wie erklärt sich, dass „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jeden Inder“ zu einem Aufschrei – auch seitens der Veranstalter, auch seitens des Jugendschutzes! – führen würde, während „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel“ als salonfähig, ja gar als harmlose „Kunst“ dargestellt wird?

Sich in die Begründung zu flüchten, das eine würde sofort auf dem Index landen, das andere täte es nicht und sei daher freigegeben, ist bequem. Die Verantwortung gegenüber dem zumeist minderjährigen Publikum lässt sich nicht ohne weiteres mit vorgeschobenen Argumenten an „höhere“ Institutionen weiterreichen.

Bestürzt hat MANEO daher, dass Bushido während seines Auftritts ungehindert weiter gegen Homosexuelle Front machen konnte („Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß’ drauf.“). Seine Aussage zeigte entgegen anders lautender Berichte deutlich, wie wenig er sich von eingangs zitierten Texten bzw. von der darin geäußerten Ideologie entfernt hat. Dass derlei Krawall-Sprech seitens Bushido einem szeneüblichen Imponiergehabe geschuldet ist und für ihn wie auch für viele seiner Fans, wie Junkersdorf beschönigte, lediglich ein „Ventil“ darstelle, um „Aggressionen abzubauen“, unterstrich der Rapper gestern in einem Interview mit dem Tagesspiegel: Er habe nur „eine Show abgezogen“ und sich „gewisser Klischees als Werkzeug bedient.“ So weit, so bequem: Schuld sind die anderen. Homophobe Gewalt verurteilte er erneut mit keiner Silbe.

Es geht mitnichten darum, eine einzelne Person als „Bösewicht der Nation“ darzustellen – MANEO’s berechtigte Sorge gilt vielmehr denen, die umstrittene Musik wie die von Bushido unwidersprochen konsumieren und die darin enthaltene Sprache und ein unter Umständen aus dieser resultierendes Verhalten verinnerlichen.

„Schwule Sau“ nicht so schlimm wie „schwarze Sau“?
Dass mindestens latente Homophobie nicht nur in der so genannten Jugendkultur toleriert wird, zeigt sich einmal mehr am Beispiel des vom DFB-Sportgericht belangten Dortmunder Torwarts Roman Weidenfeller.

Diesen hatte Medienberichten zufolge der Schalker Nationalspieler Gerald Asamoah bezichtigt, ihn während eines Spiels als „schwarzes Schwein“ beleidigt zu haben. Der genaue Wortlaut konnte jedoch nicht rekonstruiert werden. Weidenfeller, der eine rassistische Bemerkung bestritt, räumte dann ein, Asamoah statt „schwarzes“ „schwules Schwein“ genannt zu haben – und erhielt statt für sechs nur für drei Meisterschaftsspiele eine Sperre sowie eine Geldbuße in Höhe von 10.000 Euro. Die „herabwürdigende und verunglimpfende Äußerung“ kam damit billiger als eine „rassistische“: Noch im Vorjahr verhängt der DFB eine Geldstrafe über 20.000 Euro aufgrund rassistischer Pöbelei. Borussia Dortmund und Trikotsponsor RAG gaben sich erleichtert, den Vorwurf des Rassismus aus der Welt geschafft zu haben – Homophobie wird statt Rassismus als vermeintlich kleineres Übel in kauf genommen.

„Dass Homophobie im Fußballsport verbreitet ist, ist hinlänglich bekannt und wird zu Recht kritisiert. Dass jedoch Homophobie vom DFB derart offen als Kavaliersdelikt bagatellisiert wird, hat eine neue Dimension“, so Finke. „Dadurch entsteht der Eindruck, das eine sei moralisch verwerflicher als das andere. Für Homophobie darf es aber keinen Freifahrschein geben! Dass in einigen Gesellschaftsbereichen das Wort ‚schwul’ als gleichbedeutend mit ‚schwach’ oder ‚minderwertig’ in die Alltagssprache adaptiert wurde, ist problematisch genug, greift es doch massiv eine ganze gesellschaftliche Gruppe in ihrem Recht auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung der Persönlichkeit an.“

Stopp Homophobie – Stopp Hassgewalt
Während die Verwerflichkeit von Rassismus weithin Konsens ist, gelten offenbar Homo- und Bisexuelle vielerorts als vogelfrei.

MANEO fordert: Hassgewalt muss, wie Hatecrime in den USA, ein verfolgbarer Straftatbestand werden.

Wir brauchen eine Rechtssprechung, die Hassgewalt verfolgt. Damit wären keineswegs alle Probleme vom Tisch, aber es würde ein deutliches Signal gesendet: Die Gemeinschaft entfernt sich von bloßen Lippenbekenntnissen und bezieht unmissverständlich Position.


Projektleitung:
Bastian Finke
Mail: bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 217 532 13

Pressekontakt:
Jens Brodzinski
Mail: jens.brodzinski-tk[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)177 40 29 717






Berlin, den 26.08.2007

BRAVO-Event „Schau nicht weg!“ toleriert homophobe Hetze:

Rassistische Gewalt ist schlimm – Schwuchteln verkloppen okay

Trotz breiten Protestes haben sich die Veranstalter BRAVO und VIVA nicht von dem wegen schwulenfeindlicher Texte in die Kritik geratenen Rapper Bushido distanziert. Während seines Auftritts gestern Abend griff er die Teilnehmer der von MANEO unterstützten Pro-testkundgebung frontal an: „Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß’ drauf.“

MANEO-Projektleiter Bastian Finke: „Die Veranstalter haben sich mit dem Auftritt Bushidos selbst disqualifiziert. Bislang hat sich keiner der Verantwortlichen unmissverständlich von homophober Gewalt distanziert. Das Konzert, mit dem vollmundig behauptet wurde, Gewalt an Schulen bekämpfen zu wollen, war eine einzige Alibi-Veranstaltung. Mit ernsthafter Anti-Gewalt-Arbeit hat das nicht das Geringste zu tun, im Gegenteil: Das Event konterkariert sämtliche Bemühungen auf diesem Gebiet.“

Während seines Auftritts lästerte der Rapper unter zustimmenden Buh-Rufen des Publikums: „Es geht heute Abend nicht um die Schwulen, die da gegen mich demonstriert hätten. Ich würde nie gegen Homosexuelle demonstrieren. Aber ich hoffe, die hatten ihren Spaß dabei." An die Adresse der Homosexuellen zeigte er dann den ausgestreckten Mittelfinger in die Kameras: „Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß’ drauf.“

Die Proteste der Politiker, die in den letzten Wochen massiv Front gegen seinen Auftritt gemacht hatten, verunglimpfte er als Ablenkungsmanöver und prangerte unter Verweis auf die Übergriffe im sächsischen Mügeln die „Gewalt gegen Ausländer“ an. Anstatt sich damit zu befassen, würden Politik und Medien lieber ihn als Bösewicht darstellen und als gefährlich bezeichnen - Sonnenbaden sei ja auch gefährlich.

Finke: „Es ist ein handfester Skandal, dass BRAVO und VIVA solchen Parolen ein Forum bieten: Rassistische Gewalt ist schlimm, aber Schwuchteln verkloppen, wie Bushido rappt, ist okay? Ja, wo leben wir denn! Seine Botschaften finden auf den Pausenhöfen von Schulen Gehör. Damit haben wir ein ernstes Problem.“ Bereits jetzt sind zwei Drittel aller unter-18-jährigen Schwulen von homophober Gewalt betroffen, wie die kürzlich vorgestellte MANEO-Studie ergab. „Vor diesem Hintergrund kein Einsehen zu haben, ist eine Herausforderung für jeden unsere demokratische und freiheitliche Grundordnung verteidigenden Menschen“, so Finke weiter.

Protestkundgebung vor dem Brandenburger Tor. 26.08.07Die parallel zu Beginn des Konzerts stattfindende Protestaktion traf auf breite Zustimmung.
Rund 50 Repräsentanten von schwulen und schwullesbischen Organisationen, u.a.
die schwulen Lehrer der GEW-Berlin,
der Verein ABqueer,
die Schwullesbische Gruppe von Ver.di Berlin-Brandenburg,
die Vereinigung lesbisch-schwuler Polizeibediensteter VelsPol aus Berlin-Brandenburg,
der LSVD-Landesverband Berlin-Brandenburg
sowie Mann-O-Meter
und MANEO,
zogen zu Samba-Rhythmen die Aufmerksamkeit der Konzertbesuchern und Presse auf sich. Finke: „Wir werden auch weiterhin nicht wegschauen, sondern genau hinsehen. Wir tun alles, um zu verhindern, dass homophobe Hetze in die Öffentlichkeit getragen wird.“

Foto: F.Brandtner ©-Protestkundgebung vor dem Brandenburger Tor. „Schau nicht weg bei homophober Gewalt!“






Berlin, den 25.08.2007

Nein zu Krawall-Rap!

MANEO ruft Veranstalter zum Engagement auch gegen homophobe Gewalt auf

MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, fordert die Veranstalter und beteiligten Künstlerinnen und Künstler des heutigen Konzerts der Jugendzeitschrift BRAVO zu Zivil-courage auf!

„Wenn sie es ernst meinen mit ihrem Engagement im Kampf gegen Gewalt an Schulen, dann erwarten wir unmissverständliche Aussagen auch gegen schwulenfeindliche Ge-walt“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke im Vorfeld der heute stattfindenden Protestkundgebung.

Zahlreiche Berliner Verbände und Politiker protestieren heute zu Beginn des Konzertes am Brandenburger Tor gegen den Auftritt des umstrittenen Rappers Bushido und die BRAVO-Veranstalter. CDU-Oppositionsführer Pflüger sagte bereits aus Protest seine Teilnahme an der BRAVO-Veranstaltung ab.

Trotz heftiger Proteste hält der Veranstalter BRAVO weiterhin am Auftritt Bushidos fest und verweigert mit der Begründung, keiner seiner für den Live-Act am Brandenburger Tor geplanten Songs wäre als jugendgefährdend eingestuft, jegliche Diskussion; die Eignung Bushidos als Anti-Gewalt-Botschafter stünde außer Zweifel – grotesk, läuft doch Medienberichten zufolge derzeit eine Anzeige gegen den 28-jährigen Rapper wegen Bedrohung und Nötigung eines Berliner Fotografen. „Wir wollen nicht infrage stellen, dass selbst ein Saulus wie Bushido sich zum Paulus wandeln kann. Dazu reicht jedoch nicht, unter dem Deckmantel der Toleranz für einen Tag sanfte Töne anzuschlagen, um am nächsten erneut mit voller Wucht zum Verbalschlag gegen Minderheiten auszuholen und Zeilen wie ‚Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel’ zu rappen!“, so Finke. „Wenn es Bushido ernst ist mit seinem Engagement gegen Gewalt an Schulen, dann ist auch er herzlich eingeladen, den anlässlich des ‚Internationalen Tages gegen Homophobie 17. Mai’ stattfindenden MANEO-Kreativwettbewerb für Teens und Twens ‚Hands of Courage 2008’ zu unterstützen!“

„Für ein gewaltfreies Schuljahr rocken“, wie es BRAVO formuliert, kann nur bedeuten, sich ebenso klar und unmissverständlich von homophober Gewalt zu distanzieren und dies nicht nur bei Lippenbekenntnissen zu belassen: „Die Veranstalter haben Gelegenheit, unsere Toleranzkampagne gegen Homophobie und Hassgewalt zu unterstützen“, so Finke.

MANEO Kreativpreis „Hands of Courage 2008“:

alle Infos, Termine und Anmeldeformular unter www.tag-gegen-homophobie.de






Berlin, den 22.08.2007

MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, unterstützt die Protest-Kundgebung von Mann-O-Meter e.V. gegen die Teilnahme des umstrittenen Rappers Bushido am Anti-Gewalt-Konzert der Jugendzeitschrift "BRAVO" vor dem Brandenburger Tor und bittet um Kenntnisnahme nachfolgender Pressemeldung:

Wir schauen nicht weg:

Nein zu Hasspredigten am Brandenburger Tor – Bushido als Anti-Gewalt-Botschafter untragbar

Protest-Kundgebung gegen umstrittenes „BRAVO“-Event am Samstag, 25.8.2007, 15 Uhr Auf deutschen Schulhöfen herrscht ein raues Klima: Fast zwei Drittel der unter-18-jährigen jungen Schwulen und Bisexuellen sind direkt von schwulenfeindlicher Gewalt betroffen, wie die kürzlich vorgestellte MANEO-Studie zeigt. Zudem rangiert „Schwule Sau“ laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach wie vor auf Platz Eins der meistgebrauchten Schimpfworte.

Gangsta-Rap à la Bushido leistet da antischwulen Ressentiments nur Vorschub. Am 25. August veranstaltet die Jugendzeitschrift „BRAVO“ ein Anti-Gewalt-Konzert unter dem Motto „Schau nicht weg!“. Mit der Kampagne will sie nach eigener Aussage „für ein gewaltfreies Schuljahr (...) rocken“.
Allerdings droht dieses Konzert zu einer Farce zu verkommen!
Denn mit von der Partie ist Bushido, einer der umstrittensten deutschen „Gangsta-Rapper“, der in seinen Songs u.a. folgendes rappt: „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel (...) Du Nutte kannst nach Hause gehen, ab jetzt ist es Hardcore du Opfer (...) die Party ist vorbei, Deutschland hat wieder ne Grenze es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze.“ „Ich mach ein Anschlag auf dich in Tel Aviv (...) Wenn ich will, dann seid ihr alle tot, ich bin ein Taliban."

Die Textzeile "Ihr Tunten werdet vergast" blieb auf öffentlichen Druck hin von seinem damaligen Label Universal unveröffentlicht. Bushido ist als Anti-Gewalt-Botschafter die völlig falsche Besetzung. Ein Rapper, der in seinen Songs Gewalt gegen Minderheiten verherrlicht, kann nicht zum Vorbild für den gewaltfreien Umgang an Schulen und Zivilcourage gemacht werden.

