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Berlin, 16.10.2009

„Regenbogenkiez“: Gemeinsam mehr erreichen

Im Kiez bewegt sich was: Als Ergebnis eines seit Januar von MANEO angeregten Gesprächsprozesses haben sich zahlreiche Gewerbetreibende (siehe unten) aus dem Kiez zusammengefunden und das gemeinsame Ziel formuliert, die Attraktivität ihres Kiezes zwischen Nollendorfplatz, Winterfeldplatz, Viktoria-Luiseplatz und Wittenbergplatz weiter zu steigern.

Ziel bisheriger Gespräche und Diskussionen war es, Probleme anzugehen und vorhandene Potentiale im „Regenbogenkiez“ stärker zu nutzen. Dazu sollen zukünftig weitere gemeinsame konkrete Maßnahmen angeregt und umgesetzt werden. So hat man sich beispielsweise auf die Unterstützung der weihnachtlichen „Lichterwelt“ verständigt, die bereits im letzten Jahr die Maßenstraße und Winterfeldstraße schmückte. In diesem Jahr soll die von Stef Manzini organisierte Aktion erstmals auch auf einen Teilabschnitt der Motzstraße ausgeweitet werden.
Die Gespräche im Kiez werden fortgesetzt und es werden weitere Treffen stattfinden. MANEO wurde seitens der Akteure die Koordination dieser Treffen übertragen. MANEO wird über weitere Maßnahmen informieren.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke: „Seit Anfang des Jahres mobilisieren wir bereits für mehr Kommunikation zwischen den verschiedensten Akteuren in unserem ‚Regenbogenkiez’, denn in der Vernetzung und den großartigen kreativen Potentialen dieses Kiezes liegt so viel mehr Kraft. Diese müssen wir zukünftig noch stärker nutzen.“

Foto © Stefan Maria Rother. Die „Lichterwelt“ im Kiez am Nollendorfplatz, hier in der Maaßenstraße, Winterfeldstraße, Motzstraße, ist zwischen dem 29.11. und dem 10.01.2010 zu sehen.

„Ich unterstütze diesen Kiez, weil er mir viel Offenheit, Toleranz und Lebensfreude gibt und ich mit der ‚Lichterwelt’ dazu beitragen kann, ihn noch schöner und einzigartiger zu machen.“
Stef Manzini, Schwermetall, Berlin.

„Ich finde diese Kiez klasse, weil sich in den letzten zehn Jahren auch so viel Positives verändert hat“. Oliver Schneider, Heile Welt/More

„Der (Regenbogen)-Kiez Motzstrasse/Nollendorfplatz ist gelebte Großstadt, tolerant und weltoffen. Er hat sich emanzipiert, ist wirtschaftlich stark und ein Magnet für Berliner und Touristen aus aller Welt. Leider spiegelt sich das nicht im städtischen Umfeld wieder, die Bezirkspolitik und - verwaltung hat uns vergessen. Die durchaus selbstbewussten Gewerbetreibenden, die sich auf die Initiative von MANEO zusammengeschlossen haben, fordern daher von der Politik eine Bringschuld ein: Öffentliche Strassen und Plätze müssen attraktiver werden.“
Sigrun Thies und Dirk Spohn, Hotel Sachsenhof.

„Der Kiez ist ein so geschichtsträchtiger Ort. Ich möchte, dass Schwule hier weiter Flagge zeigen und keine Angst haben müssen Ich möchte dazu beitragen, dass der Kiez weiter aufgewertet wird. Ich fühle mich im Kiez richtig wohl.“
Beni Durrer, Visagistenschule, Kosmetik, Friseure, Produkte.


Zu den ersten Gewerbetreibenden im Kiez, die eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben und sich damit für einen toleranten Regenbogenkiez für alle Menschen einsetzen, zählen:

Bruno Gmünder, Centro Delfino, Connection, ebab - Enjoy Bed & Breakfast, Firma Beni Durrer, Ganick Getränkehandel, Hafen, Heile Welt, Hotel Sachsenhof, Hudson Bar Berlin, K6, More, My Style Shop, Praxis Jessen, Prinz Eisenherz, Scheune, Schwermetall, Studentenwohnheim Nollendorfplatz, Toms Bar, Wagner Berlin.

Weitere Unterzeichner sind: Butcherei Lindinger, Elefant, Kiraku Sushi Japan Imbiß, Reizbar, Sissi, Tabasco, Toms Hotel, Timm TV.

Weitere Gewerbe haben bereits angekündigt, sich dieser Initiative anzuschließen.


„Regenbogenkiez“ – Wir leben Toleranz.

Wir, die Unterzeichner, teilen die Vision von einem bunten, weltoffenen Kiez. Wir wollen dazu beitragen, seine Attraktivität als Lebensraum, Arbeitsstätte und als Tourismusmagnet zu stärken und weiter auszubauen. Da diese Attraktivität auf einem von Toleranz geprägten Miteinander gründet, betrachten wir es gleichsam als Aufgabe, Anti-Gewalt- Arbeit im Kiez zu befördern. Um unsere Vision zu konkretisieren, wollen wir uns regelmäßig treffen und daran arbeiten.

Wir, die Unterzeichner, betrachten Vielfalt als Bereicherung, aus der heraus Ideen und Potentiale für unsere Gesellschaft und für unsere Stadt erwachsen, mit denen wir uns eine gemeinsame Zukunft und eine freie, friedliche, gerechte und demokratische Gesellschaft gestalten und schaffen können. Vor dem Hintergrund der Geschichte unseres Landes sowie der damit einhergehenden Verantwortung, treten wir für Menschenrechte und Toleranz in unserer demokratischen Gesellschaft ein. In dem wir regelmäßig dafür einstehen, arbeiten wir an einer gemeinsamen Zukunft in diesem Kiez.

Wir, die Unterzeichner, leben Toleranz und treten ein gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Wir wollen unsere Kräfte zur Gestaltung und Entwicklung eines toleranten, vielfältigen Kiezes zwischen Nollendorfplatz und Wittenbergplatz einen, in dem Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wohnen, arbeiten und leben können – dies im Geiste der Berliner Landesverfassung, die gegenseitige Anerkennung und Achtung unter Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters, unterschiedlicher Kultur, ethnischer Herkunft, Heimat, Glauben, religiöser oder politischer Anschauung sowie sexueller Orientierung erklärt. Ein solcher Kiez steht unter einem Regenbogen. Deshalb verbinden wir unsere Vision von gelebter Toleranz mit einem „Regenbogenkiez“.






Berlin, 31.08.2009

MANEO bekundet Solidarität mit Türkiyemspor.

logo Türkiyemspor Mit Betroffenheit reagiert MANEO auf Presseinformationen, nachdem Mitglieder der Jugendmannschaft von Türkiyemspor, die letzte Woche im Brandenburgischen Lindow (Ostprignitz-Ruppin) ein Trainingslager absolvierten, von mutmaßlich ortsansässigen Jugendlichen rassistisch beleidigt wurden. Die Situation habe sich am letzten Dienstag hochgeschaukelt und dazu geführt, dass mehrere Jugendliche auch noch verletzt wurden, ein Jugendlicher von Türkiyemspor mit einem Baseballschläger erheblich am Bein.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt hierzu in einem heutigen Schreiben an Türkiyemspor:
„Unsere uneingeschränkte Anteilnahme und Solidarität gilt den Opfern von Gewaltverbrechen sowie ihren Familien und Angehörigen.

’Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder seiner sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden’ , so steht es in unserer Berliner Landesverfassung.
Auch die Brandenburgische Landesverfassung besagt: ‚Niemand darf wegen seiner Rasse, Abstammung, Nationalität, Sprache, seines Geschlechts, seiner sexuellen Identität, seiner sozialen Herkunft oder Stellung, seiner Behinderung, seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung bevorzugt oder benachteiligt werden.’

Die Verfassungsziele sind unmissverständlich. Wenn Menschen diskriminiert oder gar Opfer von vorurteilsmotivierter Hassgewalt werden, so muss die Gesellschaft, so müssen wir alle aufstehen und diese Taten klar und deutlich verurteilen. Wir alle sind gefordert, die Verfassungsziele zu verteidigen.

Gemeinsam mit Türkiyemspor sehen wir uns hier solidarisch Seite an Seite. Und es ist gut, dass wir uns hier einander unterstützen.

Aus eigener Erfahrung wissen wir wie wichtig es ist, dass die zuständige Polizei und Staatsan-waltschaft nun erst einmal die Zusammenhänge recherchiert und die Tat in allen Details aufklärt. Wir müssen zuvorderst Vertrauen haben, dass die hierfür zuständige Exekutive dieser Aufgabe uneingeschränkt nachkommt. Wenn dann alle Fakten auf dem Tisch liegen sind wir alle gefordert, Stellung zu beziehen.

Wir bewundern Euer Engagement, wie sehr Ihr Euch im Rahmen Eurer Vereinsarbeit dafür einsetzt, dass Jugendliche nicht vom Wege abkommen, dass Jugendliche nicht Gefahr laufen, ein Weltbild zu entwickeln, das auf Vorurteile und extremistische Ideologien baut. Dabei hilft Aufklärung und Bildung sowie Dialog und Gespräche mit Menschen, zu denen Jugendliche Vertrauen haben, z.B. zu Trainerinnen und Trainern. Ihr seid auf diesem Gebiet sehr erfahren.

So begrüßen wir Euren Vorschlag in Eurer Pressemeldung vom 28.08.09, dass sich in absehbarer Zeit Jugendliche aus Lindow und von Türkiyemspor treffen, sich aussprechen und u.a. Gelegenheit erhalten sollen, sich kennen zu lernen und um Vorurteile abzubauen.

Seit Anbeginn unserer Arbeit machen auch wir uns im Bereich der Jugendarbeit für mehr Aufklärung, Dialog und Gespräch und für ‚Mediation’ bzw. ‚außergerichtliche Konfliktschlichtung’ unter professioneller Anleitung stark. Es geht nie allein um Rechtsfrieden (das Gerichtsurteil), sondern immer auch um den sozialen Frieden zwischen den Akteuren (Versöhnung, Genugtuung). Wir bieten Euch gerne unsere Erfahrungen an, um zu helfen und um mögliche Vorbehalte und Ängste vor einem solchen Gesprächsprozeß abzubauen.

Wir sind noch lange nicht am Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen. Bitte setzt Eure so wichtige Arbeit unbeirrt fort. Darin wollen wir uns gegenseitig weiter beistehen. In uns werdet Ihr stets zuverlässige Partner haben.“






Berlin, 18.08.2009

Stellungsnahme zu Vorwürfen der Manipulation der MANEO-Umfrage

MANEO ist über einen bedenkenswerten journalistischen Stil verwundert, auf den wir jüngst bei einem schwulen Nachrichtenblog gestoßen sind. Hier bildet ein anonymer Mensch die Kulisse für eine Inszenierung des Autors, um Stimmung gegen MANEO zu machen. So etwas passiert leider. Trotzdem hat MANEO hierzu vorsorglich Stellung genommen.

Wir sehen keinen Anlass, einem Gerücht zu glauben, mit dem ein anonymer Mensch behauptet, die letzte MANEO-Umfrage könnte manipuliert worden sein. Der Redakteur des schwulen Nachrichtenblogs beruft sich hier auf eine anonyme Quelle und erklärt kurz darauf selbst: „Einen Beweis für die Manipulation der MANEO-Studie liefert die anonyme Quelle nicht, Rückfragen sind nicht möglich“. Spätestens hier fragt sich doch jeder: Ja, was soll denn das?

Sicher gibt es in jeder Umfrage Leute, die falsche Angaben machen. In vielen Fällen bekommen wir das aber raus, weil sich Widersprüche auftun. Entsprechend wird hier statistisch bereinigt. Darin sind unsere renommierten Soziologen, die unsere Umfrage wissenschaftlich begleitet haben, sehr erfahren. Leute, die versuchen, Umfragen zu manipulieren, sind meist keine guten Fälscher. Angeblich soll es sich auch nicht um eine massenhafte Fälschung der Umfrage gehandelt haben. Wenn Einzelne dennoch gefälscht haben, bleiben das Einzelfälle, die sich angesichts der hohen Beteiligung ohnehin nicht nennenswert auf die Ergebnisse auswirken könnten. Schlimm ist vielmehr ein Gesamteindruck, den der Artikel verbreitet: unsere erfahrenen Soziologen, Mitarbeiter, Unterstützer, Helfer, unser wissenschaftlicher Beirat, das MANEO-Projekt und unser Trägerverein Mann-O-Meter e.V., wären durch Betrüger leicht manipulierbar, dumm und einfach zu instrumentalisieren.

In dem Beitrag wird außerdem erklärt, dass deshalb die MANEO-Umfrage manipuliert worden sei, um mehr Muslime mit dem Vorwurf zu belasten, sie seien homophobe Täter.

Das ist, mit Verlaub, Humbug. Hier arbeitet der Artikelschreiber nicht sauber und konstruiert selbst das Szenario, das er anprangern will. Von Muslimen als Tätergruppe ist weder in der Umfrage noch im Bericht die Rede. In der zweiten MANEO-Umfrage wird zwar ein höherer Anteil an Gewaltbetroffenen im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung festgestellt, es wird jedoch kein Anstieg an Gewalt behauptet, auch nicht ein Anstieg an Gewalt, der Menschen mit Migrationshintergrund zugeordnet werden kann. Der Vergleich geht nicht, weil 1. repräsentative Umfragen in der schwulen Szene bislang gar nicht durchführbar sind und 2. auch ein Vergleich der Zahlen in beiden Umfragen methodisch nicht möglich ist. Darauf gehen wir in unserem Berichte ausführlich und differenziert ein. Ein Anstieg kann zwar stattgefunden haben, aber wir wissen es nicht genau.

Der Autor inszeniert das Problem selbst. Er hätte die Ergebnisse unserer Studien, die wir online veröffentlicht haben, besser lesen sollen.