Das Anliegen der „BRAVO“, bekannte Popstars als Träger einer Anti-Gewaltbotschaft zu gewinnen, ist durchaus zu begrüßen. Aber Popstar ist nicht gleich Popstar, es bedarf schon eines kritischen Hinterfragens, wen man an exponierter Stelle (immerhin dem Brandenburger Tor!) der Weltöffentlichkeit präsentiert. Und Bushido ist hier völlig fehl am Platz, solange er sich von den Inhalten seiner Texte nicht distanziert. Ansonsten wäre sein Auftritt bei einer Veranstaltung, die „Schau nicht weg!“ heißt, eine Verhöhnung aller Jugendlichen, die an ihrer Schule bereits homophobe Gewalt erfahren haben. Hier ist auch die „BRAVO“ in der Verantwortung. Es kann nicht sein, dass eine Zeitschrift, die ihre Auflage durch die Zurschaustellung der Brutalität Bushidos steigert, ausgerechnet ihn als Botschafter gegen Gewalt auftreten lässt. Da „BRAVO“ an dem Auftritt von Bushido festhält und sich einer kritischen Auseinandersetzung beharrlich verweigert, rufen wir zur Teilnahme an der Protestkundgebung parallel zu Beginn des Konzertes auf:

Kundgebung am Samstag, den 25. 8. 2007, 15 Uhr,
Ecke Straße des 17. Juni / Yitzhak-Rabin-Straße






Berlin, den 10.08.2007

MANEO überreicht Reinickendorf die Regenbogenflagge

Nachdem die amtierende Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) jüngst durch homophobe Äußerungen auffiel und das Hissen der Regenbogenflagge im Bezirk anlässlich des alljährlichen Berliner CSDs weiterhin unterbindet, mobilisierte MANEO zum Protest vor dem Rathaus Reinickendorf.

MANEO überreicht Reinickendorf die Regenbogenflagge Am 10. August zur Mittagszeit überreichte Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt im Rahmen einer spontanen Pro-Toleranz-Aktion den anwesenden Fraktionsvorsitzenden von SPD, Grünen, FDP und Grauen auf dem Rathausvorplatz symbolisch eine 3,50 Meter lange Regenbogenflagge.

Damit verleiht MANEO seiner Unterstützung für das Anliegen der Bezirksverordnetenversammlung Ausdruck, das Hissen der Regenbogenflagge als Zeichen der Solidarität gegenüber Homosexuellen und der Gleichberechtigung homosexueller Lebensweisen baldmöglichst auch im Bezirk Reinickendorf zur Tradition werden zu lassen und somit ein positives Signal auch über die Grenzen des Bezirks hinaus zu senden. Dem verweigerten sich die Bezirksbürgermeisterin und ihre Fraktion in der Vergangenheit beharrlich. Foto: B. Manghöfer ©: Übergabe der Regenbogenfahne an die Fraktionsvorsitzenden der BVV-Reinickendorf.

„Es entspricht nicht meinem demokratischen Verständnis, dass Frau Wanjura einen mehrheitlichen Beschluss der BVV ignoriert“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Koch und verwies auf den fraktionenübergreifenden Konsens; das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Jugend und Familie, Peter Senftleben (SPD), distanzierte sich von der Haltung Frau Wanjuras, diese sei nicht die des Bezirks.

Die Fraktionsvorsitzenden dankten MANEO für die Flagge und versicherten, die Angelegenheit bei der nächsten Sitzung erneut zur Sprache zu bringen. Senftleben erwarte zudem eine Entschuldigung von Frau Wanjura für ihren Vergleich, wonach die Regenbogenflagge als „politisches Zeichen“ mit einer Flagge der NPD gleichzusetzen wäre.MANEO überreicht Reinickendorf die Regenbogenflagge

MANEO-Projektleiter Bastian Finke verwies zuvor in seiner Ansprache auf die Brisanz des Themas Homophobie und Hassgewalt; nach wie vor ist die Zahl vorurteilsmotivierter Hassverbrechen gegen Homosexuelle hoch. „Fast täglich berichten uns Betroffene, dass sie auf offener Straße beleidigt, bespuckt, bedroht oder auch körperlich angegriffen wurden“, so Finke, der den Anwesenden die MANEO-Wanderausstellung „Zeugnisse schwulen-feindlicher Gewalt“ präsentierte. Um Gewalt und Diskriminierung nachhaltig begegnen zu können, bedürfe es auch deutlicher Signale aus der Politik:

Foto: B. Mannhöfer ©: Vor dem Reinickendorfer Rathaus wurden Fotos aus der MANEO-Ausstellung „Zeugnisse schwulen-feindlicher Gewalt“ gezeigt.

„Die Regenbogenflagge steht weltweit für das Engagement von Homosexuellen im Kampf für Gleichberechtigung, für Toleranz, für gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten. Es darf nicht sein, dass eine Bezirksbürgermeisterin Schwule und Lesben aus der Öffentlichkeit verbannt, indem sie ihnen dieses Symbol der Solidarität verweigert, das in den anderen Berliner Bezirken sogar auch mit den Stimmen der CDU längst Einzug gehalten hat.“

Finke gab zu bedenken, dass vielfach beim öffentlichen Engagement gegen Gewalt das Problem der Gewalt gegen Homosexuelle geflissentlich vergessen würde, wie jüngst die umstrittene Anti-Gewalt-Kampagne der Jugendzeitschrift BRAVO deutlich mache. Dabei sei „schwule Sau“ noch immer das meistgebrauchte Schimpfwort an deutschen Schulen. MANEO ruft daher auch den Bezirk Reinickendorf auf, den anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie 17. Mai ausgerufenen MANEO-Kreativpreis „Hands of Courage 2008“ zu unterstützen und in den Freizeit- und Jugendprojekten des Bezirks dafür zu werben. Mit dem Wettbewerb sollen Teens und Twens angeregt werden, sich kreativ mit dem Thema „Homophobie, Männlichkeit und Gewalt“ auseinanderzusetzen (alle Infos zum Wettbewerb und den Kategorien, sowie Termine und Anmeldeformular unter www.tag-gegen-homophobie.de).






Berlin, den 02.08.2007

MANEO aktuell – Fallmeldungen

„Gewalt gegen Schwule ist weiterhin Alltag in Berlin“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke an-gesichts der Vielzahl der seit Jahresbeginn eingegangenen Meldungen. Auch im beginnenden dritten Quartal 2007 erfasste Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt bereits zahlreiche gegen Schwule gerichtete Übergriffe. „Unser Überfalltelefon läuft momentan heiß. Die Botschaft, Homo-phobie und Hassgewalt nicht einfach zu bagatellisieren, sondern zu melden, ist bei vielen ange-kommen“, resümiert Finke das verstärkte Engagement der vergangenen Monate. Die 2006 gestartete MANEO-ToleranzKampagne zeigt Wirkung: „Betroffenen fühlen sich ermutigt, Vorfälle bei uns zu melden. Viele von ihnen nehmen auch die Unterstützung unserer Opferhilfe in An-spruch.“ Weil die kürzlich vorgestellte MANEO-Studie zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern eine Dunkelziffer von 90 Prozent offenbart, steht MANEO noch viel Arbeit bevor.

Mitte, 17.06.2007: Schwules Paar auf dem U-Bahnhof Rosenthaler Platz überfallen / Krankenschwester zu Geschädigtem: „Wohlmöglich zu schwuchtelig verhalten.“

Kreuzberg, 23.06.2007: Partygänger in der Gneisenaustraße mit Glasflasche beworfen / Auto fährt mutwillig bei Rot an, bremst nur knapp vor Betroffenen

Neukölln, 07.07.2007: Nachbar attackiert schwules Paar / Wohnungstür mit einem Messer durchlöchert

Kreuzberg, 13.07.2007: Pöbelei in der Oranienstraße / junger Schwuler mit dem Gesicht an eine Hauswand gestoßen

Kreuzberg, 29.07.2007: Zwei Schwule am Blücherplatz mit Pflasterstein beworfen / Geschädigter: "Zum Selbstschutz zukünftig bewaffen?"

MITTE, 17.06.2007, U-BAHNHOF ROSENTHALER PLATZ
Gegen 05:10 Uhr morgens wurden ein 29-Jähriger und sein 34-jähriger Freund am Fahrkartenauto-maten auf dem U-Bahnhof Rosenthaler Platz von einem etwa 20 bis 25 Jahre alten Mann, der in Begleitung zweier weiterer junger Männer war, belästigt und bedrängt.
Zunächst hatten die Betroffenen die Pöbeleien des jungen Mannes als „blöden Unfug“ angesehen, dem sie nicht weiter Beachtung schenken wollten. Sie setzten sich auf eine Bank, um auf ihre U-Bahn zu warten. Dann hörten sie, wie gegen den Fahrkartenautomaten und die BVG-Infowand getreten wurde; der „bullige Typ“ rief seinen Begleitern zu, sie würden jetzt zu den „Schwuchteln“ gehen. Er begann daraufhin die bei-den Geschädigten zu provozieren, warf die Bierflasche des 34-Jährigen ins Gleisbett und versuchte dem 29-Jährigen dessen Schlüsselbund, das an einem Band befestigt war, zu entreißen. Der Betroffene konnte seine Schlüssel festhalten, jedoch riss das Band. Nachdem dann der 34-Jährige einem gezielten Fußtritt des Täters gerade noch ausweichen konnte, rief er per Handy die Polizei. Der Täter versuchte unterdessen dem 29-Jährigen dessen Rucksack zu entreißen. Er traf ihn mit einem kräftigen Tritt in die Rippen. Der Geschädigte fiel unter Schmerzen zu Boden, bekam keine Luft mehr. Als er versuchte sich aufzurichten, bekam er einen schweren Tritt gegen den Kopf und verlor daraufhin das Bewusstsein. Der 34-jährige Freund musste dann mit ansehen, wie der Täter ein zweites Mal mit dem Fuß gegen den Kopf seines Freundes trat. Dann rannten alle drei Täter weg. Umstehende Fahrgäste kümmerten sich um den verletzten 29-Jährigen, als dieser das Bewusstsein wiedererlangte. Die mit großem Aufgebot angerückte Polizei suchte die Umgebung ab und konnte einen der Täter, der sich plötzlich wieder auf dem Bahnsteig zeigte, trotz erheblicher Gegenwehr festnehmen.

Der 29-Jährige wurde wegen Verdachts auf mögliche Schädigung des Halswirbels mit dem Rettungswagen in die Charité gebracht. Der Geschädigte berichtete, dass eine Krankenschwester, der er auf Nachfrage vom wahrscheinlich ho-mophoben Hintergrund des Übergriffs erzählte, gesagt hätte, sie hätten sich „wohlmöglich zu schwuchtelig verhalten“. Diese Aussage empfand der Betroffene als Zumutung. Der 29-Jährige konnte nach eingehender Untersuchung und ambulanter Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Er berichtete weiter, dass er seit dem Überfall immer wieder mit Panikattacken zu kämpfen habe. Er könne zurzeit nicht mehr auf die Straße gehen, weil er unter der Angst leide, plötzlich und unerwartet angegriffen zu werden. KREUZBERG, 23.06.2007, GNEISENAUSTRAßE
Gegen 01:00 Uhr nachts wurden drei schwule Männer auf offener Straße beleidigt und mit einer Glasflasche beworfen, sowie an einer Straßenkreuzung fast von einem Auto angefahren.
Die Betroffenen befanden sich teilweise in Fummel gekleidet auf dem Weg ins SchwuZ. Einer der Betroffenen, ein 27 Jahre alter schwuler Mann, berichtete, dass er gemeinsam mit zwei Freunden in der Gneisenaustraße Richtung SchwuZ unterwegs gewesen sei. Zwei von ihnen waren in Fummel gekleidet. Sie kamen an drei jungen Männern vorbei, alle etwa zwischen 16 und 20 Jahre alt. Diese riefen ihnen „schwule Sau“ und andere Beleidigungen nach, warfen ihnen eine Flasche hinterher, die nur knapp einen Meter neben den Geschädigten zersprang. Als sie dann kurz darauf an einer grünen Fußgängerampel über eine Straßenkreuzung gehen wollten, gab ein dort haltender Autofahrer kurz Gas, so als ob er sie anfahren oder überfahren wollte, und stoppte kaum einen halben Meter vor ihnen. Der Fahrer war ein etwa 20 Jahre alter junger Mann.

NEUKÖLLN, 07.07.2007
Zwei 25 und 38 Jahre alte schwule Männer berichteten MANEO, was sich in der Nacht des 07.07. auf den 08.07.2007 in ihrem Haus, in dem sie vier Monate zuvor eine gemeinsame Wohnung bezogen hatten, zugetragen hatte.
Etwa gegen etwa 22:30 Uhr vernahmen sie dumpfe Schläge aus der Wohnung ihres Nachbarn. Weil sie ihre Ruhe haben wollten, schlugen sie kurz gegen die Wand. Daraufhin kam der junge Mann in den Flur gestürzt und begann, mit Gewalt gegen die Wohnungstür der Betroffenen zu treten. Dabei rief er: „Ihr schwulen Säue“, „Ihr Arschficker“ und „Ich bringe euch um“. Die Situation schien zu eskalieren. Eine andere Bewohnerin rief aufgrund des Krachs von unten hoch: „Ist da jetzt mal Ruhe.“ Daraufhin brüllte der Täter hinunter: „Halt die Fresse, du Hure, sonst komm ich runter und schlitz dich auf.“ Da der Täter weiter gegen die Tür trat, alarmierten die Betroffenen die Polizei, die kurz darauf eintraf. Die Beamten klingelten an der Tür des Täters, der sich, als er das Herannahen der Polizei bemerkte, sogleich in seine Wohnung zurückgezogen hatte. Nach etwa 10 Minuten verließen die Beamten die Wohnung des Täters und fuhren wieder ab. Auf die Frage der Betroffenen, warum der Täter nicht mit zur Polizeiwache genommen werde, hätten die Beamten erklärt, dass nichts Ernsthaftes passiert sei. Kurz nach dem Abrücken der Polizei schlug der Täter erneut mehrfach gegen die Wand, schrie: „Lauf in mein Messer, du Schwuchtel.“ Er drehte die Musik auf, hämmerte weiter gegen die Wand.

Sodann sei der Täter wieder auf den Flur gekommen, habe an der Tür Sturm geklingelt, weitere Beleidigungen gegen die Betroffenen ausgerufen und gegen die Tür getreten. Dann hörten die Betroffenen ein Geräusch, als ob der Täter mit einer Axt gegen die Tür schlage. In der Panik, der Täter könne durch die Tür dringen, riefen die Betroffenen ein weiteres Mal die Polizei. Während sie erneut auf das Eintreffen der Polizei warteten, stach der Täter mit einem Messer ein Loch in die Tür, Er rief dann: „Du rufst noch einmal die Bullen. Ich schlitz dich auf! Ich bring euch um!“ Die Betroffenen verständigten in ihrer Panik drei Mal die Polizei. Plakat Augenzeugen melden Etwa 15 Minuten nach Mitternacht trafen mehrere Streifenwagen der Polizei ein, darunter auch Zivilbeamte. Der Täter verbarrikadierte sich daraufhin in seiner Wohnung. Mithilfe eines Rammbockes brach die Polizei die Wohnung auf, versprühte Reizgas und führten wenig später den Täter in Handschellen ab. Die Betroffenen verließen dann die Wohnung und flüchteten zu einem Nachbarn. Sie kamen nach ein paar Tagen nur noch einmal zurück, um ihre Sachen aus der Wohnung zu holen. Sie sind mittlerweile umgezogen.

Wohnungstür von außen nach der Messer-Attacke






KREUZBERG, 13.07.07, ORANIENSTRAßE
Gegen 02:00 Uhr nachts stand der 27-jährige Mann mit seinem 22 Jahre alten Freund vor einer geschlossenen Bar unweit des Lokals „Bierhimmel“ in der Oranienstraße, als sie von einer Gruppe junger Männer angegriffen wurden.
Der 22-Jährige berichtete, sie hätten gehört, wie zwei dunkel gekleidete junge Männer deutscher Herkunft herumpöbelten und sich ihnen auf dem Bürgersteig näherten. Kurz vor ihnen begannen sie, die Betroffenen als „Schwuchteln“ zu beschimpfen. Unvermittelt wurde der 22-Jährige von den Tätern, beide Anfang 20 Jahre alt, im Vorbeilaufen gegen die Wand geschubst. Er stieß mit dem Kopf so heftig gegen die Wand, dass er im Gesicht zu bluten begann. Als die Betroffenen bemerkten, wie einer der Täter umkehrte und ihnen noch einmal entgegen kam, ergriffen sie die Flucht.

KREUZBERG, 29.07.07, BLÜCHERPLATZ
Gegen 19:30 Uhr wurde zwei schwulen Männern, die Hand in Hand einen Parkweg entlanggingen, ein Pflasterstein hinterher geworfen. Der Stein verfehlte sie nur knapp.
Der Betroffene, ein 39 Jahre alter schwuler Mann, ging mit seinem 29-jährigen Freund Hand in Hand durch den kleinen Park vor der Amerika-Gedenk-Bibliothek, als sie plötzlich ein Zischen und einen dumpfen Knall hinter sich hörten: Ein Pflasterstein war etwa einen Meter hinter ihnen eingeschlagen. Sie bemerkten drei bis vier Jugendliche, etwa 16 bis 20 Jahre alt, die aus etwa 30 Metern Entfernung zu ihnen herüber grölten. Sie selbst wären dann zunächst weitergegangen und hätten sich noch einmal ungläubig umgesehen: „Das war richtig krass, mit welcher Heimtücke dieser Stein gezielt gegen uns geworfen wurde. Jemand hätte lebensbedrohlich verletzt werden können.“ Die Täter entkamen unerkannt. Obwohl ihm der Gedanke nicht behagt, überlegt der Betroffene nun, ob er sich demnächst zum Schutz selbst bewaffnen müsse.






Berlin, den 02.08.2007

Bushido für Anti-Gewalt-Event nicht tragbar

Die Jugendzeitschrift BRAVO will den in der Vergangenheit immer wieder wegen schwulenfeindlicher und gewaltverherrlichender Texte aufgefallenen Krawall-Rapper Bushido am 25. August vor dem Brandenburger Tor auftreten lassen. Mit dem Open-Air-Konzert der Kampagne Schau nicht weg! will BRAVO nach eigener Aussage „für ein gewaltfreies Schuljahr rocken“. „Mit Bushido wird hier jedoch der Bock zum Gärtner gemacht“, kritisiert MANEO-Projektleiter Bastian Finke das Vorhaben aufs Schärfste: „Dem muss Berlin die Rote Karte zeigen.“

„Jemand, der in seinen Liedern Minderheiten diskriminiert und Gewalt verherrlicht, kann nicht als Vorbild für Jugendliche herangezogen werden, wenn es darum geht, für Toleranz und einen gewaltfreien Umgang miteinander zu werben“, stellt Finke die Glaubwürdigkeit der BRAVO-Aktion infrage. Offen hetzt Bushido mit Textzeilen wie "Guck mir zu, wie ich jeden deiner Homies erschieß" ("Electro Ghetto") und "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel" ("Berlin") gegen Schwule. "Ihr Tunten werdet vergast" blieb auf öffentlichen Druck von seinem damaligen Label Universal unveröffentlicht.

Mit der Begründung, keiner seiner aktuellen Songs stünde auf dem Index, wehrt der Veranstalter jedwede Kritik an Bushidos Teilnahme am Konzert ab, bezeichnet sein Engagement gar als vorbildlich. „Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht für all jene, die auf dem Schulhof bereits homophobe Gewalt erfahren haben“, so Finke. Fast zwei Drittel der unter-18-jährigen jungen Schwulen und Bisexuellen werden Opfer schwulenfeindlicher Gewalt, wie die kürzlich vorgestellte MANEO-Studie zeigt. Zudem rangiert „schwule Sau“ laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach wie vor auf Platz Eins der meistgerauchten Schimpfworte. Gangsta-Rap à la Bushido leistet da antischwulen Ressentiments nur Vorschub.

„Mit Bushidos Teilnahme konterkariert die BRAVO-Aktion unsere von der Stadt Berlin geförderte ‚Toleranz-Kampagne’. Unsere Bemühungen der vergangenen Jahre im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt werden damit unterlaufen“, so Finke. „Das werden wir nicht zulassen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, sich von Bushido unmissverständlich zu distanzieren. Andernfalls werden wir unseren Protest gegen diese Veranstaltung lautstark vortragen. Hier wird unter dem Deckmantel der Toleranz genau das Gegenteil gefördert. Eine solche Veranstaltung darf in Berlin nicht stattfinden.“

MANEO will in Gesprächen mit Veranstaltern, Sponsoren und mitangekündigten Künstler dafür werben, dass „für ein gewaltfreies Schuljahr rocken“ nur bedeuten kann, sich ebenso klar und unmissverständlich von homophober Gewalt zu distanzieren und dies nicht nur bei Lippenbekenntnissen zu belassen. „Die Veranstalter haben Gelegenheit, unsere Toleranzkampagne gegen Homophobie und Hassgewalt mit Beiträgen zu unterstützen“, so Finke.






Berlin, den 12.07.2007

Keine Toleranz für homophoben Rap

MANEO startet Blacklist „Homophobie im Netz“ /
Rappen für Toleranz beim MANEO-Kreativwettbewerb „Hands of Courage“ 2008

Massive Rassismus- und Sexismusvorwürfe gegen einige Vertreter der deutschen Rapper-Szene sorgten in jüngster Vergangenheit wiederholt für Schlagzeilen; offene Homophobie und aggressive Hetze gegen Homosexuelle in deren Songs stießen auch auf Kritik aus der Szene selbst.

Bestürzt nahm MANEO vergangene Woche zwei über die Onlineplattform YouTube.com verbreitete Videoclips zur Kenntnis, in denen der Rapper G-Hot unter dem Titel „Keine Toleranz“ zum Mord an Schwulen aufrief. MANEO erstatte umgehend Strafanzeige; die Clips wurden noch am Freitag, den 06.07.2007 vom System gelöscht.

Heute stellte MANEO fest, dass der homophobe, Gewalt verherrlichende Song „Keine Toleranz“ offenbar am Morgen des 12.07.2007 erneut online gestellt wurde, jedoch von einem anderen User und in anderer visueller Aufmachung. MANEO lässt derzeit ein weiteres strafrechtliches Vorgehen gegen die Urheber prüfen. „Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die weitere Verbreitung der Clips vorgehen“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke, „doch letztlich ist dies ein Kampf gegen Windmühlen. Wir können nicht jeden Tag das Internet auf homophobe und strafrechtlich relevante Inhalte durchforsten.“

MANEO bittet daher um Hinweise ans Überfalltelefon: 030 - 216 33 36 oder per E-Mail an maneo[at]maneo.de.


MANEO startet Blacklist „Homophobie im Netz“
Wer beim Surfen auf homophobe Inhalte stößt, kann diese unter Angabe des entsprechenden Links an MANEO melden. Internetseiten, die durch homophobe Inhalte auffallen, werden zukünftig von MANEO in der Blacklist „Homophobie im Netz“ auf www.maneo.de dokumentiert.

Rappen für Toleranz beim MANEO-Kreativwettbewerb „Hands of Courage“ 2008
Obschon die eingangs genannten schwulen- und lesbenfeindlichen Videoclips auf YouTube.com seitens zahlreicher User vielfach positiv kommentiert wurden, werden zunehmend Stimmen laut, die gegen den Urheber G-Hot Stellung beziehen – auch in Form eigener Clips. MANEO begrüßt grundsätzlich das Engagement gegen Homophobie, Hassgewalt und Diskriminierung, distanziert sich jedoch ausdrücklich von dem in Teilen der Rap-Szene üblichen Drohgebaren: „G-Hot’s Mordaufruf an Schwulen darf nicht mit einem Gewaltaufruf an G-Hot beantwortet werden. Hier stehen uns ausreichend legale Mittel zur Verfügung“, so Bastian Finke.

Ein grundsätzliches Problem wird offenbar. „Vieles hat nichts mehr mit künstlerischer Freiheit oder Meinungsfreiheit zu tun. Was als Provokation gemeint sein mag, ist de facto ein Angriff auf die Würde des Menschen, mitunter sogar Volksverhetzung“, so Bastian Finke. MANEO begrüßt daher die Kritik einiger Vertreter der professionellen Rap-Szene, die offensiv Rassismus, Sexismus, Homophobie und Gewaltverherrlichung im deutschen HipHop anprangern.

Anlässlich seines Kreativwettbewerbs „Hands of Courage 2008“, den MANEO im Rahmen des Internationalen Tages gegen Homophobie 17. Mai veranstaltet, möchte MANEO darauf hinweisen, dass auch interessierte Rapperinnen und Rapper eingeladen sind, sich mit dem Thema „Homophobie, Männlichkeit und Gewalt“ kreativ auseinanderzusetzen. „Ganz gleich ob Profi oder Amateur, jeder Beitrag ist willkommen!“, so die Projektleitung.
Alle Infos zum Wettbewerb unter www.tag-gegen-homophobie.de






Berlin, den 21.06.2007

Küssen für ein tolerantes Berlin

Erster MANEO-Kuss-Marathon am Internationalen Tag gegen Homophobie ein voller Erfolg

MANEO-Kuss-Marathon
Unter dem Motto „protect every kiss“ zog der MANEO Kuss-Marathon am Internationalen Tag gegen Homophobie (17. Mai) quer durch das Berliner Stadtgebiet. In acht Bezirken wurden verschiedene Orte, die als „kein leichtes Pflaster“ für offen auftretende Schwule und Lesben bekannt sind, zum Schauplatz eines jeweils etwa 15-minütigen demonstrativen Kiss-Ins: Rathaus Köpenick, Hermannplatz (Neukölln), Kottbusser Tor (Kreuzberg), Landsberger Alle/ Velodrom (Pankow), S-Bhf.-Vorplatz Gesundbrunnen (Wedding), Kurt-Schumacher-Platz (Reinickendorf), Rathaus Spandau und Nollendorfplatz (Schöneberg).

Geküsst wurde auf dem Hermannplatz in Neukölln. Foto © B.Mannhöfer.

Zahlreiche überraschte Schaulistige säumten die ungewohnten Szenerien, als die insgesamt rund 50 Teilnehmenden in innigen Umarmungen mit ihren Partnern bzw. Partnerinnen versanken – und einander auf offener Straße, am hellerlichten Tag küssten. Was zunächst banal anmuten mag, sollte es doch gemeinhin „keine große Sache“ sein, erregte die Gemüter:

Aus 17-jähriger Erfahrung weiß MANEO, dass Homosexuelle immer noch schief angeguckt oder auch beschimpft, bedroht und nicht selten sogar Opfer von körperlicher Gewalt werden. So stieß die Aktion, die zudem auf den „Herrentag“ fiel, vielerorts auf unverhohlene Ablehnung; die Reaktionen reichten von „Igitt, scheiß Schwuchteln!“ bis hin zu „Verpisst euch!“. Die Stoßtrupps der Demonstration wurden zeitweilig von bis zu einem Dutzend Polizeibeamten begleitet.

Doch es waren auch positive Stimmen zu vernehmen, z.B. „Soll doch jeder machen was er will!“ oder sogar „Find ich gut, dass diese Jungs und Mädels auch hier Flagge zeigen!“ Das queere Berliner Stadt-magazin Siegessäule würdigte den MANEO Kuss-Marathon als „dezentralen Mini-CSD“: „Allein für die Umsetzung dieser Idee hätte MANEO den Zivilcourage-Preis des CSD verdient.“

Der MANEO Kuss-Marathon erfuhr zudem Unterstützung seitens der Bezirke. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Stefanie Vogelsang (CDU), empfing die Teilnehmenden persönlich auf dem Hermannplatz und begrüßte die MANEO-Aktion als ein richtiges und wichtiges Signal, nicht nur an die aus 163 Nationen stammenden Einwohner des „multikulturell geprägten Bezirks“ Neukölln. Auch der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke (SPD), drückte den Teilnemenden „seine solidarische Verbundenheit“ aus und signalisierte seine „volle Unterstützung, in der Öffentlichkeit für Toleranz zu werben und Diskriminierung nachdrücklich anzuklagen. Ein Kuss ist dabei ein wunderbarer Ausdruck der freundschaftlichen oder sogar liebevollen Verbundenheit von Menschen. Diesen zu schützen ist zugleich Zeichen einer menschlichen und gleichberechtigten Gesellschaft.“

Ein solches Zeichen zu setzen waren jedoch nicht alle Bezirke bereit. MANEO arbeitet weiter mit Nachdruck daran, auch dort zu sensibilisieren: Es darf nicht durch Stillschweigen toleriert werden, dass homosexuelle Menschen zur Zielscheibe von homophoben Beleidigungen oder Opfer körperlicher Gewalt werden.