Auch die Aussage, unsere Erhebung zu antischwuler Gewalt besitze wenig Aussagekraft, baut erneut auf eine selbstgebastelte Konstruktion. Die Aussagekraft, auf die wir uns stets bezogen haben, liegt in der hohen Teilnehmerzahl. Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen sich an der Umfrage beteiligt haben. In diesem Zusammenhang ist es bereits erwähnenswert, wie viele von Vorfällen berichten und wie wenig von diesen Vorfällen angezeigt wurden. Ihre Aussagen haben wir analysiert. Es wurde von unserer Seite aus nie erklärt, dass es sich bei unserer Studie um eine repräsentative Studie handelt. Eine solche ist ja auch gar nicht möglich. Es gibt deswegen ja bislang auch keine und es wird sie vorerst auch nicht geben. Denn dazu müsste Homosexualität ein leicht und eindeutig abgrenzbares Merkmal sein, was es nicht ist. Von daher können wir nur auf eine hohe Beteiligung zielen und darauf unsere Aussagekraft beziehen. Das ist besser als gar keine Umfrage.

Nach dem das nun klar gestellt wurde, werden wir unsere erfolgreiche Arbeit weiter fortsetzen. Wir leisten seit nahezu 20 Jahren qualifizierte Opferhilfe –übrigens waren 30% der Betroffenen, die wir beraten haben, nicht-deutscher Herkunft bzw. mit Migrationshintergrund; sie kamen u.a. aus Serbien, Rumänien, Türkei, Jemen, Marokko, Israel, Libanon, Pakistan usw. –, wir registrieren homophobe Übergriffe, die sich in Berlin und im Umlang ereignet haben, wir leisten Gewaltprävention und Aufklärung, weiter auch mit der Polizei, und wir mobilisieren gegen vorurteilsmotivierte homophobe Hassgewalt.

Mit unserer Projektarbeit stehen wir gegen jede Form von vorurteilsmotivierter Hassgewalt. In unserer Arbeit werden wir von starken demokratischen Bündnispartnern unterstützt, aus allen gesellschaftlichen Gruppen, ob in Berlin, in Deutschland, in Europa, in Israel, in den USA, international.






Berlin, 08.08.2009

MANEO organisiert Mahnwache in Berlin

Europaweite Anteilnahme mit den Opfer von Tel Aviv

Europaweit bekunden Tausende Menschen ihre Solidarität und Anteilnahme mit den Opfern des Anschlages auf ein Zentrum für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle und Transgender in Tel Aviv. 70.000 Menschen demonstrierten am Abend allein in Tel Aviv. Mahnwachen fanden zeitgleich in Berlin, Paris, Warschau, Danzig, Krakau, Madrid, Budapest, Bern, Zürich und Rom statt sowie an vielen weiteren Orten in der Welt. An der Berliner Mahnwache, die von MANEO am Nollendorfplatz vor dem Mann-O-Meter organisiert worden war, beteiligten sich am Abend etwa 60 Menschen. Viele weitere Besucher kamen später hinzu und trugen sich in das ausgelegte Kondolenzbuch ein.

Foto:08.08.2009. Mahnwache vor dem Mann-O-Meter am Nollendorfplatz in Berlin

In Tel Aviv war am Samstagabend, um 20:30 Uhr Ortszeit, mit einer Großdemonstration der Opfer des Anschlages vom 1. August gedacht worden. Die Veranstalter sprachen am Abend von etwa 70.000 Teilnehmern, darunter auch Israels Präsident Shimon Peres und Künstler wie Dana International und Ivri Lider. Überlebende des Anschlages sowie Angehörige berichteten von den schrecklichen Folgen, die der Anschlag für sie hinterlassen hat.

„Eure Anteilnahme und Unterstützung bewegt die lesbisch-schwulen Szenen in Israel. Die Einstellungen der israelischen Gesellschaft gegenüber Lesben, Schwulen und Transgender hat sich mit diesem schrecklichen Ereignis verändert. Parteiübergreifend und landesweit wird der Anschlag verurteilt“, so Adir Steiner, Koordinator für LGBT-Events beim Bürgermeister von Tel Aviv.

Wie berichtet hatte eine vermummte Person am Abend des 1. August die Kellerräume der „Gay and Lesbian Association“ (Agudah) betreten und mit einem Sturmgewehr auf die sich dort aufhaltenden Menschen geschossen. Zwei Menschen, ein 16-jähriges Mädchen und ein 26-jähriger Gruppenleiter, waren sofort tot, mindestens 15 weitere Menschen wurden verletzt. Bisher konnte die Tat noch nicht aufgeklärt werden. Weiterhin fahndet die Polizei nach dem Täter.

„Der Mordanschlag auf das schwullesbische Jugendzentrum in Tel Aviv erschüttert mich tief. Im Namen der Berlinerinnen und Berliner bekunde ich der Stadt Tel Aviv sowie den Angehörigen und Freunden der Mordopfer mein tief empfundenes Mitgefühl“, so Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin.

„Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Betroffenen, Angehörigen und Freunden, sowie den lesbisch-schwulen Szenen in Israel, die sich derzeit in Angst und Verunsicherung befinden. Wir werden Kerzen anzünden und schweigend der Opfer dieses schrecklichen Überfalls gedenken.“ Bastian Finke, MANEO-Projektleiter.

„Jede Form von Gewalt muss Protest in zivilisierten Gesellschaften hervorrufen. Wir möchten unsere Solidarität mit den LGBT-Communities in Israel zum Ausdruck bringen, die unter dem schrecklichen Angriff von letzter Woche leideen. Unseren Freunden in Israel möchten wir zurufen: Die LGBT-Communities in Polen teilen Eure Trauer und stehen an Eurer Seite“, so Krzysiek Kliszczynski, Vorstandsvorsitzender von Lambda-Warschau.

„Das Centre LGBT (Schwulen-Lesben-Bi-und Transsexuelle-Zentrum) von Paris und dessen zugehörige Organisationen, die Dachverbände Inter-LGBT, die 50 französische Verbände und Organisationen vereinigt, und die Fédération LGBT und viele weitere Organisationen in Frankreich sind nach dem Anschlag am letzten Samstag gegen das LGBT Zentrum von Tel Aviv erschüttert und tief gerührt. In solchen tragischen Stunden sprechen wir den Familien und Angehörigen der Opfer unser Beileid aus und sichern dem LGBT Zentrum von Tel Aviv volle Unterstützung zu. Wir drücken Allen, die diese tragischen Ereignisse betreffen, unser Mitgefühl aus. Wir stehen an Eurer Seite.“

“Wir dürfen diese homophoben Angriffe nicht ignorieren. Diesmal war es in Tel-Aviv. Was folgt danach? Wir bemühen uns, eine soziale und gesetzliche Verpflichtung zu erwirken, gleichermaßen auf sozialer und internationaler Ebene, um Homophobie in jedem Bereich zu verbannen, damit diese Art von Verbrechen nie wieder geschehen können.” Miguel Ángel González Merino, Vorstandsvorsitzender von COGAM.

„Die Gewalttat gegen Aktivisten des LGBT-Zentrums „Agudah“ trifft die gesamte LGBTCommunity in Rom sehr. Wir bekunden unsere Anteilnahme und unsere Solidarität gegenüber der LGBT-Community in Israel und gegenüber unseren Freunden von Agudah.” Fabrizio Marrazzo, Vorstandsvorsitzender von Arcigay Roma.

“Wir in der Schweiz möchten unsere aufrichtige Anteilnahme zeigen und auch mit unserer Mahnwache in Zürich ein Zeichen setzen.“ Uwe Splittdorf, Projektleiter von Pink Cross Schweiz.






Berlin, 03.08.2009

Europaweite Mahnwachen für die Opfer des Anschlages in Tel Aviv

MANEO organisiert Berliner Mahnwache

Schwullesbische Organisationen in Israel rufen für Samstag, 8. August, 20:30 Uhr (Ortszeit Israel), zu einer Demonstration in Tel Aviv auf. Anlass ist der feige Mordanschlag auf Besucher eines Treffpunktes für Schwule und Lesben vom vergangenen Samstag.

„Wir sind erschüttert. Wir zeigen europaweite Solidarität. Darum organisieren wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Frankreich, Polen und Spanien zeitgleich Mahnwachen“, so Bastian Finke, MANEO-Projektleiter.

Die Berliner Mahnwache findet statt:
08.08.09, 19:30 Uhr (Ortszeit Berlin)
am Nollendorfplatz
vor dem Mann-O-Meter.

Der gemeinsamen Initiative wollen sich weitere Organisationen und Gruppen in Irland, der Schweiz und Ungarn anschließen.

„Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Betroffenen, Angehörigen und Freunden, sowie den lesbisch-schwulen Szenen in Israel, die sich derzeit in Angst und Verunsicherung befinden. Wir werden Kerzen anzünden und schweigend der Opfer dieses schrecklichen Überfalls gedenken“, so Bastian Finke, MANEO-Projektleiter.

Wie berichtet hatte eine vermummte Person am Samstag Abend die Kellerräume der „Gay and Lesbian Association (AGUDA) betreten und mit einem Sturmgewehr auf die dort sich aufhaltenden Menschen geschossen. Ein 16-jähriges Mädchen und ein 26-jähriger Gruppenleiter waren sofort tot, mindestens 15 weitere Menschen wurden verletzt, teilweise lebensgefährlich. Nach der Tat soll der Täter noch versucht haben, das benachbarte „Café Noir“ anzugreifen, wurde daran jedoch von Wachposten gehindert. Auch wenn die Tat noch nicht aufgeklärt ist und der Täter bislang nicht ermittelt werden konnte, gehen Szene- aktivisten weiterhin davon aus, dass es sich bei dem Anschlag um ein Hassverbrechen gegen die schwullesbische Szene gehandelt habe.

MANEO hat sich, auch stellvertretend für seine europäischen Partnerorganisationen, mit den Organisatoren der Demonstration in Tel Aviv abgesprochen. Adir Steiner, Koordinator für LGBT-Events beim Bürgermeister von Tel Aviv: „Unsere Demonstration wird unter der Überschrift stehen: ’Continuing with Pride – für Toleranz, für Unterstützung der lesbischschwulen Community und in Gedenken and die Opfer’. Euer Beitrag ist für uns eine großartige Unterstützung.“






Berlin, 19.05.2009

Berlins 3. MANEO Kuss-Marathon

Protect Every Kiss

Berlins 3. MANEO Kuss-Marathon

Zum dritten Mal fand anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie am 17. Mai der MANEO Kuss-Marathon in Berlin statt. 100 Teilnehmer, unter ihnen zahlreiche Politiker, versammelten sich am Homomahnmal im Tiergarten, das in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Anschlägen gewesen war.

Mit der Aktion wurde in Berlin ein weiteres Zeichen gegen Homophobie und für mehr Toleranz gesetzt. Die Demonstration am Homomahnmal blieb von den jüngsten Ereignissen am Rande des Eurovison Song Contest in Moskau nicht unberührt.
Berlins 3. MANEO Kuss-Marathon MANEO Kussmarathon „Protect every Kiss“. Zeichen setzen gegen Hopmophobie und Hassgewalt: Küssen vor dem Homomahnmal. Foto. B. Mannhöfer
In der Vergangenheit hatten wiederholt Übergriffe gegen Schwule und Lesben die Öffentlichkeit in Berlin alarmiert. Um ein deutliches Signal für ein tolerantes Berlin zu setzen, hatte MANEO bereits in den letzten vier Wochen mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen geworben. Unter das gemeinsame Motto „Kiss Kiss Berlin – Powered by People for Tolerance“ hatten bedeutende Partyveranstalter wie Berghain, GMF, Propaganda, SchwuZ, Connection und Kit Kat Club ihre Veranstaltungen gestellt.

Vorläufiger Höhepunkt war die Verleihung der diesjährigen europäischen Tolerantia- Preise und MANEOAwards „Engagement setzt Zeichen“ am 30. April in Berlin. Den Abschluss bildete nun am 17. Mai der MANEO Kuss-Marathon „Protectevery Kiss“ am Homomahnmal.

Unter den 100 Teilnehmern waren u.a. Vertreter des LSVD, der Berliner Landesvorsitzende der Links-Partei Klaus Lederer, die lesben- und frauenpolitische Sprecherin der Bündnis-Grünen im Abgeordnetenhaus, Anja Kofbinger, sowie der schwulenpolitische Sprecher der Grünen, Thomas Birk, und der Bundesvorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union, Reinhard Thole. Die Landes-SPD, die aufgrund ihres Landesparteitages nicht anwesend sein konnte, schickte ein Grußwort und ihre Unterstützung.
Berlins 3. MANEO Kuss-Marathon Von links nach rechts: Bastian Finke, MANEO-Projektleiter, Klaus Lederer, Landesvorsitzender der Berliner Linkspartei, Thomas Birk, Schwulen- politischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, im Berlin, Abgeordnetenhaus. Foto: B. Mannhöfer
Klaus Lederer erinnerte in seiner Ansprache, dass nach den jüngsten Beschlüssen im Berliner Abgeordnetenhaus weitere Anstrengungen erforderlich sind, um die gesetzten Zeile umzusetzen. „Mit der rechtlichen Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Identität und Orientierung sowie mit der Berliner Initiative zur Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt ist das rot-rote Berlin führend bei der Bekämpfung von Diskriminierungen. Aber dieser Kampf ist eine Daueraufgabe, der wir uns auch weiterhin zu stellen haben und stellen werden, vor allem im gesellschaftlichen Raum.“

Thomas Birk, schwulenpolitischer Sprecher der Bündnis-Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus erklärte: „Trotz aller mutwilligen Beschädigungen der Scheibe zum Video mit der Kusssequenz im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, die Männer küssen sich weiter. Wir werden die nächsten Jahre gemeinsam heftig dafür kämpfen müssen, dass der Beschluss des Abgeordnetenhauses gegen Homophobie und Transphobie mit Leben gefüllt wird.“

Reinhard Thole, Bundesvorsitzender der LSU Deutschland, erinnerte daran, dass nach wie vor in über 70 Ländern dieser Welt Homosexualität noch unter Strafe steht, in 10 Ländern sogar unter Todesstrafe. Trotz großer Fortschritte in der rechtlichen Gleichstellung von Schwulen und Lesben sind nach wie vor homophobe Übergriffe zu beklagen. Er kündigte an, dass sich die LSU verstärkt für die Anerkennung des Internationalen Tag gegen Homophobie in Deutschland einsetzen werde.