Pressestimmen sowie ein Erlebnisprotokoll zum 1. MANEO Kuss-Marathon finden Sie unter www.tag-gegen-homophobie.de
MANEO-Kuss-Marathon
Vor dem alten Rathaus in Köpenick. Auch der berühmte Hauptmann von Köpenick bekam von Teilnehmern des Kussmarathons einen dicken Kuss.
Foto © B.Mannhöfer
MANEO-Kuss-Marathon
Am S-Bahnhof Gesundbrunnen im Wedding wurde ebenfalls geküsst.
Foto © B.Mannhöfer.
MANEO-Kuss-Marathon
Küsse zum Abschluss des Kussmarathons vor dem Mann-O-Meter in Schöneberg.
Foto © B.Mannhöfer.






Berlin, den 15.06.2007

MANEO – Denkzettel #1 Schwule Sau*

Flyer Denkzettel#1 Schwule Sau
Kaum ein Tier ist hinsichtlich seiner Metaphorik so ambivalent wie das Schwein:
Es steht für Glück (zu Neujahr) und Sparsamkeit (Sparschwein), und ist zugleich Sinnbild für Schmutz („Schweinerei“) oder Unordnung („Saustall“).
Die Paarhufer sind beliebt als Präfix zur Verstärkung eines Adjektivs („sauteuer“, „schweinegeil“), aber sie liefern auch Stoff für viele Schimpfworte: vom „Frontschwein“ über die „Drecksau“ bis zum „Schweinehund“, vom „Schweinepriester“ bis zur „Schwulen Sau“.In der Anreicherung mit dem Aspekt der Sexualität, in diesem Fall männliche Homosexualität, erreichet die „Schwule Sau“ eine doppelt abwertende Dimension, zumal der feminine Terminus „Sau“ den Vorwurf der Nicht-Männlichkeit impliziert.

Mit einer fünfteiligen Flyer-Serie greift MANEO dieses und weitere homophobe Schimpfworte auf und wirbt für den


MANEO-Kreativpreis 'Hands of Courage' 2008
Der Ideenwettbewerb für Teens und Twens

Ein Schimpfwort macht unliebsame Karriere, besonders unter Jugendlichen: „Schwule Sau!“, laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Platz 1 der meistgebrauchten Schimpfworte in Deutschland. „Schwule Sau!“, ein Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht und die auf Gleichheitsgrundsätzen aufbauende Solidargemeinschaft.

Sogar TV-Shows, Klamotten oder Mobiltelefone werden beliebig als „schwul“ verschmäht, nur weil ihnen gegenüber Herabwürdigung, Verachtung und Entwertung ausgedrückt werden soll. „Schwule Sau!“, für viele längst salonfähiger, gar harmloser Jugendslang. Kein Wunder also, dass Jugendliche sich nur selten trauen, offen zu sagen „Ich bin schwul, na und?!“, obwohl es rein statistisch in jeder Schulklasse ebenso einen schwulen Jungen wie ein lesbisches Mädchen gibt. Zu groß die Angst, gemobbt zu werden oder „was auf die Schnauze“ zu kriegen. Nicht ohne Grund: Jeden Tag werden Homosexuelle in Berlin und Deutschland mit Beleidigungen und offener Gewalt konfrontiert.


Mehr als jeder zweite schwule oder bisexuelle Jungendliche wird Opfer homophober Gewalt
Die Ergebnisse der bundesweit beispiellosen MANEO-Umfrage zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern, an der sich im Erhebungszeitraum Anfang Dezember 2006 bis Ende Januar 2007 fast 24.000 Personen aus ganz Deutschland beteiligt hatten, korrigieren die bislang angenommene Dunkelziffer von 80% auf erschreckende 90% nicht-angezeigter Straftaten nach oben. Mehr als jeder dritte Befragte (35%) gab an, in den letzten zwölf Monaten Gewalterfahrung gemacht zu haben; in 76% der Fälle handelte es sich dabei um Belästigungen und/oder Bedrohungen. Erschreckender als diese reine Anzahl von Delikten ist aber die Tatsache, dass von den jungen Schwulen und bisexuellen Männern (unter 18 Jahren) fast zwei Drittel (63%), und von den 18- bis 25-Jährigen rund die Hälfte innerhalb des letzten Jahres Gewalt erfahren haben. Dazu kommt noch der Umstand, dass jüngere Schwule tendenziell weniger Gewalttaten anzeigen. Oder um es direkter zu formulieren: Man kann als junger Schwuler in Deutschland offenbar nicht in Ruhe aufwachsen - und die Betroffenen bagatellisieren die Taten. Ein Beispiel: In der Umfrage wurde abgefragt, ob körperliche Gewalt bei der Tat im Spiel war, was dann 92% der Befragten verneinten. Von ihnen erklärten aber immer wieder auch Betroffene: „Ich hatte zwar ein blaues Auge, aber es war Gott sei Dank nicht so schlimm.“ (mehr: www.tag-gegen-homophobie.de/umfrageergebnisse.shtml)


Ein Wettbewerb für Teens und Twens
MANEO Kreativpreis Logo Um Homophobie und Hassgewalt unter Jugendlichen zu begegnen, verleiht MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie 17. Mai im Rahmen eines Ideenwettbewerbs für Teens und Twens erstmalig den MANEO-Kreativpreis 2008 'Hands of Courage'.

Schüler und Jugendliche im Alter von etwa 14 bis 25 Jahre sind aufgerufen, sich kreativ mit dem Thema „Homophobie, Männlichkeit und Gewalt“ auseinanderzusetzen und hierzu eigene Ideen zu entwickeln, umgesetzt z.B. in Kurzfilmen, Fotografien, Kurzgeschichten, Tanz- oder Musikvideos.

Der Ideenwettbewerb versteht sich als Berlin-open, so dass auch Beiträge aus ganz Deutschland berücksichtigt werden. Eine unabhängige Jury sichtet alle bis zum 30.04.2008 eingereichten Beiträge und benennt die PreisträgerInnen der vier Wettbewerbskategorien. Die 20 interessantesten Beiträge werden nach Berlin eingeladen und auf einer großen Award-Party am 13.05.2008 präsentiert.Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Für den MANEO-Kreativwettbewerb werden in Kürze Vorbereitungsworkshops angeboten.

Alle Infos, Termine und Anmeldeformular unter www.tag-gegen-homophobie.de

Vorbereitungsworkshops ab Herbst 2007
Einsendeschluss der Beiträge 30.04.2008
Hands-of-Courage-Award & Party 13.05.2008



MANEO - AKTION - DENKZETTEL
MANEO Kreativpreis Logo


Ho I mo I pho I bie, die : bezeichnet einerseits eine irrationale Angst vor Homosexualität, und andererseits den Hass, Ekel und die Vorurteile, welche wiederum Angst und infolgedessen Aggression und Gewalt produzieren (vgl. -> Hassgewalt, engl. Hatecrime). Homophobie bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete homophobische Aversion bzw. Feindseligkeit. Beleidigungen wie „Schwule Sau“ (Platz 1 der meistgebrauchten Schimpfwörter) drücken Herabwürdigung, Verachtung und Entwertung aus. ho I mo I phob [zu griech. phobein = fürchten] (bildungsspr.): eine starke [krankhafte] Abneigung gegen Homosexualität und Homosexuelle habend. MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, kämpft seit 17 Jahren gegen Homophobie und Hassgewalt. Kämpf mit!
(MANEO 2007, nach: duden.de, wikipedia.de)






Berlin, den 15.06.2007

MANEO würdigt ehrenamtliche Helfer für ihre Verdienste

Vor 100 Gästen zeichnete MANEO-Projektleiter Bastian Finke, der vor 15 Jahren das Lesbisch-Schwule Stadtfest gründete, Helfer und Unterstützer von MANEO mit Urkunden aus.

In einer Feierstunde im Rathaus Schöneberg würdigte Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt 15 ehrenamtliche Helfer für ihre Verdienste um das Projekt MANEO. MANEO-Projektleiter Bastian Finke bedankte sich für ihr wertvolles Engagement, das maßgeblich zum Erfolg der zahlreichen MANEO-Aktionen und -Initiativen der vergangenen 12 Monate beigetragen hat.

Ausgezeichnet wurden u.a. die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Michael Bochow, Dr. Bodo Lippl und Dr. Martina Stallmann, die die große MANEO-Umfrage zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern wissenschaftlich begleitet haben.

Würdigung ehrenamtlicher Unterstützer
Ebenfalls mit Urkunden gewürdigt wurden die Produzenten und Regisseure der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), die mit ihrem Einsatz und Know-how die MANEO-Kinospots ermöglicht haben, die auf der diesjährigen Berlinale präsentiert und von der internationalen TEDDY-Jury als herausragend gewürdigt wurden. Sie werden derzeit im Vorprogramm verschiedener Berliner Kinos gezeigt.

Nicht zuletzt galt der ausdrückliche Dank den Mitgliedern der MANEO-Werkstatt-Steuerungs- gruppe, die in monatelanger Vorarbeit zum Gelingen des internationalen Fachkongresses beigetragen haben.


Auch die Schwesternschaft der Perpetuellen Indulgenz
wurden mit einer Urkunde ausgezeichnet.Sie hatten MANEO im
letzten Jahr mit einer Geldspende unterstützt.Foto © MANEO

Sibyll Klotz, Stadträtin für Gesundheit und Soziales im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, die die Schirmherrschaft über die MANEO-Feierstunde innehatte, zollte allen ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern von MANEO in einer bewegten Rede ihren ausdrücklichen Respekt und Dank. Anerkennung verdiene zudem die „breite und internationale Aufstellung“ des Projekts MANEO, das in den vergangenen 17 Jahren seit seiner Gründung sein Portfolio beständig erweitert habe: „Ich bin immer wieder positiv überrascht, was MANEO alles auf die Beine stellt.“ Ehrenamtliches Engagement stelle dabei eine wichtige Säule dar. MANEO liefere wichtige Impulse, nicht nur für Berlin.

Uwe Stäglin, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und Naturschutz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf hob ebenfalls die gesellschaftspolitische Dimension des Ehrenamtes hervor und dankte den MANEO-Helfern nachdrücklich für ihren vorbildlichen Einsatz. MANEO verstünde es, ehrenamtliche Mitarbeiter und Unterstützer für seine Arbeit zu gewinnen.

Bastian Finke brachte vor den 100 geladenen Gästen seinen Dank gegenüber allen Helfern und Unterstützern zum Ausdruck, „deren Verdienste man gar nicht wert genug schätzen kann.“ Er erinnerte an die Vielzahl der Projekte, die MANEO seit 17 Jahren initiiert und in dieser kreativen Tradition auch die MANEO-ToleranzKampagne mit ihren zahlreichen Aktionen prägt.

"Ehrenamtliche Mitarbeiter sind ein Schatz. MANEO kann auf diesen Reichtum stolz sein.“
Bastian Finke

Die MANEO-Feierstunde findet traditionell vor dem Lesbisch-Schwulen Stadtfest statt, das Bastian Finke vor nunmehr 15 Jahren gegründet und sechs Jahre lang geleitet hat. MANEO hat dem Fest das Gesicht gegeben, das es noch immer hat. Auch diese Aktion wäre ohne die tatkräftige Unterstützung ehrenamtlicher Helfer seinerzeit kaum möglich gewesen.



Zur Homepage des Schwul-Lesbischen Stadtfest 2007 www.regenbogenfonds.de

stadtfest 07








Berlin, den 07.06.2007

MANEO unterstützt die Berliner Pride-Wochen

Mit der heutigen Fahnenhissung vor dem Roten Rathaus haben die sogenannten „Pride-Wochen“ in Berlin begonnen. Am kommenden Samstag finden die Respect Gemes statt. Mit dem Lesbisch-Schwulen Stadtfest am 16. und 17. Juni, das 1992 vom Schwulen Überfalltelefon gegründet wurde, und dem Christopher-Street-Day (CSD) am 23. Juni, finden diese ihren Höhepunkt.

Am Kommenden Samstag veranstaltet der LSVD Berlin-Brandenburg die Respect Games. Egal ob homo-, bi oder heterosexuell: Bei den Respect Gaymes treten Jugendliche gemeinsam für Respekt gegenüber Schwulen und Lesben und gegen Hass und Gewalt an, dies unter der Schirmherrschaft der Fußball-Nationalspielerin Navina Omilade und des Box-Champion Oktay Urkal.

Neben Sportturnieren und Workshops gibt es ein ganztägiges Bühnenprogramm mit Hip-Hop-Bands, Chansons, Theater, Gesang u.v.m. Um 14.30 Uhr startet ein Prominenten-Quiz, ab 16 Uhr gibt es Bingo und um 15 Uhr spielen Prominente gegen die Schwestern und den Orden der Perpetuellen Indulgenz. Um 18 Uhr werden die Medallien an die Siegerteams überreicht. Anschließend folgt noch ein Abschlusskonzert.

MANEO unterstützt dieses Sportevent, das zum zweiten Mal in Berlin stattfindet. Die zahlreichen Wettkämpfe werden im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg ausgetragen.






Berlin, den 06.06.2007

MANEO-Soirée. logo

MANEO-SOIRÈE – die Talkrunde

„Warum schlagen wir nicht zurück?“
Was tun jenseits unserer Szeneviertel und no-gay-areas?