Bastian Finke, MANEO-Projektleiter, erinnerte in seiner Rede daran, dass neben den notwendigen langfristigen Strategien zur Verbesserung gesellschaftlicher Aufklärung auch kurzfristige Anstrengungen bei der Sicherstellung von Opferhilfeangeboten erforderlich sind. Denn Übergriffe verunsicherten viele Schwule und Lesben. Er machte auf das Problem aufmerksam, dass mit dem jüngst verabschiedeten Aktionsplan gegen Homophobie im Abgeordnetenhaus dessen Finanzierbarkeit weiterhin ungeklärt sei.

Projekte wie MANEO können schon jetzt die eigene Arbeit mit den zur Verfügung gestellten Mitteln kaum bewältigen. Eine zusätzliche Begleitung von Arbeitskreisen ist darum ohne personelle Aufstockung nicht möglich – es sei denn, die eigentliche Arbeit wird vernachlässigt. Die Senatsverwaltung muss sich entscheiden: Mit der knappen Personaldecke sind die Wünsche der Verwaltung nicht zu erfüllen.

Die Demonstration am Homomahnmal blieb von den jüngsten Ereignissen, die sich tags zuvor am Rande des Eurovison Song Contest in Moskau zugetragen hatten, nicht unberührt. Die Moskauer Miliz war mit großer Brutalität gegen Teilnehmer einer geplanten CSD-Veranstaltung vorgegangen, die von der Moskauer Stadtverwaltung nicht genehmigt worden war. Leider blieben sichtbare Zeichen der Solidarität unter den Teilnehmern, gerade auch unter den mitwirkenden Künstlern und Offiziellen des Contest aus. „Dieses Stillhalten hat uns peinlich berührt“, so Bastian Finke. „Respekt vor Thomas Anders und Gildo Horn, die in der ARD-Auftakt-Show in Hamburg bemüht waren, auf das brutale Vorgehen der Moskauer Miliz einzugehen“.

In Berlin versammelten sich bereits am Sonntag auf einer von den Berliner Bündnis-Grünen spontan angemeldeten Protestkundgebung vor der russischen Botschaft etwa 80 Menschen.






Berlin, den 09.05.2009

Küsse gegen Hass und Gewalt

Kiss-In vor Schöneberger Eisdiele "Dolce Freddo"

MANEO begrüßt die kreative Energie, mit der in Berlin gegen Homophobie und Hassgewalt mobilisiert wird.

Die vor allem über Online-Netzwerke verbreitete Idee, heute mit einem friedlichen Kiss-In vor der Schöneberger Eisdiele "Dolce Freddo" ein Zeichen gegen Homophobie setzen zu wollen, zeugt von Engagement und Identifikation mit einer toleranten Stadt Berlin. Und das ist gut so.

Wiederholt soll der Inhaber der Eisdiele mitten im Schöneberger Kiez Homosexuelle beleidigt und des Ladens verwiesen haben. Mindestens zwei Strafverfahren richten sich in diesem Zusammenhang gegen den Inhaber. Im Zuge des sich formierenden Protestes, der mit besagtem friedlichen Kiss-In am morgigen Samstag ausgedrückt werden soll, geriet jedoch fälschlicherweise auch die benachbarte Pizzeria "Dolce Pizza" in den Blickpunkt, obschon diese mit der Eisdiele "Dolce Freddo" nichts zu tun hat. Wie der heutige Tagesspiegel berichtet, sollen Hass-Emails verschickt worden seien, die eben auch den Ladeninhaber von „Dolce Pizza“ erreicht haben.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: "Ein kreativer und besonnener Protest erreicht das Ziel, gilt es doch, Ausgrenzung, Diskriminierung und Hassgewalt gegen Homosexuelle als völlig inakzeptabel öffentlich vorzuführen und gleichsam für ein soziales und tolerantes Berlin einzustehen. Dafür lohnt es sich, Gesicht zu zeigen!"


Der Tagesspiegel berichtete:

am 05.05.09: www.tagesspiegel.de

am 06.05.09: www.tagesspiegel.de

am 08.05.09: www.tagesspiegel.de

Weiter geküsst wird am Internationalen Tag gegen Homophobie: „Protect every Kiss“, 17. Mai, um 12 Uhr, am Homomahnmal im Tiergarten – ein Ort, der in der Vergangenheit wiederholt geschändet worden war.






Berlin, 04.05.2009

Engagement setzt Zeichen:

MANEO-Award und Tolerantia-Preis in Berlin vergeben

Am vergangenen Donnerstag wurden in Berlin die europäischen Tolerantia-Preise 2009 nach Deutschland, Frankreich, Polen und Spanien vergeben. Zudem verlieh MANEO erstmals seinen Deutschland-Preis: Der MANEO-Award 2009 ging an Türkiyemspor Berlin e.V. 1978 und an den Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch. Zu den Gratulanten zählten der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit, der SPD-Vorsitzende Klaus Müntefering und die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Claudia Roth.

gruppenbild preisverleihung





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Die Preisträger der Tolerantia-Preise und MANEO-Awards 2009 gemeinsam mit Künstlern und Mitarbeitern, im Berliner „Berghain“ am 30.04.2009. Foto © B. Mannhöfer.

Ausgezeichnet: Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt

Am vergangenen Donnerstag, den 30. April 2009, war MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt- Projekt, Gastgeber der diesjährigen Verleihungsfeier des europäischen Tolerantia-Preises. Mit dem Tolerantia-Preis ehrt die „Berlin Alliance Against Homophobia“, eine deutsch-französisch- polnisch-spanischen Initiativgruppe, herausragendes Engagement im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in Europa. Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der vier Hauptstädte statt; nach Warschau im Vorjahr nun wieder in Berlin. Dem Bündnis schwuler und schwullesbischer Anti-Gewalt-Projekte in Europa, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen, gehören neben MANEO (Deutschland), SOS-Homophobie (Frankreich), Lambda-Warschau und KPH (Polen) seit 2008 auch COGAM (Spanien) an; Grundlage ist die gemeinsam unterzeichnete „Toleranjca-Erklärung“. Als Ausdruck dieses Bündnisses und in Anerkennung von beispielhaften Leistungen wird der Gemeinschaftspreis, eine Skulptur mit vier Segeln, seit 2006 an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus den Mitgliedsländern vergeben.

Unter den 300 geladenen Gästen waren zahlreiche Repräsentanten aus Paris, Warschau und Madrid, die anlässlich der Preisvergabe eigens nach Berlin gereist waren, darunter Krzysztof Kliszczynski, Vorsitzender von Lambda-Warschau und Bart Palik von der KPH aus Polen, die zusätzlich von Adam Bodnar von der „Helsinki-Foundation for Human Rights“ begleitet wurden, sowie Jacques Lizé, Vorsitzender von SOS-Homophobie in Paris, und der Vorsitzender Miguel- Angel Fernandez von COGAM aus Madrid, der neben weiteren Mitarbeitern auch vom Maderider Stadtratsabgeordneten Pedro González Zerolo (PS) begleitet worden war. Mit großem Aufgebot war schließlich auch der Fußballverein Türkiyemspor Berlin e.V. vertreten, der mit Vorstandsmitgliedern, Cheftrainern und einem ganzen Fußballteam eingetroffen waren.

Neben zahlreichen Vertretern der Berliner Communities fehlte es auch nicht an politischer Aufmerksamkeit. Björn Böhning, Mitglied des SPD-Parteivorstandes, überbrachte Grüße des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, der leider nicht persönlich an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte: „Ich grüße die internationalen Gäste, die zum MANEO Benefiz-Event nach Berlin gekommen sind, um hier mit dabei zu sein, wenn herausragendes Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt heute Abend hier im Berghain mit dem MANEO-Award und dem Tolerantia- Preis ausgezeichnet wird.“

Ebenso gratulierte die Bundesvorsitzende der Bündnis-Grünen im Bundestag Claudia Roth den Preisträgern: „Aus der Ferne und dennoch von ganzem Herzen gratuliere ich den diesjährigen Preisträgern der MANEO-Awards und der Tolerantia-Preise. Sie alle engagieren sich in ihrem direkten Lebensumfeld – ob an ihrem Arbeitsplatz, im Fußballverein, in ihren Organisationen oder Parteien – gegen Homophobie und Gewalt, setzen Zeichen und handeln vorbildlich für uns alle.“

Unter den Gratulanten war auch SPD-Chef Franz Müntefering: „Die Freiheit und die unterschiedlichen Fähigkeiten eines Jeden bereichern unsere Gesellschaft. Deshalb braucht es im demokratischen Zusammenleben immer Toleranz und Respekt füreinander – ob in der Politik, der Familie oder im Sport, beim Fußball sowieso“, so Müntefering. „Um so wichtiger ist es, dass Menschen einander auf gleicher Augenhöhe begegnen.“ Müntefering gratulierte seinem Verein Türkiyemspor Berlin e.V. 1978 auf das Herzlichste zum MANEO-Award.

Die Auszeichnung des MANEO-Awards für Türkiyemspor Berlin e.V. 1978 nahm die Vorstandsvorsitzende Frau Dr. Susam Dündar-Isik entgegen: „Man muss es immer wieder laut sagen: Schwule, Lesben, Bisexuelle sind Teil unserer Gesellschaft, das kann niemand ernsthaft leugnen. Für uns ist jeder einzelne Mensch ein Wunder der Natur. Diese Vielfalt der Menschen – und damit jeder einzelne – muss darum vor Diskriminierung geschützt werden.“ Weiter erklärte sie in ihrer Dankesrede: „Die heutige Verleihung des „MANEO Deutschland-Preises ‚Engagement setzt Zeichen’“ ist auf der einen Seite eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Der Preis ist auf der anderen Seite ein Ansporn, die Diskussionen und das Engagement weiterzuführen.“ Türkiyemspor engagiert sich seit Jahren gegen Gewalt und für Akzeptanz von Minderheiten, so explizit auch für Homosexuelle. In ihrem Fußballverein, so erklärte kürzlich der Vorstand, sind Lesben und Schwule ganz selbstverständlich willkommen. Seit Jahren kooperiert der Verein mit den schwullesbischen Respect Gaymes. maneoAward preisverleihung MANEO-Awards 2009:
1. Männermannschaft der Nordregionalliga von Türkiyemspor Berlin e.V. 1978 mit Vorstand Dr. Susam Dündar-Isik (Mitte) Foto © B. Mannhöfer.
Da der Polizeipräsident Dieter Glietsch aufgrund der vorabendlichen Feierlichkeiten zum 1. Mai in Berlin verhindert war, nahmen der Ansprechpartner und die Ansprechpartnerin der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Uwe Löher und Maria Tischbier, den MANEO-Award stellvertretend entgegen: „Der Polizeipräsident bedankt sich für den Preis, auch wenn er seinen Beitrag, der hier gewürdigt wird, als selbstverständlich betrachtet.“ Der Polizeipräsident hatte im Juni 2008 erstmals die Regenbogenflagge vor dem Polizeipräsidium gehisst und dafür zahlreiche homophobe Äußerungen einiger seiner Mitarbeiter zur Kenntnis nehmen müssen. Dieses Problem machte er anschließend zur Chefsache und suchte das Persönliche Gespräch mit den betreffenden Polizeibeamten. „Es gibt ohne Zweifel noch viel zu tun in unserer Gesellschaft, um Lesben und Schwulen ein diskriminierungs- und gewaltfreies Leben zu garantieren“, so Glietsch in seiner Danksagung. maneoAward preisverleihung MANEO-Awards:
Üwe Löher (r.) und Maria Tischbier (2.v.r.) nehmen den MANEO-Deutschlandpreis für Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch entgegen. Foto @ B. Mannhöfer.


Ein weiterer Höhepunkt bildete anschließend die Vergabe der diesjährigen Tolerantia-Preise.
Ausgezeichnet wurde unter anderem Professor Zbigniew Holda. Lambda-Warschau-Vorsitzender Krzysztof Kliszczynski würdigte noch einmal dessen herausragendes Engagement in Polen. Da Professor Holda aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen konnte, nahm den Preis seine Tochter Katarzyna Holda entgegen. „Es berührt mich sehr, dass ich den diesjährigen europäischen Tolerantia-Preis erhalte. Ich möchte mich auf diesem Wege für diese hohe Auszeichnung herzlich bedanken,“ hatte er durch seine schriftliche Danksagung wissen lassen. „Mein Vater nimmt diesen Preis nicht nur persönlich sondern auch im Namen aller Mitstreiter der Helsinki Stiftung für Menschenrechte entgegen, die dazu beigetragen haben, dass wir universelle Rechte, eben auch Menschenrechte für Schwule und Lesben in Polen verteidigt haben“.

tolerantia preisverleihung Tolerantia-Preise 2009: Aus Warschau Katarzyna Holda, Tochter von Professor Holder, und Adam Bodnar, Helsinki Stiftung für Menschenrechte in Polen, im Bild gemeinsam mit Vertretern von Lambda-Warschau und KPH in Polen. Foto © B.Mannhöfer.
Jacques Lize, Vorsitzender von SOS-Homophobie Frankreich, überreichte den Tolerantia-Preis an die Vorstandsmitglieder des Sportvereins „Paris Foot Gay“, Régis Dugué und Pascal Brethes. Er würdigte ihre bisherige Arbeit und die besondere Vorbildfunktion im französischen Sport. In diesem Sinne unterstrichen beide Vertreter des Sportvereins noch einmal, dass sich ihr Engagement nicht nur auf den Fußball beschränkt, sondern dass sie mit vielen weiteren Sportdisziplinen, die sie anbieten, die Einstellungen gegenüber Homosexuellen und Homosexualität im Breitensport grundsätzlich verändern wollen. Denn: Noch immer findet hier viel Ausgrenzung statt. Vorhandene Potentiale unter schwulen und lesbischen Sportlern würden nicht unterstützt. Der Preis an den ehemaligen französischen Nationalspieler Vikash Dhorasoo, der Schirmherr von Paris Foot Gay ist, wird zu einem späteren Zeitpunkt in Frankreich übergeben.

tolerantia preisverleihung Tolerantia-Preis 2009. Aus Paris angereist: Jacques Lizé, Vorsitzender von SOS-Homophobie Frankreich (Mitte), mit Régis Dugué und Pascal Brethes von „Paris Foot Gay“ (r.) und MANEO-Projektleiter Bastian Finke (r.). Foto: © B. Mannhöfer.
Der Tolerantia-Preis in Deutschland ging an den engagierten Bremer Lehrer und Demokratie- pädagogen Hans-Wolfram Stein, der von drei Schülerinnen des Bremer Schulzentrums Walliser Straße nach Berlin begleitet worden war. MANEO-Projektleiter Bastian Finke betonte, dass er deshalb mit dem Preis geehrt wird, weil Hans-Wolfram Stein nicht nur mit Schülern diskutiert, sondern die gesamte Schule in einen Prozess hineingeführt hat, der letztendlich dazu beigetragen hat, dass sich Einstellungen gegenüber Homosexuellen und Homosexualität an seiner Schule geändert haben. Hans-Wolfram Stein bedankte sich für den europäischen Preis, den er nicht nur als Preis für sich, sondern als Preis für alle seine Schüler annehmen möchte, die sich gemeinsam mit ihm engagiert haben.

tolerantia preisverleihung MANEO-Awards 2009. Hans-Wolfram Stein (2.v.l.) mit Ehefrau (2.v.r.), begleitet von zwei Schülerinnen des Bremer Schulzentrums Walliser Straße. Foto © B. Mannhöfer.
Miguel-Angel Fernandez von COGAM überreichte anschließend den Tolerantia-Preis an den spanischen Professor Juan Fernando López Aguilar, der aus terminlichen Gründen verhindert war. An seiner statt nahm den Preis Pedro González Zerolo, Madrider Stadtratsmitglied, entgegen. Gewürdigt wurde Professor Juan Fernando López Aguilar für ein Lebenswerk. „Mit Hilfe seines Einsatzes war es gelungen, das spanische Bürgerliche Gesetzbuch so zu ändern, dass nunmehr Ehen in Spanien nicht mehr zwischen Frau und Mann, sondern zwischen erwachsenen Menschen geschlossen werden, egal ob zwischen Frauen, Männern, Frau und Mann, Transsexuellen, Transgender“. Pedro González Zerolo betonte ins einer Dankesrede, dass diese Leistung vor dem Hintergrund einer sozialistischen Regierung erbracht wurde. Er sieht mit großer Freude, dass sich gerade auch unter der Führung eines sozialdemokratischen Bürgermeisters in Berlin in der letzten Zeit so viel auch für Lesben und Schwule in dieser Stadt getan habe. Es sei für ihn eine große Ehre, den Tolerantia-Preis für seinen Freund Professor Juan Fernando López Aguilar entgegenzunehmen und ihn nach Madrid zu bringen.

tolerantia preisverleihung Tolerantia-Preise 2009. Aus Madrid angereist: Madrids Stadtrats- abgeordneter Pedro González Zerolo (2.v.l.) und COGAM-Vorstandsmitglieder Juan Fernando López Aguilar (r.) und Raúl García, (l.), im Bild gemeinsam mit Klaus Böhning, Mitglied des SPD-Partei- vorstandes (2.v.r.), der Grüße von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit überbrachte. Foto © B. Mannhöfer.
Die Preisverleihungsfeier wurde von einem exklusiven musikalischen Rahmenprogramm begleitet, von dem alle Gäste begeistert waren. Teenager im Alter zwischen 10 und 14 Jahren vom Mossestift präsentierten einen selbstverfassten Song mit dem Titel „Homo oder Hetero – ist das denn wichtig“; der 17-jährige Flo, der kürzlich vom Wettbewerb „Rap’n Respect“ von „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet worden war, rappte gegen Ausgrenzung und Gewalt; das „Staatsministerium für Tuntensicherheit in ganz Europa UND in Ostdeutschland“ sang den „Tuntenrapp“ und wartete mit einem gänzlich neuen Stil – dem Transistor-Rapp – auf, und Nico Hartung hatte mit seinem Song „Kiss Kiss Berlin“ das Motto der Benefiz- Reihe von MANEO aufgegriffen und daraus ein eigenen Song verfasst.
tolerantia preisverleihung

Viel Beifall für die Kinder des Mossestifts, die ihren selbstgeschriebenen Song präsentierten: „Homo oder Hetero – das ist doch nicht wichtig“. Foto © B. Mannhöfer.




tolerantia preisverleihung
Die Preisverleihungsveranstaltung wurde observiert und musikalisch begleitet von der TunSi, dem „Staatsministerium für Tuntensicherheit in ganz Europa UND in Ostdeutschland“. Foto © B. Mannhöfer.








MANEO-Projektleiter Bastian Finke, der durch den Abend führte, bedankte sich für die großartige Unterstützung, die MANEO in diesem Jahr von vielen Partyveranstaltern in Berlin für seine Benefizreihe erhalten hatte.

Mit zahlreichen Veranstaltungen, die alle unter dem Motto „Kiss Kiss Berlin – Powered by People for Tolerance“ gestanden hatten, waren insgesamt rund € 1.500,- für die Anti-Gewalt-Arbeit von MANEO gesammelt worden. Darüber hinaus haben viele Unterstützer und Partner dazu beigetragen, dass die Preisveranstaltung kurzfristig ins Berghain verlegt und hier stattfinden konnte.

Finke: „Vier Wochen nach dem offiziellen Ende der MANEO-Toleranzkampagne war dies noch mal ein großartiger Schlussakkord, der gezeigt hat: MANEO macht mobil, und das nachhaltig! Die breite Resonanz allein in den ersten Monaten dieses noch recht jungen Jahres lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Schon jetzt werden wir gefragt: Tolle Sache, kann ich 2010 mitmachen? Ich sage nur: Aber sicher, auch nächstes Jahr wird es wieder heißen: Kiss Kiss Berlin!“






Internationaler Tag gegen Homophobie 17. Mai 2009:

3. MANEO Kuss-Marathon protect every kiss

plakat_protectkiss Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie am 17. Mai 2009 veranstaltet MANEO den 3. MANEO Kuss-Marathon. Die Aktion findet in diesem Jahr am Berliner Homomahnmal im Tiergarten statt.

protect every kiss – Berlin küsst mit.
Wann: 17. Mai 2009, 12:00 Uhr
Wo: Am „Homomahnmal“, in Berlin-Tiergarten
(Ebertstraße, gegenüber dem Holocaust-Mahnmal,
3 Min. vom U-/S-Bahnhof Potsdamer Platz)

Weltweit wird der 17. Mai als Internationaler Tag gegen Homophobie gefeiert wird, nachdem an diesem Tag im Jahre 1990 die Generalversammlung der WHO längst Überfälliges beschloss: Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen.

„Nach den wiederholen Anschlägen auf das Homomahnmal im Tiergarten wollen wir an diesem Ort ein sichtbares Zeichen gegen anhaltende Ausgrenzungplakat_protectkiss und Hassgewalt gegen Homosexuelle setzen,“ so MANEO-Projektleiter Bastian Finke. „Schwule und Lesben, die sich in der Öffentlichkeit küssen, sind immer wieder Zielscheibe von Beleidigung, Bedrohung und körperlichen Angriffen. Dies wollen wir nicht akzeptieren. Der Kuss drückt Liebe und Zuneigung aus. Wir rufen dazu auf, den Kuss zu schützen. Denn Toleranz ist unsere Zukunft.“

Mit dem 3. MANEO Kuss-Marathon sucht MANEO – wie bereits in den beiden Jahren zuvor – gezielt Orte auf, die „kein leichtes Pflaster“ für sich offen zeigende Schwule und Lesben darstellen. Mit einem Kuss zeigen die Teilnehmenden Präsenz und setzen ein Zeichen. Zu der Veranstaltung sind sowohl Homosexuelle wie auch Heterosexuielle eingeladen.

Jährlich mobilisiert MANEO rund um den 17. Mai mit zahlreichen Aktionen gegen Homophobie und Hassgewalt. Mehr hierzu: www.tag-gegen-homophobie.de






MANEO-Award GrafikMANEO-Award und Tolerantia-Preis

Stellungnahmen der Preisträger

MANEO-Award – der Deutschlandpreis

Die Preisträger: Infos zu den Preisträgern → siehe weiter unten
Türkiyemspor Berlin 1978 e.V.
Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch



Dr. Susam Dündar-Isik
Vorstand, Pressesprecherin Türkiyemspor Berlin 1978 e.V.

Ich lebe erst seit 13 Jahren in Berlin. Davor habe ich in viele anderen Städten in Europa gelebt.

Berlin hat mich besonders fasziniert. Es gibt hier ein lebendiges multikulturelles Zusammenleben. Ich habe hier Toleranz und Akzeptanz erfahren, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht. Das hat mich sehr beeindruckt.

Was bedeutet gelebte Toleranz? Es bedeutet, dass eine Gesellschaft ihren Minderheiten Chancen und Teilhabe einräumt. Es bedeutet Achtung und Respekt. Es bedeutet, dass Diskriminierung von Minderheiten geächtet wird. Es bedeutet, dass Migranten, Migrantinnen, Schwule und Lesben von der Mehrheit anerkannt werden.

Man muss es immer wieder laut sagen: Schwule, Lesben, Bisexuelle sind Teil unserer Gesellschaft, das kann niemand ernsthaft leugnen. Für uns ist jeder einzelne Mensch ein Wunder der Natur. Diese Vielfalt der Menschen – und damit jeder einzelne - muss darum vor Diskriminierung geschützt

Wir bei Türkiyemspor begreifen uns als Berliner Fußballverein, sind aber gleichzeitig natürlich auch ein deutscher und europäischer Verein. In unserem Verein spielen Menschen aus 25 Nationen mit. Wir sind Teil dieser Gesellschaft und stellen uns darum auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Ein wichtiger Teil davon sind die RespectGaymes, die Türkiyemspor seit 11 Jahren unterstützt. Wir stehen auf Seiten derer, die Gewalt und Diskriminierung gegenüber Homosexuellen ächten. Trotzdem liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis Vorurteile restlos abgebaut sind.

Die heutige Verleihung des „MANEO Deutschland-Preises ‚Engagement setzt Zeichen’“ ist auf der einen Seite eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Der Preis ist auf der anderen Seite ein Ansporn, die Diskussionen und das Engagement weiterzuführen.

Vielen Dank an MANEO für die Auszeichnung, sie wird sicherlich die weiteren Diskussionen befruchten.

Berlin, den 30.04.2009
Brief vom Preisträger,  Polizeipräsidenten von Berlin

Tolerantia Grafik Tolerantia-Preis – der Europapreis



Die diesjährigen Preisträger sind Hans-Wolfram Stein (Deutschland), Paris Foot Gay und Vikash Dhorasoo (Frankreich), Prof. Zbigniew Holda (Polen), Juan Fernando López Aguilar (Spanien). → mehr zu den Preisträgern

Stellungnahmen der Preisträger

Professor Zbigniew Holda (Polen)

Es berührt mich sehr, dass ich den diesjährigen europäischen Tolerantia-Preis bekomme. Ich möchte mich auf diesem Wege für diese hohe Auszeichnung herzlich bedanken. Leider kann ich diesen Preis aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich entgegen nehmen. Meine Tochter, Katarzyna Holda, ist jedoch zu Ihnen gereist und wird diese Aufgabe für mich übernehmen. Ich übermittel Ihnen auf jeden Fall meine herzlichsten Grüße aus Warschau.

Ich nehme diesen Preis nicht nur persönlich sondern auch als Vertreter für alle meine Mitstreiter der Helsinki Stiftung für Menschenrechte entgegen, die dazu beigetragen haben, dass wir die Menschenrechte für Schwule und Lesben in Polen verteidigen konnten. Die Aufhebung des Demonstrationsverbots für Warschauer CSD, die wir zusammen durchgesetzt haben, ist nicht nur ein Erfolg der Zivilgesellschaft sonder auch ein Zeichen, dass die menschenrechtliche Dimension der Rechte von Lesben und Schwulen auch bei den Gerich-ten und Behörden angekommen ist, Rechte, die universell sind, eben Menschenrechte.

Ich danke Ihnen noch mal für die Auszeichnung mit dem europäischen Tolerantia-Preis, der für mich und für uns alle eine große Bedeutung besitzt.

Warschau, den 30.04.2009

Hans-Wolfram Stein, Lehrer und Demokratiepädagoge (Deutschland)

„Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht, das vielen Menschen verwehrt wird. Als Politiklehrer und Demokratiepädagoge erlebe ich an Schulen häufig, wie Mädchen und junge Frauen als „Schlampen“ bezeichnet werden, wenn sie dieses Recht für sich in Anspruch nehmen. Die Verweigerung dieses Rechts ist noch viel heftiger gegenüber Schwulen und Lesben. Die wenigsten von ihnen, Schüler/innen wie Lehrer/innen, wagen es, sich an deutschen Schulen zu outen. Der Grund: Hier kann die Homophobie meist unwidersprochen ausgelebt werden. „Schwul“ ist nach meiner Einschätzung das häufigste Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. „Schwul“ ist alles Mögliche, was als negativ erfahren wird - bis hin zu „schwulen“ Hausaufgaben. „Schwul“ können selbst Kekse sein, wenn sie nicht schmecken. Äußerst selten wird dem widersprochen.