Beleidigungen, Drohungen oder auch ein Schlag ins Gesicht: Schwule sind weit öfters mit Gewalt konfrontiert als bisher vermutet. Dies zeigen jüngste Auswertungsergebnisse der MANEO-Umfrage, an der etwa 24.000 Personen aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Mehr als jeder Dritte gab an, in den letzten zwölf Monaten mit antihomosexueller Gewalt konfrontiert gewesen zu sein.

Gewalterfahrungen bleiben nicht ohne Folgen. Angst, Unsicherheit oder Ohnmacht sind nur einige Symptome, mit denen Betroffene reagieren. Manche reagieren jedoch mit Wut, gar mit Forderung noch Selbstbewaffnung und der Zurückeroberung sogenannter "No-Gay-Areas".

Mit:
Olaf Alp, Herausgeber der Sergej-Berlin,
Bastian Finke, MANEO-Projektleiter, und
Gilles Duhem, ehem. Quartiersmanager im Rollbergkiez Neukölln.
Moderation: Jan Feddersen, taz.

DATUM: Montag, den 18. Juni 2007
BEGINN: um 20:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter, Bülowstr. 106
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus M19, 106, 187




Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von MANEO,
präsentiert von der taz präsentiert von:die tageszeitung
und gefördertvon der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB).

MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e. V.






Berlin, den 20.04.2007

MANEO-SOIRÈE – die Talkrunde

Hetero als Norm - Oder: Warum hat Homosexualität keinen Raum in Schulbüchern

Die Rahmenlehrpläne des Berliner Senats verweisen auf gleichgeschlechtliche Lebensweisen und sexuelle Identität als Querschnittsthemen in nahezu allen Fächern. Doch das scheint mit der schulischen Wirklichkeit nicht viel gemein zu haben. Denn in den Schulbüchern wird Gleichgeschlechtlichkeit als gleichberechtigte Lebensweisen nur unzureichend erwähnt, obgleich doch Schwule und Lesben Anspruch darauf haben, dass auch ihre sexuelle Orientierung Anerkennung findet – zumal es pädagogische Pflicht ist, besondere Obacht auf Minderheiten zu legen.

Im Gegenteil: Lehrer und Lehrerinnen werden für den Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die nach sexueller Identität und Orientierung suchen und Akzeptanz und Anerkennung brauchen, kaum vorbereitet. Schulbuchverlage tun sich schwer, schwule und lesbische Themen thematisch aufzugreifen – nicht zuletzt auf Druck von Schulbehörden.

Was müsste hier getan werden, damit Gleichberechtigung für Schwule und Lesben sich auch in Schulbüchern wiederfindet? Welche grundsätzlichen Veränderungen in der Weiterbildung von Lehrenden müssen getroffen werden, damit Homosexualität auch im Klassenzimmer seinen Platz finden darf? Wie kann verhindert, dass die Schule zum Tatort für Homophobie wird?

Ein Gespräch mit Schülern, Jugendlichen und Angehörigen. Moderation: Jan Feddersen, TAZ


DATUM: Dienstag, den 21. Mai 2007
BEGINN: um 20:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter, Bülowstr. 106
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus M19, 106, 187


Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von MANEO,
präsentiert von der taz präsentiert von:die tageszeitung
und gefördertvon der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB).

MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e. V.






Berlin, den 12.Mai 2007

Zusammenfassung der MANEO-Umfrage für die Pressekonferenz
der MANEO-Werkstatt am Samstag, dem 12.05.2007, 12.00 Uhr,
Rathaus Schöneberg, Berlin

vorgetragen von Bastian Finke, Projektleiter MANEO


Die Ergebnisse der Umfrage sind schlecht ausgefallen.
Nach den Studien von Michael Bochow und den bei MANEO gemeldeten homophoben Vorfällen gingen wir bisher von einem Dunkelfeld von 80 Prozent aus. Die Umfrage belehrt uns nun eines Schlechteren: Nach den vorliegenden Ergebnissen unserer Umfrage, an der sich fast 24.000 Personen beteiligt hatten, werden 90 Prozent der Taten bei der Polizei nicht angezeigt.

Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) gab an, in den letzten zwölf Monaten Gewalterfahrung gemacht zu haben. Erschreckender als diese reine Anzahl von Delikten ist aber die Tatsache, dass von den jungen Schwulen und bisexuellen Männern (unter 18 Jahren) fast zwei Drittel (63 Prozent) innerhalb des letzten Jahres Gewalt erfahren haben. Dazu kommt noch der Umstand, dass jüngere Schwule tendenziell weniger Gewalttaten anzeigen. Oder um es direkter zu formulieren: Man kann als junger Schwuler in Deutschland offenbar nicht in Ruhe aufwachsen - und die Betroffenen bagatellisieren die Taten. Beispiel: In der Umfrage wurde abgefragt, ob körperliche Gewalt bei der Tat im Spiel war, was dann 92% der Befragen verneinten. Von ihnen erklärten aber immer wieder auch Betroffene: „Ich habe zwar ein blaues Auge, aber es war Gott sei Dank nicht so schlimm.“ Neben dieser Form der Bagatellisierung spielt ein weiterer Umstand eine Rolle, warum es hier zu Fehleinschätzungen kommt. Es ist selbst für Experten in strafrechtlichen Fragen nicht einfach, einen Tatbestand einer Gewalttat eindeutig einer bestimmten juristisch relevanten Gewaltform zuzuordnen. Der juristische Unterschied beispielsweise zwischen einer Bedrohung, einer Belästigung oder Beleidigung ist erst recht für den Laien kaum nachvollziehbar.

In der Umfrage wurde gefragt, wer von den Betroffenen als Täter identifiziert werden konnte. In 40 Prozent der Fälle haben die Betroffenen einen Einzeltäter identifiziert. Homophobe Gewalt wird danach überwiegend aus Gruppen heraus begangen (mehr als 60% Prozent). Dabei handelte es sich überwiegend um männliche Täter (87 Prozent), in 3 Prozent der Fälle waren es Frauen, in etwa 6 Prozent waren es Täter beiderlei Geschlechts. Das geschätzte Alter der Täter lag in 20 Prozent der Fälle zwischen 14 und 17 Jahren, in 54 Prozent der Fälle zwischen 18 und 24 und wurde bei 28 Prozent von den Betroffen zwischen 25 und 35 angegeben (Mehrfachnennungen bei Gruppentäterschaft möglich).

Um die Tätergruppen stärker einzugrenzen, wurden die Befragten gebeten, eine weitergehende Differenzierung vorzunehmen. Unter vorgegebenen Antworten wurde am häufigsten (49 Prozent) die Kategorie „nicht weiter auffällig“ angekreuzt. Weitere Nennungen waren „rechtsradikale Deutsche“ (7 Prozent) und „Fußballhooligans“ (2 Prozent). In einem offenen Feld haben dann 16 Prozent als Täter Personen „nichtdeutsche Herkunft“ vermerkt.

Viele haben bisher die Augen vor einer bestimmten Tätergruppe verschlossen. Ohne, dass wir danach gefragt haben, haben uns 16 Prozent von Tätern nichtdeutscher Herkunft berichtet. Hätten wir nach dieser Tätergruppe gefragt, hätten wir noch mehr Nennungen gehabt. Das Thema „Migranten als Täter“ ist angstbesetzt. Niemand will sich gemein machen mit der von Unverbesserlichen verbreiteten Parole „die Ausländer sind schuld“.

Aber man muss in diesem Zusammenhang feststellen, dass nicht die Schwulen, die die Rückmeldung „nichtdeutscher Täter“ gegeben haben, das Problem sind oder diejenigen, die diese Studie initiiert haben. Sondern die Täter, die Schwule zu Opfern machen, und die wiederum vermehrt mit Wut und Unverständnis reagieren. Das liberale Nebeneinander – hier die Schwulen, da die Migranten – ist mittlerweile Geschichte.

Lassen Sie mich deutlich sagen: Der Respekt vor der Würde des Menschen ist nicht verhandelbar. Wir wollen hier mit allen in Frieden leben, egal welcher Herkunft. Wer aber die Würde von Homosexuellen nicht anerkennt, der stellt sich selbst ins Abseits. Er steht damit außerhalb des Grundgesetzes und unserer Gesellschaft. Und damit ist klar: Dieses Verhalten muss sich ändern oder mit der vollen Härte des Gesetzes sanktioniert werden.

Wir erwarten von der Polizei und von der Justiz, den Rechtsfrieden auch für Homosexuelle zu schützen. Die Studie zeigt, dass über 50 Prozent der Täter nicht ermittelt werden. Einerseits, weil die Betroffenen keine Anzeige erstatten – zur Erinnerung: das Dunkelfeld liegt bei 90 Prozent! Die Opfer berichten aber auch, dass sie sich mit ihren Anzeigen insbesondere bei Beleidigungen und Belästigungen (65 Prozent der Fälle) nicht ernst genommen fühlen. Bei den Betroffenen herrscht die Grundannahme, dass die Polizei diese Fälle bagatellisieren würde.Im Endeffekt führt das schlechte Image der Polizei bei den Betroffenen also dazu, dass die Polizei kaum Kenntnis von homophoben Gewalttaten nimmt.

Und weil die Polizei die Problemlage nicht erkennen kann, sorgt sie durch ihre Untätigkeit dafür, dass rechstsfreie Räume entstehen. Und das verbale Gewalt als harmlose „Jugendkultur“ salonfähig wird. Dort, wo es bei der Polizei Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweise als feste Stellen gibt –Berlin ist hier bisher eine herausragende Ausnahme - sieht es deutlich besser aus. Daran müssen sich die anderen Bundesländer ein Beispiel nehmen.

Und es muss betont werden: Es darf nicht bei der privaten Initiative einiger Polizeibeamten in den anderen Bundesländern bleiben. Wir wollen im nächsten Jahr feste Ansprechpartner der Polizei aus allen Bundesländern bei der nächsten MANEO-Werkstatt begrüßen können - und wir bieten ihnen unser Knowhow an.

Auch wenn Berlin vorbildlich erscheint, es hat 16 Jahre gedauert, eine derartige Veranstaltung wie die MANEO-Werkstatt zu organisieren, dank finanzieller Zuwendungen außerhalb der finanziellen Förderung von MANEO. Und das Problem „Homophobe Gewalt“ ist in dieser Zeit leider nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Die große Mehrheit der von Gewalt Betroffenen ist auf scheinbar sicherem Terrain Opfer geworden. Die Befragung zeigt zudem: Aber auch Verstecken hilft nicht. Wer sich in der Abgeschiedenheit abgeschlossener Räume z.B. den schwulen Viertel der Großstädte oder der scheinbaren Anonymität des Internets in Sicherheit wiegt, der kann sich dadurch nicht dem Risiko entziehen, sich als Schwuler doch eine blutige Nase zu holen.

Lesben und Schwule müssen selbst das Problem in die Hand nehmen – als Bürger in ehrenamtlichen Strukturen – und sie verdienen dafür die Unterstützung aller Gutwilligen. Diese Arbeit – selbst ehrenamtliche Arbeit – kostet jedoch Geld. Dazu gehört unbedingt die schulische Bildungs- und Aufklärungsarbeit auf der einen Seite, aber auch die Anti-Gewalt-Arbeit, wozu die Zusammenarbeit mit der Polizei und die Opferhilfe-Arbeit zählen. Hier liegt die Verantwortung beim Staat. Er muss die Würde des Menschen schützen und darf sich nicht davonstehlen.

Politischen Sandkastenspiele und Alibi-Projekte nach dem Gießkannenprinzip nützen den Opfern homophober Gewalt nichts. Ebensowenig Lippenbekenntnisse. Neue Gesetze wie das ADG oder die eingetragene Lebenspartnerschaft machen eine Gesellschaft nicht automatisch toleranter. Ohne Aufmerksamkeit, eine unmissverständliche Haltung gegen homophobe Gewalt und einen öffentlichen Konsens über die Verwerflichkeit dieser Delikte bleibt alles beim alten.

Verantwortungsbewusst handeln bedeutet für zukünftige Generationen zu handeln. Wenn in unserer Umfrage von den unter 18jährigen fast zwei Drittel von Gewalterfahrungen berichten, so ist das eine schwere Hypothek für ihre persönliche Entwicklung – aber auch für die gesamte Gesellschaft.

Die von den Opfern und uns als Opferhilfe wahrgenommene Bagatellisierung der Gewalt führt zu einer untragbaren Beeinträchtigung der Lebensqualität und zu nicht unerheblichen Kosten für die Gesellschaft – sei es die akute medizinische Hilfe oder Erwerbsminderung durch die Folgen schwerer traumatischer Erfahrungen.

Wir können vor den absehbaren Folgen nur eindringlich warnen, die sich gerade auch mit den Ergebnissen der Befragung für die Gesellschaft zeigen. Wir fordern die Politik auf, sich dieser Problematik ernsthaft zu stellen. Wir haben das Gefühl, dass das Problem parteiübergreifend ernst genommen wird und dass Konsens darüber herrscht, dass das Thema nicht wieder in der Versenkung verschwindet.

In diesem Zusammenhang danken wir vor allem der Stadt Berlin, dem Regierenden Bürgermeister, der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, dem Berliner Innensenator und besonders der Berliner Polizei für die bisherige politische Unterstützung unserer Veranstaltung, sowie allen, die uns mit Grußworten unterstützt haben und Interesse an unserer Arbeit und dem Thema signalisiert haben.

Jetzt müssen aber den Worten auch Taten folgen.“






Berlin, den 25.04.2007

Schwere Überfälle im Tiergarten

In der Nacht vom 16. auf den 17. April ereigneten sich im Tiergarten kurz hinter-einander zwei schwere Überfälle. Dabei wurden mehrere Cruiser erheblich verletzt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass beide Überfälle in einem Zusammen-hang stehen. Betroffene wandten sich ans Schwule Überfalltelefon MANEO.