Gemeinsam mit meiner Klasse, 17-19 jährigen Schülern der Höheren Handelsschule am SZ Walliser Straße, wollten wir herausbekommen, wie verbreitet Homophobie unter Schüler/innen und Leh-rer/innen ist. An 1000 Schüler/innen und Lehrer/innen unserer Schule haben wir einen Fragebogen verteilt und wissenschaftlich ausgewertet; neben einer Untersuchung der Uni Kiel die größte Studie in Deutschland. Die Ergebnisse:

Dass „Homosexualität unmoralisch ist“ meinen im Durchschnitt der Bevölkerung 17,3% aber doppelt so viele Schüler/innen (35,8%). Homophoben Items wird in allen Teilen der Gesellschaft zugestimmt, auch bei Schülern ohne Migrationshintergrund (hier 16,3%), Schülerinnen ( 22,8%) und Schülern, die sich als „nicht gläubig“ bezeichnen (18%). Besonders häufig wird solchen Items aber von jungen Männern (50%), Einwandererkindern (49,7%) und Muslimen (61,8%) zugestimmt. Dieses Muster findet sich bei allen Items wieder, am heftigsten bei dem Item: „Küssen von Homosexuellen in der Öffentlichkeit ist ekelhaft“: 73% der männlichen Schüler, 70% der Einwandererkinder und 85% der muslimischen Schüler stimmen dem zu. Das ist die eine Seite. Die andere Seite stimmt mich positiv; wenn es um das gleiche Recht aller Menschen geht: 73,3% aller Schüler/innen unterstützt die Aussage „Das Recht, anders zu sein, gilt auch für Homosexuelle“, 70% unterstützen die aktive Festlegung „Die Diskriminierung von homosexuellen Menschen sollte von allen bekämpft werden“ und 82% unterstützen das Item „Homosexualität ist Privatsache“, ist also kein Feld für staatliche Unterdrückung. Dem stimmen auch knapp 80% der Einwandererkinder, der männlichen und auch der muslimischen Schüler zu.

Neben dieser Studie hat das Projekt zum Thema Menschenrechte, Verfolgung durch das NS-Regime, Homosexualität „widernatürlich“ oder Teil der Tierwelt, Homosexualität und Krankheit und Homosexualität und Religion gearbeitet. Die Ergebnisse des Schulprojekts sind als Unterrichtsmaterial geeignet und mit Unterstützung der Senatorin für Bildung in Bremen als Broschüre („Das Recht anders zu sein“) erschienen. Sie kann beim Bremer Rat & Tat – Zentrum bestellt werden.

Wir sind stolz auf diese europäische Auszeichnung. Verdient haben sie vor allem meine Schü-ler/innen, die den Fragebogen nach dem Projekt erneut ausfüllten und alle das Item ankreuzten: „Die Diskriminierung von homosexuellen Menschen sollte von allen bekämpft werden“.

Sie haben aber noch mehr gelernt. In ihrer Reflexion zum Projekt schreibt Elena: „Ich hätte nie gedacht, wie viel Einfluss ein Lehrer und ein paar Schüler haben können. Ich hätte gedacht, dass ganz normale, ´unwichtige´ Menschen, wie wir es sind, nichts erreichen können. Doch jetzt weiß ich, dass es sich immer lohnt, den Mund aufzumachen und sich für Sachen einzusetzen.“ In einem irrt Elena; sie spürt es selbst und drückt das durch ihre Anführungsstriche aus: Solche junge Menschen sind wichtig! Unsere Demokratie braucht mehr von ihnen!



Grußworte

Grußbotschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit,
für das MANEO-Benefiz-Event
mit Verleihung des MANEO-Award und
des Tolerantia-Preises am 30. April 2009
in der Kantine am Berghain

Berlin, 30. April 2009



Liebe Gäste des Abends,

aus dem Roten Rathaus sende ich Ihnen und Euch allen herzliche Grüße und die besten Wünsche für ein erfolgreiches Benefiz-Event zugunsten von MANEO.

Viel ist in den letzten Jahren erreicht worden in Sachen Emanzipation und Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Und viele hier im Raum haben ihren Anteil daran. Auf das Erreichte können wir alle gemeinsam stolz sein.

Aber es ist noch nicht genug. Sonst wäre eine Einrichtung wie MANEO überflüssig. Das ist es aber nicht – im Gegenteil. Es ist und bleibt ein wichtiges schwules Anti-Gewalt-Projekt. Denn noch immer werden Schwule und Lesben in Berlin und anderswo diskriminiert, bedroht und auch brutal misshandelt. Die Opfer brauchen Hilfe, sie brauchen unsere Solidarität. Und es gibt noch viel zu tun, um die Ursachen von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Homosexuellen zu beseitigen.

Deshalb ist die Arbeit von MANEO so überaus verdienstvoll. Sie setzt bei den Opfern an, berät und begleitet sie, hilft ihnen, seelische Verletzungen zu überwinden. Darüber hinaus engagiert sich MANEO in vielfältiger Weise für Gewaltprävention, auch dort, wo Gewalt ausgeübt und erlitten wird.

Ich grüße die internationalen Gäste, die zum MANEO-Benefiz-Event nach Berlin gekommen sind, um hier mit dabei zu sein, wenn herausragendes Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt heute Abend hier im Berghain mit dem MANEO-Award und dem Tolerantia-Preis ausgezeichnet wird.

Ich begrüße es sehr, dass anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie namhaf-te Berliner Clubs ihre Türen zugunsten von MANEO und seinen Projekten öffnen. Herzlichen Dank für dieses Zeichen eines weltoffenen, toleranten Berlins. Ich wünsche allen Gästen des heutigen Abends, die hier sind, um ein Zeichen für Toleranz gegen Diskriminierung zu setzen, vergnügliche Stunden. Und ich wünsche allen, denen ein tolerantes und weltoffenes Klima in unserer Stadt am Herzen liegt, ermutigende Begegnungen und Gespräche. Wir alle sind gefordert, Gesicht zu zeigen, wenn wir Zeugen von Homo-phobie und Hassgewalt werden. Aber wir brauchen immer wieder auch die Gewissheit, nicht allein zu sein, sondern gemeinsam mit anderen für eine menschliche Gesellschaft zu streiten, in der alle die Freiheit haben, ihr Leben zu leben.

Dazu können Events wie dieses beitragen. Ich wünsche dem Abend viel Erfolg. Mögen die Kassen für MANEO klingeln!

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Wowereit

Claudia Roth Mitglied des Deutschen Bundestages Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrter Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde von Maneo,

aus der Ferne und dennoch von ganzem Herzen gratuliere ich den diesjährigen Preisträgern des Maneo-Awards und des Tolerantia-Preises. Sie alle engagieren sich in ihrem direkten Lebensumfeld – ob an ihrem Arbeitsplatz, im Fußballverein, in ihren Organisationen oder Parteien – gegen Homophobie und Gewalt, setzen Zeichen und handeln vorbildlich für uns alle.

Ich möchte aber nicht nur das Engagement der heutigen Preisträger loben, sondern auch und ganz besonders ihren Mut, sich trotz des manchmal eisigen Gegenwindes kontinuierlich und entschlossen gegen Hassgewalt einzusetzen. Denn es ist kein Geheimnis, dass das Engagement gegen Hassgewalt und Homophobie von einigen Menschen als Anlass für Anfeindungen oder sogar Angriffen genommen wird. Lasst uns gemeinsam Homophobie und Gewalt die Rote Karte zeigen und weiter für ein friedliches und tolerantes Miteinander kämpfen.

Herzliche Grüße

Claudia Roth






Berlin, 24.04.2009

Erstes Bundestreffen der Ansprechpartner gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in Berlin ein großer Erfolg

Zum ersten Mal trafen sich Vertreter verschiedener Bundesländer, der Bundespolizei und BKA zu einem Arbeitstreffen in der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin. Erstes Bundestreffen der Ansprechpartner
	gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in Berlin
Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch gemeinsam mit den Ansprechpartner der Landespolizeien, Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Referenten in der Heinrich-Böll-Stiftung. Foto: Polizei Berlin ©.

Vom 22. bis zum 24.04.09 fand in Berlin das erste Bundestreffen der Ansprechparter für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AgL) bei der Polizei statt. Auf Einladung des Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung trafen sich 37 Vertreter fast aller Landespolizeien, der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes (BKA) zu einem Arbeitstreffen. Schwerpunkte waren die Bestandsaufnahme der einzelnen AgL in den Bundesländern und die Erarbeitung eines einheitlichen Konzeptes für die Stelle eines Ansprechpartners. Diese Fachtagung stand vor dem Hintergrund des großen Dunkelfeldes nicht-angezeigter Hassverbrechen zum Nachteil homosexueller Menschen in Deutschland.

Der Polizeipräsident der Berliner Polizei unterstrich in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung der AgL in der polizeilichen und der damit verbundenen kriminalpräventiven Arbeit. Das Treffen bot aus seiner Sicht die Möglichkeit „über Erfahrungen zu sprechen, gemeinsame Standards und Arbeitsgrundlagen zu entwickeln und sich zu vernetzen“.

Er unterstrich, dass die Bekämpfung homophober Gewalt nicht allein eine Aufgabe der Polizei sein kann, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt. „Zu ihrer Aufgabe gehört auch der Schutz lesbischer und schwuler Mitarbeiter vor Diskriminierung sowie die Förderung ihrer innerbehördlichen Akzeptanz“.

Die Vertreter der Bundesländer waren der Einladung gerne gefolgt. „Ein solches Treffen war überfällig“, erklärte VelsPol-Bundesvorstand Thomas Ulmer. Die Vereinigung Lesbisch-Schwuler Polizeibediensteter in Deutschland (VelsPol) fordert seit längerem einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch und die Einrichtung von AgL in jedem Bundesland, bei der Bundespolizei und dem BKA. „Ihre Funktion besitzt deshalb eine so wichtige Aufgabe, weil nach wie vor Unsicherheit und Unkenntnis darüber besteht, wie homophobe Gewalttaten zu erkennen und zu bewerten sind. Für uns bleibt deshalb unverständlich, dass einige Bundesländer noch immer keine AgL in ihren Behörden eingesetzt haben.“ Nicht dabei waren Vertreter aus Schleswig-Holstein, Saarland, Thüringen und Bayern.

Problematisiert wurde in einem Workshop die bestehende Meldepflicht auf Grundlage des „Kriminalpolizeilichen Meldedienstes / politisch motivierter Gewalt (KPMD/PMK)“, weil diese in den Bundesländern nicht wirklich umgesetzt und angewendet wird.

„Die jüngste Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen (BT16/12529) von April 2009 zeigt, dass es noch immer den einzelnen Bundesländern überlassen bleibt, wie sie Hassgewalttaten gegen Homosexuelle interpretieren“, so Bastian Finke, der auf dem Arbeitstreffen referiert hatte. „Wir brauchen endlich klare Kriterien, um Daten zu vorurteilsmotivierte Gewalt einheitliche zu erheben. Nur so haben wir eine Chance, dieser Gewalt präventiv entgegen zu wirken.“ MANEO hat einen Kriterienkatalog entwickelt und wendet diesen seit Jahren an. Eine Diskussionsgrundlage wurde damit bereits geschaffen.






Berlin, 23.04.2009

Vorurteilsmotivierte, homophobe Gewalt in Berlin

MANEO-Jahresbericht 2008:
„Zahlen gleich bleibend hoch“

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: „Die Zahlen sind gegenüber den letzten beiden Jahren gleich bleibend hoch. Da die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen begrenzt sind, können wir stets nur einen begrenzten Ausschnitt der tatsächlich stattfindenden Gewalt erfassen.

Im Rahmen unserer routinemäßigen Vorort-Arbeit an Szenetreffpunkten bekommen wir durch Besucher regelmäßig eine Ahnung davon vermittelt, was wirklich passiert. Doch diesem Dunkelfeld nachzuspüren und damit Betroffenen zu helfen verlangt mehr Anstrengungen. Die bereits Anfang 2008 durch die Senatsverwaltung versprochene zusätzliche halbe Stelle muss dringend nun auch geschaffen werden. Aber, um falsche Vorstellungen gleich auszuräumen: Diese zusätzliche halbe Stelle wird nicht dafür sorgen, dass MANEO seine Arbeit ausbauen kann – sie wird vor allem erst einmal für Stabilisierung sorgen.

Im Jahr 2008 haben sich etwa 890 Personen wegen Information, Beratung oder Unterstützung an MANEO gewandt, 370 Personen im Zusammenhang mit Fallmeldungen. Insgesamt hat MANEO 288 Fälle erfasst, davon 185 Fälle mit einem mutmaßlich homophoben Hintergrund. Zahlreiche Fallbeispiele hat MANEO auf seiner Website www.maneo-fallmeldungen.de dargestellt.

MANEO bearbeitet und erfasst Gewalttaten zum Nachteil schwuler und bisexueller Jugendlicher und Erwachsener seit nunmehr 19 Jahren. Fälle werden MANEO vor allem als Opferhilfeberatungsstelle bekannt, d.h. wenn sich Betroffene wegen einer Gewalttat zwecks Beratung und Hilfe an MANEO wenden. Dies sind Betroffene homophober Gewalt ebenso wie Opfer häuslicher Gewalt, sexueller Übergriffe und anderer Formen von Gewalt.

Um homophobe Gewalttaten als solche identifizieren zu können, benutzt MANEO einen Kriterienkatalog, der besondere Merkmale homophober Gewalt beschreibt. Entsprechend werden Fälle diesen Merkmalen zugeordnet und eingeschätzt (Der MANEO-Kriterienkatalog ).

Worunter Opfer besonders leiden, ist neben der eigentlichen Tat stets die Bagatellisierung der Gewalt oder der Versuch, die Schuld ihnen selbst anzulasten – eine Erfahrung, die viele Betroffene in ihrem eigenen sozialen Umfeld machen oder in öffentlichen Darstellungen von Gewalttaten wiederfinden. Reagieren beispielsweise Betroffene auf provozierende Frotzeleien durch Täter ‚falsch’ – indem sie sich wütend an die Täter wenden, mit der Folge, dass diese dann zuschlagen –, stehen Opfer so da, als ob sie die Tat erst ‚provoziert’ hätten.“

Allein in den letzten Wochen haben sich wieder zahlreichen Übergriffe gegen Schwule ereignet:

• Am 19.03.2009, gegen 17:30 Uhr, fahren zwei schwule Männer mit der U-Bahnlinie 7 zwischen Hermannplatz und Mehringdamm. Sie sitzen nebeneinander, halten die Hand und geben einander flüchtig einen Kuss. Dann sei ein junger Mann vom anderen Ende des Waggons auf sie zugetreten, habe sich über sie gebeugt und ihnen in ruhigem Ton zugeflüstert, dass er sich jetzt beide gemerkt habe und dass er sie das nächste mal abstechen werde. Es sei für seine beiden Kinder, die mit im Waggon fuhren, eine „Zumutung“, solche „Perversen“ wie sie ansehen zu müssen.

• Am 21.03.2009, gegen 01:30 Uhr, wird ein schwuler Mann auf der Warschauer Brücke aus einer Gruppe junger Männer heraus unvermittelt angegriffen und unter dem Ausruf „Scheiß Schwuchtel“ niedergeschlagen. Zeugen greifen sofort ein, doch die Täter können flüchten. Der geschädigte erlitt diverse Hämatome und eine Gehirnerschütterung. Die Polizei wurde gerufen und Strafanzeige erstattet.

• Am 21.03.2009, gegen 23:30 Uhr, werden zwei schwule Männer in der U-Bahnlinie 1, zwischen Kottbusser Tor und Gleisdreieck, aus einer Gruppe von sechs offensichtlich alkoholisierten jungen Männern als „Schwuchteln“ beschimpft und körperlich bedrängt. Anschließend wird einem der beiden Betroffenen ins Gesicht geschlagen. Die Geschädigten haben die U-Bahn mit den Tätern am Bahnhof Gleisdreieck verlassen. Während die Täter mit der U2 weiter fuhren, haben sie auf den nächsten Zug gewartet und sind dann mit diesem nach Schöneberg weiter gefahren.

• Am 05.04.2009 berichtete die Polizei in einer Pressemeldung, dass gegen Mittag in einem Schnellrestaurant in der Kantstraße in Charlottenburg zwei schwule Männer aus einer Gruppe von fünf jungen Männern heraus homosexuellenfeindlich beleidigt und dann auch körperlich angegriffen wurden. Die Betroffenen erlitten Schürfwunden und diverse Hämatome. Die Täter flüchteten.

• Am 07.04.2009, gegen 22:30 Uhr, beobachtet ein Zeuge vor einer Eisdiele in Schöneberg, wie sich ein schwules Paar Arm in Arm in der Schlange anstellt. Plötzlich werden die beiden schwulen Männer vom Verkäufer aufgefordert, sich vom Laden zu entfernen, weil er nicht möchte, dass Kunden ein solches Verhalten mit seinem Laden in Verbindung bringen. Als zufällig zwei Polizeibeamte vorbeikamen, die von den Betroffenen angesprochen wurden, log der Mitarbeiter ihn vor, die beiden schwulen Männer hätten ihre Füße auf eine Sitzbank gestellt. Ein Zeuge schritt ein und empörte sich über das homophobe Verhalten des Eisverkäufers. Später habe der Eisverkäufer auch noch erklärt, dass er eine kleine Tochter habe und er nicht wolle, dass sie mit ansehen muss, wie sich zwei Schwule so öffentlich „ablecken“. Die Betroffenen hatten sich lediglich Arm in Arm angestellt.
Der Bericht steht online unter: www.maneo.de, Archiv






Berlin, den 22.04.2009

! ! ! ACHTUNG: NEUE LOCATION ! ! !
30.04. MANEO-Benefiz @ Kantine am Berghain

Aufgrund technischer Probleme kann das MANEO Benefiz-Event am 30.04.2009 nicht wie angekündigt im Dice-Club stattfinden.

Die Party inklusive Award-Show zieht in die Kantine am Berghain!

MANEO freut sich, Dank der Unterstützung des Berghains (jüngst zum Besten Club der Welt erkoren) das diesjährige Benefiz-Event nun in einer Location präsentieren zu können, die neben legendärem Ambiente auch die Annehmlichkeiten eines gemütlichen Biergartens sowie einer spektakulären Dachterrasse zu bieten hat. Ob tanzend auf dem Dancefloor oder plaudernd vor dem offenen Kamin: MANEO freut sich, Sie am 30.04. in der Kantine am Berghain begrüßen zu dürfen!

Bevor um 22:00 Uhr die offizielle Benefiz-Party mit internationalen House-DJs und der Verleihung des Tolerantia- sowie des MANEO-Awards 2009 beginnt, lädt MANEO exklusiv um 20:30 Uhr zum VIP-Empfang.

MANEO Benefiz-Event@ Kantine am Berghain www.berghain.de
Do., 30.04.2009
Party ab 22:00 Uhr
Preisverleihung ca. 23:00 Uhr

Adresse: Am Wriezener Bahnhof,nahe S-Bhf. Ostbahnhof. Karte

Wir bitten bezüglich dieser kurzfristigen Änderung um Verständnis!

Die bereits im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten übertragen sich automatisch auf die neue Location.






08.04.2009

Ausgezeichnet: Die Preisträger 2009

MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt Projekt, sowie die „Berlin Alliance Against Homophobia“, der MANEO als Gründungsmitglied angehört, zeichnen regelmäßig herausragendes Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt aus. Die diesjährige Preisverleihung findet am 30.04. im Rahmen des MANEO Benefiz-Events im DICE-Club, Berlin-Mitte, statt. Gegen 23 Uhr werden die Preisträger auf der öffentlichen Party geehrt.MANEO-Award Grafik

MANEO-Award – der Deutschlandpreis
MANEO würdigt mit seinem Deutschland-Preis, der jährlich in Berlin vergeben wird, vorbildliches Engagement made in Germany.
Der Preis wird Personen oder Gruppen zugesprochen, die sich mit beispielhaftem Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt in Deutschland verdient gemacht und damit Zeichen gesetzt haben. Den diesjährigen Preis teilen sich Türkiyemspor Berlin e.V. und Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch.
mehr zu den Preisträgern


Tolerantia-Preis – der Europapreis
Tolerantia Grafik Mit dem Tolerantia-Preis ehrt die „Berlin Alliance Against Homophobia“, eine deutsch-französisch-polnisch-spanischen Initiativgruppe, herausragendes Engagement im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in Europa.
Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der vier Hauptstädte statt, 2009 in Berlin. Dem Bündnis schwuler und schwullesbischer Anti-Gewalt-Projekte in Europa, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen, gehören neben MANEO (Deutschland), SOS-Homophobie (Frankreich), Lambda-Warschau und KPH (Polen) seit 2008 auch COGAM und TRIANGULO (Spanien) an; Grundlage ist die gemeinsam unterzeichnete „Toleranjca-Erklärung“.
Als Ausdruck dieses Bündnisses und in Anerkennung von beispielhaften Leistungen wird der Gemeinschaftspreis, eine Skulptur mit vier Segeln, seit 2006 an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus den Mitgliedsländern vergeben. Die diesjährigen Preisträger sind Hans-Wolfram Stein (Deutschland), Paris Foot Gay und Vikash Dhorasoo (Frankreich), Prof. Zbigniew Holda (Polen), Juan Fernando López Aguilar (Spanien).
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MANEO-Award – die Preisträger 2009
Dieter Glietsch, am 2. Mai 1949 in Willingen geboren, ist seit 2002 Polizeipräsident in Berlin. Am 25. Juni 2008 hisste er anlässlich der Berliner CSD-Woche erstmals die Regenbogenfahne vor dem Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke in Tempelhof.
„Mit dem Hissen der Regenbogenfahne zeigt die Berliner Polizei ihre Bereitschaft, unterschiedliche Lebensweisen der Menschen in der Hauptstadt zu akzeptieren, ihnen ohne Vorurteile und Vorbehalte zu begegnen und das ihr Mögliche zu tun, um sie vor vorurteilsmotivierter Kriminalität zu schützen“, so Glietsch.
Die Aktion blieb innerhalb der Polizeibehörde nicht ohne Kritik. Zahlreiche E-Mails, die zum Teil auch homophoben Inhalts waren, erreichten Dieter Glietsch auf dem Dienstweg. Er verzichtete auf die Androhung von Disziplinarmaßnahmen und bat alle Kritiker zu einem persönlichen Gespräch: „Wenn man überhaupt Einstellungen von Erwachsenen ändern kann, dann nur im Gespräch.“ Später erklärte er: „Einige dieser Gespräche haben bestätigt, was mich nicht überrascht hat: Dass die Polizei auch auf dem Gebiet der Vorurteile ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist. Für mich besteht aber kein Zweifel daran, dass Homophobie in der Polizei noch weniger akzeptabel ist als in anderen Bereichen der Gesellschaft.“
Unumwunden gibt der Polizeipräsident zu, dass homophobe Einstellungen unter Polizeibeamten vorhanden sind. Außerdem erklärte er das Problem zur Chefsache und geht dieses offensiv an. Sein Vorgehen hat Vorbildfunktion. Seine Haltung verdienen Anerkennung und Respekt.


Türkiyemspor Berlin e.V. ist ein Berliner Fußballverein, der sich 1987 gründet hat. Er spielt mittlerweile in der Regionalliga Nord und konnte sich neben Hertha BSC und Union Berlin als dritter großer Berliner Fußballverein etablieren. Längst sind nicht mehr nur türkischstämmige Spieler im Aufgebot; mittlerweile spielen im Verein Menschen aus 25 Nationen.
Türkiyemspor Berlin e.V. engagiert sich seit vielen Jahren regelmäßig über den Sport hinaus in sozialen und gewaltpräventiven Projekten, z.B. an den friedlichen Feiern zum 1. Mai in Kreuzberg, in dem Projekt „SOJA“, der Jugendlichen Zugang zu sportlicher Betätigung erleichtern soll, der Kampagne „Nein zu Gewalt an Frauen“ und ist beispielsweise Kooperationspartner der Respect Gaymes des Berliner LSVD.
„Wir sind sowohl ein Berliner Fußballverein als auch der größte türkischer Fußballverein Deutschlands. Wir besitzen den Ruf als ‚Lebende Legende’, da wir der erste Migranten-Fußballverein Europas sind. Unser Verein hat rund 1.300 feste Mitglieder und über 15.000 internationale Fans mit 21 Jugendmannschaften, darunter vier Mädchenteams.
Wir leben in Berlin, wir lieben unsere Stadt. Deshalb sind wir als Berliner auch stolz auf unsere Landesverfassung. Darin steht, dass niemand wegen seiner Herkunft oder auch wegen seiner sexuellen Identität diskriminiert werden darf.
Wir rufen zum gemeinsamen Handeln gegen Homophobie und jede Form von vorurteilsmotivierter Hassgewalt auf. Diese Gewalt ist schrecklich, weil sie Gruppen von Menschen ausgrenzt und damit die Grundfesten unseres demokratischen Zusammenlebens gefährdet. Mit unserem Verein setzen wir uns für eine Gesellschaft ein, die auf Toleranz, Respekt und auf gleichen Rechten aller Bürger und Bürgerinnen beruht.
In unserem Verein sind alle willkommen. Was zählt, sind Leistungen. Darauf kommt es an. Wir wissen, dass Bestleistungen dann erzielt werden, wenn unsere Spieler sich willkommen und respektiert fühlen, unsere volle Unterstützung erhalten. Dazu gehört es, sie als Menschen so anzunehmen wie sie sind. Deshalb sind in unserem Verein selbstverständlich auch schwule Fußballspieler willkommen.“

www.turkiyemspor.net



Tolerantia-Preis – die Preisträger 2009

Deutschland:
Hans-Wolfram Stein, Lehrer für Wirtschaft und Politik am Schulzentrum Walliser Straße in Bremen, hat mit großem Engagement Homophobie und Hassgewalt an seiner Schule problematisiert. Sein beispielhafter Einsatz hat dazu beigetragen, die Haltung und Einstellung gegenüber Homosexuellen sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern positiv zu verändern. Das gemeinsam mit den Schülern der Klasse 2HH 07/5 initiierte Forschungsprojekt, das Hans-Wolfram Stein an seiner Schule über den Zeitraum von fast einem Jahr durchführte, ist ein herausragender Meilenstein in der schulischen Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Deutschland.
Ergebnis seiner vorbildlichen Projektarbeit ist: „In vielen, wenn nicht in allen Bereichen konnten homophobe Einstellungen abgebaut werden. Im Bereich der demokratischen Rechte stieg der Anteil, der für Gleichberechtigung eintritt, stark an. Vor allem aber tritt jetzt jeder Schüler und jede Schülerin in der Klasse für folgende Aussage ein: ‚Diskriminierung von Homosexuellen sollte von allen bekämpft werden.’“ Die Arbeitsergebnisse dienen jetzt als Vorlage auch für andere Schulen, die sich mit dem Thema Homophobie auseinandersetzen wollen.

Es ist vor allem dem Engagement und der Beharrlichkeit von Hans-Wolfram Stein zu verdanken, dass dieses Projekt realisiert werden konnte. Mit diesem Preis soll auch das Engagement der Schülerinnen und Schüler gewürdigt werden, die das Projekt gemeinsam mit Hans-Wolfram Stein realisiert haben.