In der Nacht vom 16. auf den 17. April, gegen 00:00 Uhr, so berichtete ein 32 Jahre alter schwuler Mann MANEO, habe er auf der Löwenbrücke gesessen, als er einige Fahrradfahrer beobachtete, die von der Hofjägerallee aus mit ihren Rädern der Brücke entgegen kamen. Der erste von ihnen habe dann ihn und die Brücke mit seinem Mountainbike passiert. Er habe sich nichts Böses gedacht, als auch der zweite Fahrradfahrer an ihn herankam. Bevor dieser jedoch an ihm vorbei radelte, erhielt er unerwartet einen kräftigen Schlag mit einem Gegenstand gegen sein Knie. Noch bevor er überlegen konnte, was ihn da getroffen hatte, erhielt er von den nachfolgenden Fahrradfahrern ebenfalls kräftige Schläge gegen seinen Körper. Die Gegenstände, mit denen er angegriffen worden war, identifizierte er als Ketten. Nach dem der erste Schmerz vorüber war rief er den Tätern hinterher, was das eigentlich solle. Daraufhin bremsten die letzten beiden Fahrradfahrer ihre Räder ab und hielten an. Einer von ihnen rief den beiden vorderen Fahrradfahrern etwas auf Türkisch zu, die dann aber weiterfuhren. Die beiden anderen Fahrradfahrer stiegen von ihren Rädern ab, kamen auf den Geschädigten zu und schlugen dann mit den Eisenketten auf den Geschädigten ein.

Die Schläge – es sollen mindestens acht Schläge gewesen sein – wurden mit einer so großen Wucht gegen den Geschädigten ausgeteilt, dass die Ketten das Hemd und Unterhemd zerrissen und blutende Striemen auf Rücken und Oberkörper hinterließen. Der Geschädigte rief laut um Hilfe und flüchtete. Er hörte noch, wie auch andere Cruiser schrieen und etwas riefen. Doch kam ihm keiner zu Hilfe oder erkundigte sich, was passiert sei. Geschockt und verletzt fuhr der Geschädigte zu einem Bekannten, der sofort Polizei und Notarzt verständigte; der Geschädigte wurde zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Anhand der Striemen und Hautverletzungen vermuteten die Ärzte, dass es sich bei den Ketten um Fahrradketten gehandelt haben könnte. Neben den blutenden Striemen auf Bauch, Rücken und Schultern erlitt der Geschädigte Prellungen am Knie und am Handgelenk. Die Schläge seien so platziert gewesen, dass diese auch den Kopf hätten treffen können. Die Polizei nahm eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung auf. Der Betroffene ist derzeit noch weiter krankgeschrieben.

Der Betroffene berichtete, dass es sich bei den Tätern um vier junge Männer auf Mountainbikes, etwa 20 Jahre alt, gehandelt habe. Einer der Täter habe ein helles Kapuzenshirt getragen, eines der Fahrräder fuhr mit bläulichem Licht.




Ein weiterer Überfall hatte sich kurz zuvor gegen 22:20 Uhr ereignet. Ein 43 Jahre alter schwuler Mann beobachtete, wie unweit der Tischtennisplatten zwei jugendliche Täter gegen einen schwulen Cruiser vorgingen. Er habe die Lage anfangs nicht als bedrohlich eingeschätzt, eher als ein Spiel, so der Mann gegenüber MANEO. Weiter beschreibt er, es sei Gegröle zu hören gewesen und er habe Licht an zwei jungen Männern gesehen. Dies habe ihn vermuten lassen, dass die beiden Personen mit einem Handy Licht machten oder filmten. Doch dann habe er gesehen, wie Cruiser aus dem Dickicht hinter den Tischtennisplatten wegliefen und wie die beiden jungen Männer einen Cruiser verfolgten, um diesen mit einem Schlagstock zu schlagen. Das Opfer müsse seiner Einschätzung nach auch etwas abbekommen haben. Der Geschädigte versuchte, vor den Tätern zu flüchten, war aber nicht so schnell wie diese. Er habe dann aus gewisser Entfernung „Laßt ihn in Ruhe!“ gerufen. Daraufhin haben sich die Täter ihm zugewandt und ihn angefahren, er solle sofort verschwinden. Einer der Täter habe ein Messer gezeigt und ihm damit gedroht. Er habe sich aber nicht abschrecken lassen und die Täter wieder aufgefordert, den Mann in Ruhe zu lassen. Daraufhin seien die Täter auf ihn losgegangen, hätten auf ihn eingeschlagen und eingetreten. Von den Schlägen habe er Prellungen an Knie, Oberschenkel und Hand davongetragen; danach konnte er sofort flüchten. Trotz seiner Verletzungen war der Geschädigte froh, durch seine Intervention beigetragen zu habe, dass der andere schwule Mann flüchten konnte.

Die beiden Täter beschrieb der Betroffene gegenüber MANEO als Anfang 20 Jahre alt, die Deutsch mit leichtem Akzent sprachen. Einer der Täter hatte außerdem eine Glatze.

Der Geschädigte fuhr mit seinem Fahrrad zu einem nahegelegenen Polizeiabschnitt und erstattete Strafanzeige. Erst dann habe er bemerkt, wie sehr ihn der Vorfall mitgenommen habe.

MANEO ruft Zeugen dazu auf, sich zu melden.


Möglicherweise haben Zeugen bereits Tage zuvor Auffälligkeiten beobachtet. Darüber hinaus wird noch einmal auf folgende Tipps hingewiesen:

Wirst Du beim nächtlichen Cruising Zeuge eines Überfalls,
• spreche andere Cruiser direkt an, bitte sie um Hilfe und beratschlage Dich;

• rufe dem Opfer laut zu, dass die Polizei verständigt wurde und gleich eintreffen werde;mache dadurch auch andere Cruiser auf die Gefahr aufmerksam;

• verständige die Polizei und berichte von Deinen Beobachtungen (Hast Du kein Handy dabei, bitte anderen Cruiser darum, die Polizei zu rufen.);

• bringe dich, das Opfer und andere Cruiser in Sicherheit, warte auf das Eintreffen der Polizei und biete Dich als Zeuge an;

• verständige baldmöglichst auch MANEO.






17. MAI 2007 „Internationaler Tag gegen Homophobie“

AB 13.00 UHR „PROTECT EVERY KISS“-MARATHON

MANEO Kuss-Marathon in Berlin - Protect every kiss. Küss mit!

Plakat Protect every kiss Der 17. Mai steht vor der Tür: ein Datum, das weltweit als „Internationaler Tag gegen Homophobie“ gefeiert wird, nachdem an diesem Tag im Jahre 1990 die Generalversammlung der WHO längst Überfälliges beschloss: Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen.

Doch aus vielen Köpfen ist “Schwulenhass” deswegen noch lange nicht gestrichen; nach wie vor werden Homosexuelle, insbesondere schwule Jugendliche und Männer, als “krank” verschmäht. „Schwule Sau!“, schallt es auch von unzähligen Schulhöfen: Was klingt wie der Sound von vorgestern, ist bittere Gegenwart. Nicht selten kriegen schwule Jugendliche oder erwachsene Männer „was auf die Fresse“, wenn sie einander küssen oder Hand in Hand auf der Straße gehen – auch in Deutschland, auch in Berlin.

Das darf nicht sein! Daher gehen wir hinaus auf die Straße und demonstrieren:
Jeder Kuss zählt, jeder Kuss ist schützenswert!
Stell Dich gegen Intoleranz und zeig Gesicht – küss mit !
Ein Kuss, ein Zeichen – gegen Homophobie und Hassgewalt!


Unter dem Motto „protect every kiss“ startet MANEO am 17. Mai 2007 um 12:30 Uhr einen Kuss-Marathon quer durch das Berliner Stadtgebiet.

WARUM?
Einander auf offener Straße küssende Männer werden immer wieder schief angeguckt, beschimpft, bedroht und nicht selten sogar körperlich angegriffen. Das darf nicht sein! Daher gehen wir auf die Straße und demonstrieren: Jeder Kuss zählt, jeder Kuss ist schützenswert – auch deiner!

WO UND WANN?
Folgende Orte werden am 17. Mai zur „MANEO-Knutschzone“ erklärt:

• Start vor dem alten Köpenicker Rathaus Köpenick | 12:30 Uhr
• Hermannplatz Neukölln | 13:40 Uhr
• Kottbusser Tor Kreuzberg | 14:10 Uhr
• Landsberger Allee, vor dem Velodrom Lichtenberg | 15:00 Uhr
• S-Bahnhof Gesundbrunnen Wedding | 15:30 Uhr
• Kurt-Schumacher Platz Reinickendorf | 16:00 Uhr
• Spandauer Rathaus Spandau | 16:30 Uhr
• Nollendorfplatz Schöneberg | 17:30 Uhr, anschließend
18:00 Uhr Ausstellungseröffnung:
„Opfer homophober Gewalt“ im Mann-O-Meter (Nollendorfplatz)

WER?
Schwule und Lesben, Männer und Frauen, Freunde und Bekannte, Heteros und Homos – alle sind eingeladen, weil jeder Kuss zählt! Nicht vergessen: bring Deinen Kusspartner mit!

Du bist am 17. Mai nicht an den bekannt gegebenen Orten und möchtest trotzdem mitmachen? Kein Problem! Egal wo Du bist, mach ein Foto von Deinem Kuss und schick das Bild per Post oder per E-Mail an MANEO – wir stellen Dein Bild online auf unsere Website!

Weitere Informationen unter: www.tag-gegen-homophobie.de und www.maneo-toleranzkampagne.de oder
MANEO-Telefon: 030/ 216 33 36






MANEO FILM-SOIRÉE – 16. Mai 2007, 20:00 Uhr, Mann-O-Meter.

„Paragraph 175“ Preisgekrönter Film von Rob Epstein und Jeffrey Friedman (USA 1999, 81 Minuten)

DATUM: Mittwoch, den 16. Mai 2007
BEGINN: um 20:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus 19
DVD cover Paragraph 175
Aus der Ankündigung zum Film:

„...Die Verfolgung von Homosexuellen während der zeit des Dritten Reichs ist ein Kapitel deutscher Geschichte, das im Bewusstsein der Öffentlichkeit bisher kaum Widerhall gefunden hat. In der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Terrors wurde das Thema geflissentlich nicht beachtet und die Opfer hüteten sich lange, aus Angst vor Repressalien, an die Öffentlichkeit zu gehen. (...)

Fünf schwule Männer, alle weit über die 90er, waren bereit, über ihre Erlebnisse und traumatischen Erinnerungen zu berichten: Ausgehend von der leicht optischen Stimmung im Berlin der „Goldenen Zwanziger“, in der das ‚dritte Geschlecht’ in den ersten Homo-Kneipen nach Erfüllung suchte, münden die Erzählungen der Zeitzeugen in jener Zeit, als die Illegalität und die Verfolgung des Homosexuellen als Abartigen bittere Realität wurde. (...)






MANEO-WERKSTATT 2 – Sonnabend, 12.05.07

logo maneo werkstatt 2007

„Homophobie und schwulenfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum: Meldung – Bewertung – Prävention“

Bitte denken sie daran, sich rechtzeitig schriftlich anzumelden, -->PDF-Anmeldeformular öffnen

Anmeldeschluss: 07.05.2007
Tagungsbeitrag: von 20,- €(Imbiß, Kaffee/Tee)
Überweisung bis zum 8. Mai 2007 mit Verwendungszweck: "MANEO-Werkstatt 2/ Ihr Name"


DATUM: Sonnabend, den 12. Mai 2007
BEGINN: um 9:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Rathaus Schöneberg
ANFAHRT: U-Rathaus Schöneberg, Bus M46 , 106



Vorläufiges Programm – Änderungen vorbehalten


09.00 Uhr Registrierung der Teilnehmer
09:30 Uhr Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch den Veranstalter
09:35 Uhr Forum I: Impulsbeiträge

- Claus Brandt, Rechtsanwalt, Ver.di. „Aktuelle Erhebungen zu Einstellungen zur Homosexualität in der Bevölkerung der EU“. (10 Minuten)

- Dr. Bodo Lippl, Institut für Sozialforschung, Humboldt Universität Berlin. Präsentation erster Ergebnisse der MANEO-Umfrage 2006/2007, an der sich über 23.000 Personen in Deutschland beteiligt haben. (10 Minuten)

- Michal Pawlega, Lambda Warschau. Zahlen und Fakten zur Situation homosexuellenfeindlicher Gewalt in Polen. (10 Minuten)

- Lizé, Jacques, Vorsitzender SOS-Homophobie Frankreich. Zahlen und Fakten zur Situation homosexuellenfeindlicher Gewalt in Frankreich. (10 Minuten)

- Stefan Cooper, Arbeitsgruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI) von amnesty international in Berlin. Verfolgung von Homosexuellen weltweit. (10 Minuten)

- Dr. Louis George Tin, Vorsitzender von IDAHO, Frankreich. Über die Kampagne „Internationaler Tag gegen Homophobie“ (10 Minuten)

10.30 Uhr Moderierte Diskussion mit den Impulsreferenten und weiteren Gästen zu Fragen homophober Gewalt im öffentlichen Raum Moderierter Talk unter Einbezug der Zuhörer

11:45 Uhr bis 13:15 Uhr Pause: Kaffee, Imbiß

13:15 Uhr Forum II:
Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen schwulen Anti-Gewalt-Projekten und der Polizei.
Moderierter Talk mit Gästen aus Deutschland, Frankreich und Polen.

Nachgefragt: ab 14:15 Uhr

14:45 Uhr Pause: Kaffee

15:00 Uhr Forum III:
Die Rolle der Medien bei der Gewaltprävention schwulenfeindlicher Gewalt.
Moderierter Talk mit Gästen aus Deutschland, Frankreich und Polen.

Nachgefragt: ab 16:00 Uhr

16:30 Uhr Abschluss






Berlin, den 17.02.2007

MANEO-Socialspots gefeiert

Bei der Verleihung der Gay-Teddys würdigte die internationale Jury die MANEO-Socialspots. ARTE zeigte Spots im TV-Programm.