Frankreich:
Paris Foot Gay wurde 2003 als erster französischer Fußballclub gegründet, der ausdrücklich für heterosexuelle und schwule Fußballspieler gleichermaßen offen ist und sich selbstbewusst gegen Diskriminierung und Homophobie stellt. Der Verein will diskriminierende Einstellungen ändern und deutlich machen, dass eben auch ein schwuler Mann das Recht hat, Fußball zu spielen ohne sich verstecken zu müssen. Damit soll das Recht zum Anderssein unterstrichen und Vorurteile bekämpft werden. Paris Foot Gay will die Emanzipation von Schwulen stärken und damit das Coming-out von schwulen Sportlern befördern, sodass diese Gruppe in der Sportwelt ihren gleichberechtigten Platz findet – ein rundherum unterstützenswertes Ziel, ist doch Homophobie im Sport noch immer stark verbreitet.
Mit der Bekämpfung von Homophobie im Fußball sendet Paris Foot Gay außerdem ein starkes Signal an die gesamte Gesellschaft, hat doch Sport insgesamt eine breite Öffentlichkeit. Vor allem Jugendliche, die für Vorurteile besonders empfänglich sind, können so erreicht werden. Mit dem Tolerantia-Preis möchten wir dieser Nicht-Regierungsorganisation für ihren Mut danken, sich diesem so wichtigen Thema zu widmen.

Frankreich:
Vikash Dhorasoo, am 10. Oktober 1973 in Harfleur (Seine-Maritime) geboren, ist ein französischer Fußballspieler, der eine internationale Karriere zurückgelegt hat. In den Spielsaisons 1997 bis 1998 und 2003 bis 2004 war er der beste Spieler der französischen Nationalliga. Von 2002 bis 2003 spielte Dhorasoo in Lyon und sein Team führte in diesen zwei Saisons die französische Nationalliga an. 2006 gehörte er der französischen Nationalmannschaft an, die an der Fußball- WM in Deutschland teilnahm. Im letzten Jahr hat er seine Karriere beendet.
Dhorasoo, verheiratet und Vater zweier Töchter, ist Schirmherr des Paris Foot Gay, einem Fußballclub, der gegründet wurde, um Homophobie in den Stadien zu bekämpfen. Er ist der einzige französische Nationalspieler, der sich zu diesem Thema bisher öffentlich geäußert hat.
Die Tatsache, dass ein farbiger heterosexueller Mann Paris Foot Gay unterstützt, zeugt von einem großen Respekt für die Menschenrechte und insbesondere für die Gleichberechtigung der LGBT-Gemeinden.

Polen:
Prof. Zbigniew Holda ist Jurist, Strafrechtler, Experte für Menschenrechte, Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau und Vorstandsmitglied der Helsinki-Stiftung für Menschenrechte. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg repräsentierte er die Stiftung für Gleichberechtigung („Fundacja Rownosci”) sowie die Mitglieder der polnischen LGTB-Organisationen, die gegen das Verbot der Gleichberechtigungsparade („Parada Rownosci”) in Warschau 2005 klagten. Der Rechtsstreit endete mit einem Präzedenzurteil, welches Gesetze, mit denen friedliche Demonstrationen unmöglich gemacht werden sollten, für illegal erklärte.
2006 vertrat er vor dem Amtsgericht in Posen vier lesbische Frauen , die sich entschlossen hatten, gegen Stadtratsmitglieder der polnischer Rechtspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) vor Gericht zu gehen. 2005 hatten die PiS-Mitglieder Homosexualität mit Zoophilie, Nekrophilie und Pädophilie verglichen. Die Präzedenzsache endete mit einem Vergleich. Die Funktionäre der PiSPartei mussten sich bei den Betroffenen entschuldigen und offiziell erklären, dass sie keine Absicht hatten, irgendjemanden zu beleidigen.

Professor Zbigniew Holda setzte sich kontinuierlich für Menschenrechte – auch für sexuelle Minderheiten – ein. Der Tolerantia-Preis ist Ausdruck der Anerkennung für sein gesamtes Wirkens und seines Lebenswerkes.

Spanien:
Juan Fernando López Aguilar, am 10. Juni 1961 in Las Palmas (Gran Canaria) geboren, studierte Jura an der Universität Granada sowie Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Complutense von Madrid. 1988 erwarb er den Master of Arts in Law & Diplomacy an der Fletcher School of Law & Diplomacy in Massachussetts. Der Professor für Verfassungsrecht an der Universität von Las Palmas de Gran Canaria wurde bereits mit dem Jean Monnet Preis über Recht und Europäische Integration ausgezeichnet.

1983 trat López Aguilar der sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens, PSOE, bei. Zwischen 1990 und 1993 war er parlamentarischer Berater der Justizminister. Von 1993 bis 1996 war Aguilar Leiter des Ministerbüros bei Minister Jerónimo Saavedra in den Ministerien für Öffentliche Verwaltung und Bildung. Seit 1996 ist López Aguilar Abgeordneter im spanischen Parlament. Schon 1999 war er Spitzenkandidat der PSOE zur Präsidentschaft der Regierung der Kanarischen Inseln. Seit Juli 2000 war er Sekretär für Öffentliche Freiheiten und die Entwicklung der Autonomen Regionen im Vorstand der PSOE.

Während dieser Zeit und dank seiner aktiven Federführung legte die Spanische Regierung dem Parlament einen Gesetzesvorschlag zur Regelung der standesamtlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren vor, welches am 28. Juli 2005 verabschiedet wurde. Seinen aktiven Einsatz für die Gleichberechtigung würdigt die spanische LGBT-Bewegung mit großer Anerkennung.






Berlin, 04.04.2009

out now: impuls #3

MANEO-Fachzeitschrift liefert Einblicke in die Projektarbeit und spürt dem „Wirtschaftsfaktor Toleranz“ nach

impuls Fachzeitschrift MANEO In der aktuell erschienenen dritten Ausgabe der MANEO-Fachzeitschrift zu Homophobie & Hate-Crime, impuls, wird das tolerante Berlin auf den Prüfstand gestellt. Die Autoren des Schwerpunktthemas „Prävention & Szene“ zeichnen Stimmen und Stimmungen nach, wie sie infolge der letzten schweren Übergriffe in den vergangenen Monate nicht nur in den schwullesbischen Szenen der Stadt anklangen.

Wie reagieren die Akteure der schwulen Szenen selbst? Wer sind die treibenden Kräfte, wie bilden sich gewaltpräventive Initiativen, und welche Hürden gilt es dabei zu überwinden?

Nach einem Rückblick auf die Anfänge der 1990er- Jahre stellt sich gar die Frage: Gibt es heute eine „Generation Sorglos“? Welchen Stellenwert hat Toleranz auf der politischen Agenda? Und: Wird ihr wirtschaftspolitisches Potential erkannt – und genutzt? Welche Rolle spielt der „Wirtschaftsfaktor Toleranz“ konkret in Berlin – einer Stadt, die aktuell mit der Kampagne „be Berlin“ ihr Image aufpolieren will, um sich unter anderem als attraktiv für die Kreativwirtschaft zu positionieren – jene wachstumsstarke Branche also, die nicht zuletzt Toleranz als einen primären Attraktor begreift? Kurzum: Wie ist es um die Zukunftsfähigkeit Berlins bestellt? Hierzu sprach impuls mit Christoph Lang von Berlin Partner.

Außerdem im impuls-Gespräch in den weiteren Schwerpunktthemen „Opferhilfe & Opferbedürfnisse“, „Erfassung & Opferforderungen“, „Prävention & Kita“, „Prävention & Schule“, „Prävention & Sport“, „Engagement & Mobilisierung“: Prof. Margarete Mitscherlich-Nielsen, Prof. Luise Reddemann, Dr. Michael C. Baurmann, Elfi Jantzen, Prof. Walter Hollstein, Hans-Wolfram Stein, Christian Deker u.a.m.






Berlin, 31.03.2009

Statement für ein tolerantes Berlin:

Party-Benefiz „Kiss Kiss Berlin“ zugunsten von MANEO

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie öffnen die namhaftesten Berliner Clubbetreiber und Partyveranstalter ihre Türen zugunsten von MANEO, Berlins schwulem Anti-Gewalt- Projekt.

„Kiss Kiss Berlin – Powered by People for Tolerance“, so der Titel der Aktion, versteht sich als Statement für ein tolerantes, weltoffenes Berlin. Die teilnehmenden Veranstalter stellen einen Teil ihrer Eintrittsgelder unmittelbar der Opferhilfearbeit von MANEO zur Verfügung und setzen damit ein Zeichen gegen Homophobie und Hassgewalt.

Als weitere Unterstützer konnten außerdem Gayromeo, CSD Berlin e.V., Ebab, Bruno’s, ShapeFM, Timm.TV und Siegessäule gewonnen werden.

Auf der Benefiz- Party am 30. April im DICE-Club werden zudem die diesjärigen Tolerantia-Awards sowie erstmalig der MANEO-Award vergeben.

2009 tragen folgende Veranstaltungen
das „Kiss Kiss Berlin“-Siegel:


05.04. GMF @ WEEKEND CLUB
09.04. Smegma @ BERGHAIN
11.04. Gay-Propaganda @ E4
12.04. Bump! Meets Klaro @ SCHWUZ
18.04. Connection Club Night @ CONNECTION
30.04. MANEO Benefiz & Awards @ DICE CLUB
01.05. Testosteron @ DRAGONROOM (C/O KITKAT)


Unterstützer von KissKissBerlin 2009

Logo CSD Berlin Logo shape-fm Logo Timm Logo siegessäule Logo Blu Logo Brunos Logo GayRomeo Logo ebab Logo Berghain Logo Propaganda @E4 Logo Dice Club Logo GMF Logo Logo Logo




31.03.2009

Im Schöneberger Kiez bewegt sich was:

MANEO und Wirte starten Gewaltprävention im Kiez

Nach den wiederholten Übergriffen der letzten Monate hatte MANEO in den zurückliegenden Wochen das Gespräch mit der lokalen Szenewirtschaft gesucht, um geeignete gewaltpräventive Maßnahmen für den Schöneberger Kiez rund um den Nollendorfplatz umzusetzen. Mit der gemeinsamen Aktion soll zu mehr Sicherheit und Solidarität beigetragen und ein nachhaltiges Zeichen für einen toleranten, gewaltfreien Kiez gesetzt werden.

An der nun vorgestellten Plakat-Kampagne, die Gästen und Kiez-Besuchern offensiv Unterstützung signalisiert, sollten sie Opfer oder Zeugen von Gewalttaten werden, beteiligen sich derzeit die Schöneberger Szene-Lokale Scheune, Heile Welt, Blond, Hafen, More und Tabasco.

Mit dem selbstbewussten, demonstrativen „Nein zu Gewalt“ soll zudem durch eine Steigerung der Anzeigebereitschaft gegenüber der Polizei zur Tataufklärung beigetragen werden. Die Botschaft: Taten werden verfolgt, Täter kommen nicht ungeschoren davon.

Bei der Wirte-Kampagne griff MANEO auch auf Erfahrungen aus dem Jahr 1992 zurück; schon damals hatte MANEO gewaltpräventive Maßnahmen mit zunächst sechs Wirten umgesetzt, nachdem wiederholte Übergriffe im Kiez vorgefallen waren.

Aus jener „Konzertierten Aktion schwuler Nollendorfplatz“ (KAN) ging 1993 schließlich auf Betreiben von MANEO das Lesbisch-Schwule Stadtfest hervor, das noch bis 1998 von MANEO geleitet wurde – und heute eines der größten Open-Air-Events der Hauptstadt ist.

17 Jahre nach Gründung der KAN sind es erneut sechs Wirte, die gemeinsam mit MANEO den Anfang machen. MANEO-Projektleiter Bastian Finke ist zuversichtlich, dass, wie auch schon 1992, sich weitere der Initiative anschließen werden: „Jeder Wirt, jeder Betreiber, jeder Einzelhändler ist eingeladen, mitzumachen. Schließlich ist uns allen an einem lebhaften, attraktiven, vielfältigen Kiez gelegen, in dem man sich wohl fühlt – und gerne wiederkommt. Die Strahlkraft des Schöneberger Kiezes ist, neben den anderen schwulen Szene-Kiezen in Berlin, insbesondere auch für Touristen immer wieder ein Argument, nach Berlin zu kommen. Das soll auch in Zukunft so bleiben.“






Berlin, 02.03.2009

MANEO-Soirée: „Nur ein bisschen geboxt“

Talk mit Jugendrichtern Kirstin Heisig. Moderation: Jan Feddersen (Journalist)

Ausreden über Ausreden: Werden Gewalttäter befragt, warum sie schwule Männer getreten, gedemütigt, geschlagen haben, antworten sie meist: Die haben mich angemacht, die sind schwul und haben's verdient, die sollen sich nicht wundern.

Und die Behörden, die sich um gewaltbereite Jugendliche zu kümmern haben, wiegeln ab: Von homophoben Tätern dürfe nicht erwartet werden, dass sie wissen, Unrecht begangen zu haben. In Wahrheit also wird die Gewalt gegen schwule Männer bagatellisiert, von den Tätern wie von den betreuenden Institutionen.

Normen der Menschenwürde werden missachtet – eine Gemengelage aus Inkompetenz, Trivialisierung des Problems und Ignoranz. Was ist wichtig, um dieses Problem zunächst zu benennen und es dann zu beseitigen?

Fragen, die an die inzwischen bekannte Jugendrichtern Kirstin Heisig auf einer MANEO-Soirée gestellt werden.

Moderation: Jan Feddersen, Autor CSD-Magazin und Redakteur taz - die tageszeitung

DATUM: Montag, den 23. März 2009
BEGINN: um 20:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter, Bülowstr. 106
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus M19, 106, 187







Berlin, 02.03.2009

Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum

eine Veranstaltung des Landeskriminalamtes Berlin, Anti-Gewalt-Projekt, in Zusammenarbeit mit MANEO.

Ein weiteres Mal führen wir in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Berlin, Referat Vorbeugung/ Anti-Gewalt-Projekt, eine Informationsveranstaltung zum Thema „Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum“ durch.

Die Informationsveranstaltung richtet sich an alle interessierte Personen, die mehr über den Umgang mit Gewalt und Aggression im „öffentlichen Raum“ (damit sind z.B. öffentliche Verkehrsmittel oder die Straße gemeint) wissen wollen. Die Veranstaltung richtet sich an Personen, die vielleicht selbst schon einmal Opfer von Gewalt geworden sind oder Gewalt als Zeugen miterlebt haben. Die Veranstaltung richtet sich vor allem auch an Personen, die sich Informationen für den Fall besorgen wollen, eventuell selbst einmal in eine solche Situation zu geraten.

Geschulte Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Berlin informieren und geben praktische Tipps und Hinweise. Folgende Themen stehen im Programm:

  • Tätervorgehen
  • Gefahrenwahrnehmung und –abwehr
  • Täterbesonderheiten bei Sexualdelikten
  • Abwehrstrategien gegen Gewaltangriffe
  • Sicher fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Gefahrlos Hilfe leisten, Notwehr- und Selbsthilferecht
  • Waffenproblematik
  • Richtiges Anzeigeverhalten
  • Was tun, wenn doch mal was passiert ist
  • Möglichkeiten der Selbstverteidigung

DATUM: Montag, den 16. März 2009
BEGINN: um 19:00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT: Mann-O-Meter, Bülowstr. 106
ANFAHRT: U-Bhf. Nollendorfplatz, Bus M19, 106, 187


Die Veranstaltung ist kostenlos. Die Teilnehmeranzahl ist jedoch begrenzt auf 40 Personen. Interessierte werden deshalb gebeten, sich möglichst bald anzumelden.

Anmeldung: MANEO, Tel.: 030 - 216 33 36, eMail: maneo[at]maneo.de






Berlin, den 28.01.2009

Nach Übergriff auf schwulen 23-Jährigen in Berlin:

Falschmeldungen im Umlauf

Aktuell kursieren irreführende Falschmeldungen zu dem Übergriff auf einen 23-jährigen Schwulen vom vergangenen Mittwoch in Berlin-Schöneberg.

Wie berichtet, war der 23-Jährige von drei bis fünf bislang unbekannten Tätern gegen 1:30 Uhr nachts lebensgefährlich verletzt worden, als er mit einem Bekannten im schwulen Szenekiez unterwegs war. Gegenüber der Presse sagte MANEO-Projektleiter Bastian Finke bereits vergangene Woche: „Anhand unserer Kriterien zur ersten Einschätzung derartiger Fälle halten wir eine homophobe Intention für sehr wahrscheinlich.“ Ein mutmaßlich homophober Tathintergrund ist weiterhin Bestandteil der polizeilichen Ermittlungen.

In seiner anderslautenden Meldung nun beruft sich das Onlineportal queer.de auf eine vorgeblich mit den Ermittlungen vertraute Quelle, die seitens der Polizei informiert worden sei, dass die Tat keinen homophoben Hintergrund gehabt hätte. Der Quelle zufolge handelte es sich „höchstwahrscheinlich um eine Auseinandersetzung unter Strichern“; zudem sei das Opfer per Haftbefehl gesucht gewesen.

Hierzu stellt MANEO fest:

Seitens der Berliner Polizei hat es keine wie von der Quelle dargestellte Verlautbarung gegeben; dies wurde MANEO auf Nachfrage bei der Polizei bestätigt. Eine solche Behauptung ist irreführend.

Obschon das Opfer, wie sich später herausstellte, per Haftbefehl gesucht wurde, ist es irreführend, den Übergriff damit in Verbindung zu bringen: So wird der – falsche – Eindruck vermittelt, das Opfer trüge an dem Übergriff eine (Mit-)Schuld. Zudem entbehrt es jeglicher Grundlage, daraus pauschal auf eine „Auseinandersetzung unter Strichern“ zu schließen – auch nichtbezahlte Mahnbescheide der BVG können einen Haftbefehl zur Folge haben.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: „MANEO ist immer wieder mit dem Versuch der Bagatellisierung von Gewalt konfrontiert. Deshalb hat MANEO seit Bekanntwerden der Tat durch wiederholte Zeugenaufrufe eine umfassende Aufklärung durch die polizeilichen Ermittlungen unterstützt – nicht zuletzt um Gerüchten und Trittbrettfahrern keinen Raum zu geben. Das Ermittlungsergebnis gilt es nun abzuwarten.“






Berlin, den 24.01.2009

Mahnwache nach neuerlichem Übergriff auf Schwule in Berlin:

Wowereit verurteilt zunehmende Gewalt gegen Homosexuelle MANEO: „Anteilnahme und Solidarität!“

Berlins schwullesbische Szenen reagieren mit Betroffenheit auf den neuerlichen Übergriff auf schwule Männer in Berlin. Rund 500 Berlinerinnen und Berliner beteiligten sich an der Solidaritätskundgebung heute Mittag im Schöneberger Kiez unweit des Tatorts.

mahnwache Ein 23-Jähriger war am vergangenen Mittwoch, gegen 1:30 Uhr nachts, lebensgefährlich verletzt worden, nachdem er und ein 24-jähriger Freund in der Kleiststraße / Ecke Eisenacher Straße von fünf bislang unbekannten Tätern brutal angegriffen wurden. Der Zustand des 23- Jährigen, der infolge schwerer Kopfverletzungen notoperiert werden musste, ist mittlerweile stabil. Aufgrund der Tatumstände vermutet MANEO einen homophoben Hintergrund. Zeugen werdenwerden gebeten, sich an die ermittelnde Polizeidirektion 4 oder ans MANEO-Überfalltelefon zu wenden: Tel. 216 33 36.

Mit der heutigen Mahnwache wollte MANEO ein Zeichen setzen: „Den Betroffenen gilt unsere Anteilnahme und Solidarität. Deswegen zeigen wir gemeinsam Gesicht gegen Gewalt“, so Projektleiter Bastian Finke.

Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, verurteilte im Vorfeld der Mahnwache die neuerlichen Gewaltakte gegen Homosexuelle scharf. Feindseligkeit gegen Lesben und Schwule sei „nach wie vor ein virulentes Problem“ in Berlin, weswegen die Zivilgesellschaft gefordert sei,„Courage zu beweisen und Gesicht zu zeigen gegen Intoleranz und Gewalt.“

Dem pflichtete auch Klaus Böhning, Mitglied des Berliner SPDParteivorstandes, bei und forderte, dass „nun Taten folgen müssen.“


An der Mahnwache beteiligten sich Vertreter sämtlicher Fraktionen, darunter Mechthild Rawert MdB (SPD), Sascha Steuer MdA (CDU), Stefan Liebig MdA (Linke), Thomas Birk MdA (Grüne), und Markus Löning MdB (FDP).
Sie verurteilten den Übergriff und sprachen den Betroffenen ihre Anteilnahme aus. Anwesend waren auch Berlins Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, sowie die ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Schöneberg, Dr. Elisabeth Ziemer.

v.l.n.r. Anja Kofinger MdA (Grüne), Dr. Elisabeth Ziemer, Thomas Birk MdA (Grüne): „Es ist aberwitzig, dass MANEO – mittlerweile weltweit bekannt durch vorbildliche Aktionen – mit nur einer hauptamtlichen Stelle besetzt ist. Das Land Berlin ist gefordert.“ Foto © B. Mannhöfer



Bastian Finke, MANEO-Projektleiter und Begründer des seinerzeit als Präventionsprojekt initiierten Lesbisch-Schwulen Stadtfestes, mahnte in seiner Ansprache an, erreichte Erfolge der Präventions- und Opferhilfearbeit nicht fortwährend aufs Spiel zu setzen:


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Die Mehrheit der schwulenfeindlichen Taten ereignen sich in aller Öffentlichkeit.
Homophobe Hassgewalt ist kein Dunkle-Seitenstraßen-Phänomen!

Der Angriff gegen ein oftmals willkürlich ausgewähltes Opfer besitzt eine stets einschüchternde Botschaft gegen die ganze (Opfer-)Gruppe. Hassverbrechen stellen eine Bedrohung dar, weil sie ein Menschenrecht verletzten: das Recht eines jeden Menschen, gleichwertig und Mitbürger unserer Gesellschaft zu sein.

Bastian Finke, MANEO-Projektleiter „Solidarität zeigen!“ © Foto B. Mannhöfer

Es ist nicht das erste Mal, dass hier im Schöneberger Kiez homophobe Übergriffe stattgefunden haben. Ich erinnere mich noch genau an den Anfang der 1990er-Jahre: Nach wiederholten schweren Übergriffen hatte ich seinerzeit die Betreiber und Wirte des Kiezes wieder und wieder eingeladen, um mit ihnen einen Weg aus der Gewalt zu suchen, und um Vertrauen in die Arbeit der Polizei zu ebnen.

Als Zeichen eines neuen Bündnisses habe ich dann das Lesbisch-Schwule Stadtfest initiiert. Nach sechs Jahren allerdings mussten wir die Leitung in andere Hände übergeben, weil wir uns auf die steigende Nachfrage in unserer Opferhilfearbeit konzentrieren mussten – für unsere gewaltpräventive Öffentlichkeitsarbeit blieben dadurch kaum Ressourcen übrig, obwohl uns die Notwendigkeit, diese weiter auszubauen, bewusst war.

Wir brauchen konstruktive Zeichen gegen Gewalt. Und Ja!, wir können etwas gegen homophobe Gewalt tun!

Wir können zu aller erst unseren Mund aufmachen und sagen, dass wir gegen Ausgrenzung, diskriminierende Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe sind, diese nicht länger tolerieren: Auf Schulhöfen, auf der Arbeit, in Kneipen, beim Sport, auf der Straße. Alle sind aufgefordert Gesicht zu zeigen und Zeichen zu setzen. Mit einer klaren, eindeutigen und unmissverständlichen Haltung entziehen wir Tätern den letzten Schein, ihr tun sei irgendwie auch nur ansatzweise moralisch gerechtfertigt.

Wir sind es leid, dass zu viele Menschen in der Gesellschaft noch immer homophobe Gewalt bagatellisieren, dass unsere ständigen Hinweise und Appelle an unsere Senatsverwaltung ständig in den Wind geschlagen werden. Immer wieder wurde uns erklärt, es sei doch alles gar nicht so schlimm, oder gar, dass ein Wettbewerb zwischen Opfergruppen vorurteilsmotivierter Gewalt begünstigt wird – die hier seien mehr und die anderen seien weniger betroffen.

Hassgewalt ist Hassgewalt. Jedes Opfer verdient es, in seiner individuellen Betroffenheit wahrgenommen zu werden, unterstützt zu werden, Solidarität zu erhalten.

Wir sind es leid, immer nur abgewimmelt zu werden. Wir erwarten mehr. Wir erwarten mehr Mut, mehr Haltung und mehr Einsatz – auch von der Verwaltung, auch von der Politik.

Ich adressiere meinen Appell an alle, an die breite Öffentlichkeit: Schreiten Sie ein, wenn Ihnen wieder einmal der Satz ‚Schwule Sau!’ entgegen schallt!

Mit der Mahnwache verbinden wir gemeinsam mit dem LSVD vor allem den Wunsch, unsere Unterstützung und Solidarität mit den Opfern auszudrücken, und damit ein deutliches Signal in die Gesellschaft zu vermitteln, dass unsere Anteilnahme und Solidarität in erster Linie den Betroffenen, Angehörigen und Freunden der Betroffenen gehören. <<


LINKS:


Taz-Artikel: Mahnwache nach Überfall auf Schwule






Berlin, 23.01.2009

Anteilnahme und Solidarität

Nach dem neuerlichen Übergriff auf schwule Männer in Berlin reagieren Berlins schwullesbische Szenen mit Betroffenheit. MANEO ruft zu Solidarität und Anteilnahme mit den Opfern auf: Mahnwache am Samstag, den 24.01.2009, um 12 Uhr, Kleiststr. / Ecke Eisenacher Straße (Berlin- Schöneberg). MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: „Wir wollen ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern setzen.“

Plakat:Protect every kiss Bereits wenige Stunden nach dem schweren Überfall auf zwei schwule Männer vom vergangenen Mittwoch war MANEO durch vernetzte Einrichtungen im Schöneberger Kiez von dem Vorfall unterrichtet worden und hatte Kontakt mit Betroffenen herstellen können.

Ein 23-jähriger schwuler Mann war am Mittwoch, 21. Januar, gegen 01:30 Uhr, nach einem Angriff lebensgefährlich verletzt worden. Wie berichtet, waren er und ein 24- jähriger Freund in der Kleiststraße / Ecke Eisenacher Straße von fünf bislang unbekannten Tätern angegriffen worden. Der Zustand des 23-Jährigen ist mittlerweile stabil.

Bereits am Mittwoch Abend zogen Mitarbeiter von MANEO mit einem der Betroffenen durch die unweit des Tatorts gelegenen schwulen Bars und Cafés, informierten Gäste und Betreiber und riefen mit Handzetteln dazu auf, dass sich mögliche weitere Zeugen bei der Polizei oder beim Überfalltelefon melden sollen.
MANEO ruft weiterhin Zeugen dazu auf, ihre Beobachtungen der ermittelnden Polizeidirektion 4 mitzuteilen, Tel. 4664-472510, oder sich vertrauensvoll ans MANEO-Überfalltelefon zu wenden: Tel. 216 33 36.

Plakat: Seine beiden bereits bekannten „protect every kiss“- Motive
wird MANEO in Kürze auf einem gemeinsamen Plakat berlinweit verteilen.

Mahnwache - Samstag, den 24. Januar, 12:00 Uhr
Kleiststr. / Ecke Eisenacher Str. (Berlin-Schöneberg)

Nach Rücksprache mit dem LSVD hatte MANEO seine Mahnwache, die ursprünglich für den heutigen Freitagabend angekündigt war, auf den morgigen