Auch wenn bei der diesjährigen Preisverleihung kein Teddy für Kurzfilme vergeben wurde – die Auswahl war in diesem Jahr zu gering – so würdigte die internationale Festivaljury des renommierten Queer Film Awards dennoch die beiden eingereichten MANEO-Socialspots als „besonders herausragend“. Plakat Augenzeugen melden

Die Präsidentin der Teddy-Jury, Charlie Boudreau, u.a. auch Leiterin des schwullesbischen Filmfestivals in Montreal/ Kanada, betonte in ihrer Rede, dass die Jury den beiden Socialspots „Love Hurts“ und „Überwachungskamera“ eine besondere Anerkennung verleiht. Außerdem erklärte sie: „Wir würdigen dafür MANEO, das diese beiden Spots in Auftrag gegeben hat.“
v.l.n.r.: MANEO-Projektleiter Bastian Finke, Mariejosephine Schneider (Regisseurin „Love Hurts“), Christoph Heller (Regisseur und Produzent: „Überwachungskamera) ,Klaus Wowereit, Regieren- der Bürgermeister von Berlin ©Foto:Greg Sylwan

Beide Spots wurden vor den über 500 Gästen der Gala präsentiert und ernteten großen Beifall. Zahlreiche Prominente gratulierten MANEO für diesen Erfolg, allen voran der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sowie Claudia Roth, Volker Beck, Judy Winter und Teddy-Gewinner Olivier Mayrou, Regisseur und Produzent des besten Dokumentarfilm 2006 "Au-delà de la haine" („Jenseits des Hasses").

Der deutsch-französische TV-Sender ARTE zeigte am vergangenen Sonntag in einem Zusammenschnitt die Höhepunkte der Preisverleihung der Gay-Teddy-Awards, darunter auch in voller Länge die beiden MANEO-Social-Spots.

Neben dem weiterhin brisanten Thema AIDS wurde auch das Thema Gewalt gegen Homosexuelle aufgrund der Ereignisse um die CSDs in Warschau und Moskau, aber auch aufgrund der Hinrichtungen von Schwulen im Iran, ins Programm der Preisverleihung genommen. Bilder von tätlichen Übergriffen auf die CSD-Teilnehmer in Warschau und Moskau wurden gezeigt, ebenso wie Szenen von Folterungen und Hinrichtungen im Iran.

Die Moderatoren der Veranstaltung betonten, dass Gewalt gegen Homosexuelle nach wie vor auch in Deutschland ein aktuelles Thema ist. "Schwule Sau" zählt noch immer zu den beliebtesten Schimpfwörtern an Berliner Schulen, weshalb nicht zuletzt auch für sie die Arbeit des Berliner Anti-Gewalt-Projekts MANEO von großer Bedeutung ist.

Die MANEO-Socialspots sind als Livestream unter www.maneo-toleranzkampagne.de/kinospot zu sehen.

Weitere Informationen, Bilder sowie Statements der Regisseure zu den MANEO-Socialspots unter: www.maneo-toleranzkampagne.de

Projektleitung:
Bastian Finke
Mail:bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 21 75 32 13

Pressekontakt:
Jens Brodzinski
MANEO-Toleranzkampagne
Mail: jens.brodzinski-tk[at]maneo.de






Berlin, den 13.02.2007

MANEO-Umfrage ein voller Erfolg

Über 23.000 Personen aus ganz Deutschland haben an der großen MANEO-Umfrage teilgenommen. Damit ist die wissenschaftlich begleitete Studie zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern die bislang erfolgreichste ihrer Art in der Bundesrepublik.

Senatorin Dr. Knake-Werner zeigte sich beeindruckt, nachdem erste Teilnehmerzahlen der beispiellosen empirischen Studie bekannt gegeben wurden.

MANEO umfrage logo „Eine vergleichbare Studie zu diesem Thema hat es in Deutschland in dieser Größenordnung noch nicht gegeben“, resümiert MANEO-Projektleiter Bastian Finke. Die beispiellose Resonanz auf die Umfrage ist nicht zuletzt auf die tatkräftige Unterstützung zahlreicher Organisationen, Verbände und Onlineportale zurückzuführen, die im Zeitraum der Befragung vom 1. Dezember 2006 bis 31. Januar 2007 zur Teilnahme mit aufgerufen hatten. Und es ist nicht zuletzt auch das große Interesse innerhalb der Szenen an diesem Thema gewesen, das diese enorme Resonanz an der Umfrage hervorgerufen hat.

Im Rahmen der Pressekonferenz vom vergangenen Freitag, auf der die im Berlinale-Panorama platzierten MANEO-Socialspots der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, überraschte Finke mit diesen Informationen die Teilnehmer der Veranstaltung und Vertreter der Presse. Demnach beteiligten sich über 23.000 Personen, davon etwa 2.800 aus Berlin, an der bundesweit bislang einmaligen Studie.

Die Ergebnisse werden es erstmals ermöglichen, verlässlichere Aussagen über den Graubereich antischwuler Gewalt zu treffen. Denn es geht auch darum, endlich mehr Licht in dieses Dunkelfeld zu bringen.

Die Studie ist ein wichtiger Baustein der MANEO-Toleranzkampagne, die auch von der Berliner Senatorin für Arbeit, Integration und Soziales, Frau Dr. Heidi Knake-Werner, aufmerksam verfolgt wird. Projektleiter Bastian Finke, der bereits mit seinem Wissenschaftsteam (Dr. Michael Bochow, Prof. Dr. Martina Stallmann und Dr. Bodo Lippl,) für 2008 eine Wiederholung der Umfrage plant, möchte mit der Studie das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO als Institution empfehlen, „die bemüht ist, weitere wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet voranzubringen“, um daraus konkrete Maßnahmen für die Präventionsarbeit ableiten zu können.

Während jetzt die Umfrage ausgewertet wird, sollen erste Ergebnisse der Studie im Rahmen der MANEO-Werkstatt 2007 vorgestellt werden, die sich am 12. Mai in Berlin der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Weitere Informationen und Grußworte zur MANEO-Umfrage sowie zur Toleranzkampagne unter:www.maneo-toleranzkampagne.de

Projektleitung:
Bastian Finke
Mail:bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 21 75 32 13

Pressekontakt:
Jens Brodzinski
MANEO-Toleranzkampagne
Mail: jens.brodzinski-tk[at]maneo.de






Berlin, den 09.02.2007

MANEO-Kinospots stoßen auf internationales Interesse

Nach dem erfolgreichen Fußballplakat entwickeln sich die MANEO-Social-Spots zu einem weiteren Exportschlager. DFFB lobt „fruchtbare Zusammenarbeit“.

Senatorin Dr. Knake-Werner zeigte sich bei der Vorabpremiere im Rahmen der Berlinale hoch erfreut: „Die Gelder, mit denen die zweifellos unverzichtbare Arbeit von MANEO unterstützt wird, sind gut angelegt!“

Pressekonferenz im Rahmen der Berlinale 2007 Als eine Investition in die Zukunft empfanden auch die Studenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) das Seminar, aus dem die beiden MANEO-Social-Spots „Love Hurts“ und „Überwachungskamera“ hervorgingen. Jana Wolf, Festivalkoordinatorin der DFFB, lobte die „fruchtbare Zusammenarbeit“ mit MANEO. Sie zeigte sich erfreut über das „großartige Ergebnis“, das dank eines umfangreichen Sponsorings möglich wurde.

Frau Dr. Knake-Werner, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, begrüßte während des heutigen Pressegesprächs das Engagement der Akademie, auf gesellschaftlich nach wie vor brisante Themen wie Homophobie und Hassgewalt aufmerksam zu machen. „Das hier vorgestellte Ergebnis beeindruckt mich“, so die Senatorin.

FOTO: MANEO-Projektleiter B. Finke, Senatorin Dr. Knake-Werner.
© Foto: Burghard Manghöfer

Bereits unmittelbar nach der Fertigstellung der Spots erhielten diese internationale Aufmerksamkeit: Namhafte Filmfestivals aus Deutschland, Europa und Übersee äußerten Interesse, die Spots auch auf ihren Veranstaltungen zu präsentieren. Die Spots vermitteln zwei ebenso einfache wie einprägsame Botschaften: „Schütze jeden Kuss!“ und „Sieh nicht weg!“. Der Angriff auf zwei schwule Männer aufgrund eines Kusses wird mit einem Angriff auf jede beliebige küssende Person gleichgesetzt. Im zweiten Spot fängt eine Überwachungskamera eine Gewaltszene gegen zwei schwule Männer ein – und wendet sich ab. Die dargestellten Szenen offenbaren einen Widerspruch, der die Zuschauer zu einer solidarischen Haltung auffordert.

Das Interesse an den Spots ist bereits vor der offiziellen Präsentation auf der Berlinale groß. Auch zahlreiche Berliner Kinos, u.a. die Berliner Yorkgruppe, haben angekündigt, dass sie die Spots kostenlos ihn ihren Vorprogrammen zeigen werden. Damit übertrifft die Resonanz auf die Spots sogar noch die öffentliche Aufmerksamkeit, die MANEO bereits mit der Veröffentlichung seiner Fußballplakate im vergangenen Sommer bewirkt hatte. „Für uns ist das der erste Socialspot, den wir im Rahmen eines Werbeseminars produziert haben. Der Erfolgt beflügelt uns. Das bekommt eine völlig neue Dimension“, so Jana Wolff. „Wir sind von der großen Nachfrage sehr überrascht und erfreut. Denn an dieser Resonanz zeigt sich auch die Qualität unserer Arbeit, die hier bei der DFFB geleistet wird“, so die DFFB-Pressesprecherin.

Bestärkt durch den bereits jetzt schon geäußerten Zuspruch sieht auch MANEO-Projektleiter Bastian Finke große Chancen, dass sich die Spots zu einem weiteren Exportschlager entwickeln.

MANEO wird diese Gelegenheit aktiv nutzen, seine erfolgreiche Projektarbeit auch international zu präsentieren, auch wenn hier zusätzliche Regiearbeit auf das Projekt zukommen wird. Weitere Vernetzung und Erfahrungsaustausch werden letztendlich auch die Arbeit von MANEO bereichern.

Bastian Finke bedankte sich im Rahmen der Pressekonferenz noch einmal bei der Leitung und den Mitarbeitern der DFFB für die gute Zusammenarbeit. Sein Dank ging insbesondere noch einmal an die Produzentinnen Anna de Paoli und Anna-Katharina Guddat sowie die Regisseurinnen Döndü Kilic und Mariejosephine Schneider vom Socialspot „Love Hurts“ und an den Produzenten und Regisseur Christoph Heller vom Spot „Überwachungskamera“. Er bedankte sich bei allen Sponsoren, ohne deren Hilfe diese Produktion nicht hätten finanziert werden können.

Die MANEO-Socialspots sind als Livestream unter www.maneo-toleranzkampagne.de zu sehen.

Weitere Informationen, Bilder sowie Statements der Regisseure zu den MANEO-Socialspots unter: www.maneo-toleranzkampagne.de/kinospot sowie unter: www.maneo-toleranzkampagne.de.

Projektleitung:
Bastian Finke
Mail:bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 21 75 32 13

Pressekontakt:
Jens Brodzinski
MANEO-Toleranzkampagne
Mail: jens.brodzinski-tk[at]maneo.de






Berlin, den 08.02.2007

Gericht verhängt Freiheitsstrafen

In zwei Fällen begleitete MANEO Betroffene von schwulenfeindlichen Gewalt-taten bei Gericht. In beiden Fällen wurden die Beschuldigten zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Vor der 29. Strafkammer des Landgerichts Berlin musste sich am 22. Januar dieses Jahres ein 42-jähriger Mann verantworten, der seinen Vermieter vor drei Jahren aus dem Fenster ihrer im 4. Stock gelegenen Weddinger Männer-WG hat kopfüber hängen lassen. Dieser versuchten gefährlichen Körperverletzung ging eine verbale Auseinandersetzung voraus, so der 33-jährige Geschädigte, in der er wiederholt als „Schwuchtel“ tituliert worden war. Nach der Verhandlung versicherte der Angeklagte sein Bedauern über den „üblen Scherz“. Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu acht Monaten Haft auf Bewährung.

Am 30. Januar 2007 kam es im Fall eines 37-jährigen Mannes zu einem weiteren Gerichtstermin. Der Geschädigte war im Mai vergangenen Jahres in der Schöneberger Kleiststraße Opfer eines versuchten Raubüberfalls geworden; die Täter konnten kurz darauf ermittelt werden, nicht zuletzt dank zweier Zeugen, die dem Geschädigten zu Hilfe kamen und die Täter zur Flucht veranlassten. Vor der 39. Strafkammer des Landgerichts Berlin mussten sich drei beschuldigte 17- und 18-jährige Jugendliche verantworten. Der 17-Jährige hatte den bereits auf dem Boden liegenden schwulen Mann mit dem Schuh ins Gesicht nachgetreten, weshalb dieser eine Platzwunde erlitt, die ambulant im Krankenhaus behandelt werden musste.

Während der Verhandlung entschuldigten sich die Angeklagten bei dem Geschädigten. Der 17-Jährige tat dies mehrfach und händigte dem Geschädigten 30 Euro aus, die einen Teil seiner durch die Straftat verursachten Ausgaben entschädigen sollten. Auf das Angebot reagierte der Geschädigte zögerlich, da ihn der Angeklagte kurz nach der Tat der sexuellen Nötigung bezichtigt und angezeigt hatte. Die haltlose Beschuldigung war zwar wenig später eingestellt worden, doch der Geschädigte erlebte diesem Akt als einen erneuten Angriff gegen sich als schwulen Mann.

Das Gericht verurteilte den 17-Jährigen, der Haftverschonung erhalten hatte, zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, die für die kommenden sechs Monate ausgesetzt werden, um das weitere Verhalten des Jungendlichen zu beobachten. Außerdem muss er 80 Stunden Sozialarbeit leisten. Bei einer erneuten Auffälligkeit drohen 2 Jahre Haft.

Die beiden anderen 17- und 18-jährigen Täter des Trios, die sich in wechselnder Besetzung weiterer Straftaten verantworten mussten und deshalb bereits in Untersuchungshaft saßen, erhielten Freiheitsstrafen von zwei und zweieinhalb Jahren Haft – jeweils ohne Bewährung.






Berlin, den 22.01.2007

MANEO präsentiert Kinospots auf der Berlinale

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (dffb) entwickelte MANEO zwei Kinospots. Das schwule Anti-Gewalt-Projekt Berlin ist erstmals auf der diesjährigen Berlinale vertreten.

Dem Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO ist es dank tatkräftiger Unterstützung der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und der Miami Ad School gelungen, die beiden Social Spots „Love Hurts“ (s. Bild links) und „Überwachungskamera“ auf der diesjährigen Berlinale zu präsentieren.

Standbild aus dem Socialspot -Love hurts
Beide Spots transportieren in jeweils individueller Ästhetik die Botschaft, Homophobie und Hassgewalt nicht hinzunehmen, sondern aktiv dagegen vorzugehen und für mehr Toleranz einzustehen.

Projektleiter Bastian Finke zeigt sich hocherfreut, dass so die Präsenz von MANEO auch auf dem „größten Kulturereignis der Stadt“ gewährleistet ist und die im Rahmen der MANEO-Toleranzkampagne forcierte Öffentlichkeitswirkung weiter verstärkt werden kann: „Viele haben schon begriffen, doch weit mehr müssen noch wachgerüttelt werden: Hassgewalt, eben auch homophobe Hassgewalt, dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben!“

Die Produzenten der beiden Kinospots:

„So sieht praxisnahes Arbeiten aus: Auf Initiative von MANEO soll ein Kinospot entstehen. Wir Studenten der DFFB lassen unsere Köpfe rauchen. Und dann ist sie da: die Idee! Unser Dreh ist ein 24 Stunden Marathon von einer Bowlingbahn über den Ku-Damm durch eine Säuglingsstation bis zu einem Fußballstadion. Zum Glück kann man beim Film einiges tricksen. Beim Drehen der Kuss-Szene werden wir angepöbelt und erleben so hautnah, warum dieser Spot so wichtig ist: Weil jeder Kuss schön ist und weil es Mut und Tatkraft erfordert, Gewalt gegen Homosexuelle zu verhindern."
Anna de Paoli, Produzentin des Spots “Love Hurts”

“Don't look away. Das Phänomen des ‚Wegschauens’ ist sehr verbreitet in Verbindung mit Gewalt gegen Homosexuelle. Zeugen schauen weg, anstatt Hilfe zu holen. Ich möchte den Zuschauer zum Nachdenken über sein eigenes Handeln in solch einer Situation bewegen. Die Thematik aus der Perspektive einer Überwachungskamera zu erzählen, verstärkt seine Wirkung besonders eindrucksvoll, da sie ja eigentlich für Sicherheit steht.“
Christoph Heller, Regisseur und Produzent des Spots “Überwachungskamera”

Weitere Informationen zu den MANEO-Socialspots unter: www.maneo-toleranzkampagne.de/kinospot
sowie zur MANEO-Toleranzkampagne: www.maneo-toleranzkampagne.de.

Weitere Fragen beantworten:

Projektleitung:
Bastian Finke
Mail:bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 21 75 32 13



Jana Wolff
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb)
Festivalkoordination, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mail: wolff[at]dffb.de
Tel.: +49 (0)30 25 75 91 52






Berlin, den 17.01.2007

MANEO-Soirée: „Du schwule Sau!“ - Queer Kids: Coming-out in der Schule

MANEO-Soirée. logo
Das „Coming-out“ gehört noch immer zu schwierigen Prozessen von Schwulen, auch von Lesben. Sie versuchen sich ihren Eltern und ihren Freunden mitzuteilen, um in ihren Fragen und Anliegen Unterstützung zu finden.

In diesem Orientierungsprozess sind sie leicht verletzbar und in unserer Mehrheitsgesellschaft mit Haltungen und Einstellungen konfrontiert, die ihnen einerseits einen Möglichkeitsraum eröffnet, sie andererseits aber auch all zu häufig ausgrenzt und diskriminiert.

In Schulen sind sie als Schüler in besonderer Weise leichte Opfer von Mobbing. Die Akzeptanz ihrer sexuellen Orientierung muss in Schulen das Ziel pädagogischer Aufklärungsarbeit sein. Doch wie soll das aussehen?

Ein Gespräch mit Schülern, Jugendlichen und Angehörigen.

Die MANEO-Soireé wird moderiert von Jan Feddersen (taz).


DATUM: Montag, den 26. Februar 2007
BEGINN: um 20:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus 19


Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von MANEO,
präsentiert von der taz präsentiert von:die tageszeitung
und gefördertvon der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB).

MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt vonMann-O-Meter e. V.






Berlin, den 17.01.2007

Endspurt für die MANEO-Umfrage

Die große MANEO-Studie zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern geht in die finale Phase: Noch bis 31. Januar ist der Fragebogen online ausfüllbar oder kann bei MANEO abgegeben werden.

umfrageaufruf
Kurz vor dem Abschluss der wissenschaftlich begleiteten Umfrage verstärkt MANEO noch einmal seine Öffentlichkeitspräsenz, um möglichst viele Teilnehmer für das bundesweit einzigartige Projekt zu gewinnen. Mit großformatigen Plakaten soll in den letzten zwei Wochen noch einmal auf die bereits von zahlreichen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Gay Community begrüßte Online-Studie hingewiesen werden.

„Je mehr sich beteiligen, desto informativer werden die Ergebnisse sein“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke, der als Soziologe auch zum Wissenschaftsteam der bislang beispiellosen Studie gehört und damit „mehr Licht in den Graubereich antischwuler Gewalt“ bringen möchte.

maneobanner online Besondere Anerkennung gilt dabei auch den zahlreichen Unterstützern der MANEO-Umfrage, die dem wohl ambitioniertesten Baustein der MANEO-Toleranzkampagne seit seinem Start am 1. Dezember 2006 tatkräftig unter die Arme gegriffen haben. So informierten die in der deutschen Community meist frequentierten Internet-Portale wie zum Beispiel gay-web.de, gaychat.de, gayroyal.com, homo.net, queerwelt.de, eurogay.de oder dbna.de ihre User via Newsletter oder Bannerwerbung über die Bedeutung der MANEO-Studie und riefen zur Teilnahme auf.

Alexander Schwab, Geschäftsführer der von allein 50.000 Usern genutzten Portale gay.de und gayforum.com, findet deutliche Worte: „Schluss mit Gewalt, wer immer nur wegsieht, kann nichts verändern! Wir alle vom gesamten Team schauen hin, wollen etwas bewegen – deshalb unterstützen wir das Projekt. Denn: Gewalt gegen Schwule ist auch heute noch ein hoch aktuelles Thema und wir wollen helfen, dass das nicht so bleibt.“ Auch gayromeo.com wird in den letzten Tagen vor Abschluss der Umfrage auf seiner Startseite die User noch einmal auf die MANEO-Online-Studie hinweisen und für eine Teilnahme werben.


MANEO ist hoch erfreut, für seine Online-Studie eine derart breite Front von Unterstützern mobilisiert haben zu können. Die enorme Resonanz aus sämtlichen Bereichen der Gesellschaft zeigt einmal mehr die Bedeutung der Thematik und die Wichtigkeit einer solchen empirischen Erhebung. Neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Polizeipräsidenten von Berlin, Dieter Glietsch, die beide die MANEO-Toleranzkampagne seit Beginn maßgeblich unterstützen, bekundete jüngst auch das Bundesjustizministerium sein Interesse an der Studie.

Projektleiter Bastian Finke, der bereits mit seinem Wissenschaftsteam (Dr. Bodo Lippl, Dr. Michael Bochow, Dr. Martina Stallmann) für 2008 eine Wiederholung der Umfrage plant, möchte mit der Studie das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO als Institution empfehlen, „die bemüht ist, weitere wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet voranzubringen.“ Es gilt, Licht ins Dunkelfeld antischwuler Gewalt zu bringen, um daraus konkrete Maßnah-men für die Präventionsarbeit ableiten zu können.

Weitere Statements von Unterstützern und Informationen zur Online-Studie sowie zur Toleranzkampagne finden Sie unter: www.maneo-toleranzkampagne.de

Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gern telefonisch oder per Email zur Verfügung.

Projektleitung:
Bastian Finke
Mail: bastian.finke[at]maneo.de
Tel.: +49 (0)30 217 532 13

Pressekontakt:
Jens Brodzinski
Mail: jens.brodzinski-tk[at]maneo.de






Berlin, den 11.01.2007

Bericht: MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?

Es diskutierten:

Günter Dworek, Bundesvorstand LSVD, Albert Eckert, Initiator des Mahnmals zum Andenken für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, Maren Kroymann, Schauspielerin,Andreas Pretzel, Historiker, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft,Queer Nations, Mechthild Rawert, Mitglied des Deutschen Bundestages, SPD, Berlin, Claudia Schoppmann, Historikerin, Expertin in der Lesbenforschung zum Nationalsozialismus.

Die entscheidenden Figuren in dieser Debatte ließen sich nicht lange bitten – und kamen gern zur ersten MANEO- Soirée des Jahres 2007. Als Disput stand das Thema „Ein Mahnmal nur für Schwule?“ auf der Tagesordnung.

MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?
Wie bekannt soll im Laufe dieses Jahr gegenüber vom Holocauststelenfeld eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus gegen Homosexuelle errichtet werden.



(v.l.n.r.) Bastian Finke, Andreas Prezel, Mechthild Rawert,
Jan Feddersen, Maren Kroymann, Albert Eckert,
Claudia Schoppmann, Günter Dworek, Klaus Lederer.
Foto © Burghard Manghöfer

Der Streit entzündete sich, nachdem vor einem Jahr der prämierte Entwurf für das Mahnmal der Öffentlichkeit bekannt wurde: ein Quader, in dessen Mitte eine Öffnung sich befindet, die, schaut man durch sie hindurch, einen Videoclip mit zwei einander küssenden Männern birgt. Die lesbische Community, die sich jahrelang aus jeder Debatte um Lesbisches unter dem Hakenkreuz heraushielt, war empört: ein reines Männerdenkmal, das das Leiden von Lesben zwischen 1933 und 1945 ignoriere, manche sprachen sogar von Verfolgung.
MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?

Albert Eckert vom Initiativkreis für ein Mahnmal wie Günter Dworek, der an diesem Abend für den LSVD eingeladen war, teilten dem über 100köpfigen Publikum mit, es sei ein Kompromiss, mehr noch: eine ästhetische Erweiterung von den beiden Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset entwickelt worden.
Künftig, was als Zeichen der Annährung zu den Kritikern und Kritikerinnen gewertet werden solle, werde der Videoclip alle zwei Jahre ausgetauscht.

(v.l.n.r.) Maren Kroymann und Günter Dworek.
Foto © Burghard Manghöfer


Die Debatte schien mit diesen Statements nur oberflächlich befriedet. Tatsächlich hielt der Zwist bis zum Ende der Soirée – und wohl über sie hinaus – an. Claudia Schoppmann, Historikerin, Maren Kroymann, Schauspielerin wie Mechthild Rawert, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Berlin, teilten unisono mit, dass sie mit dem „Kompromiss“ weder einverstanden noch halbglücklich seinen. Schoppmann wies darauf hin, dass kein Mahnmal jemals historisch korrekt etwas abbilde – und das Lesbische fehle eben. Was Kroymann bekräftigte: Wie die Nationalsozialisten brächte auch dieses Mahnmal homosexuelle Frauen unter der Hand zum Verschwinden. MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?

Klaus Lederer von der mitregierenden Linkspartei in Berlin, war mit der Kritik der Frauen einverstanden und schlug vor, wenigstens auf der Schrifttafel zum Mahnmal das alle queeren Menschen einende hervorzuheben: Dass Schwule zwar mörderisch verfolgt wurden, Lesben sich lediglich zu maskieren brauchten, aber beide, alle von der Fortpflanzungsmoral des NS-Regimes abweichenden Menschen den Verlust der demokratischen Möglichkeiten zu beklagen hätten. Und dieser Verlust sei mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar 1933 besiegelt worden.


(v.l.n.r.) Jan Feddersen, Mechthild Rawert,Claudia Schoppmann,
Albert Eckert, Klaus Lederer.Foto © Burghard Manghöfer

Andreas Pretzel, Historiker, plädierte hingegen für Klarheit. In der Homosexuellenforschung habe man mit vielen Märchen und Missverständnissen aufräumen müssen. Dass die NS-Bewegung eine heimlich homosexuelle gewesen sei; dass es einen Homocaust gegeben habe und schließlich dass auch Lesben mörderisch verfolgt worden seien. Nichts davon sei richtig – ein Mahnmal aber habe das Konkrete zu berücksichtigen, zugleich aber das aktuell Bedürftige, und in dieser Hinsicht gab nicht nur er allein zu bedenken, das Lesbische nicht unter den Tisch fallen zu lassen. MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?


Das Publikum – erstmals mit einem beinah 50prozentigen Anteil von Lesben präsent – nahm rege und engagiert an dieser für die Community empfindsam wichtigen Debatte teil. Auf Fragen an Dworek wie Eckert, wie denn sichergestellt werde, dass wirklich die Clips alle zwei Jahre ausgetauscht werden, erhielt es keine Antwort.


(v.l.n.r.) Andreas Prezel, Maren Kroymann. Foto © Burghard Manghöfer.



Am Ende befürworteten viele, das gesamte Verfahren gänzlich neu aufzurollen – andere, selbst Kritiker des jetzigen, vertraglich bereits zugesicherten Entwurfs, meinten, den Prozess auf den Nullpunkt zu bringen, um ihn besser zu gestalten, scheitere womöglich an den ideologischen wie politischen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag.

Einig war sich das Auditorium wie das Gros des Podiums, dass die Debatte nützlich ist – und sie es bleiben möge. Die MANEO-Soirée hat sich mit diesem hitzigen Disput einmal mehr als wichtigsten Bürgerrechtsforum von Schwulen (wie Lesben) in Berlin profilieren können: Ein Mosaikstein in einem Bewusstsein, dass politische wie gesellschaftliche Aufklärung für die beste Zutat eines gesunden Lifestyles begreift.


Siehe auch:
www.maneo.de/Mahnmal.pdf

www.queer.de/Kein Kompromiss im Denkmalstreit

www.berlin.lsvd.de/Resolution - Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen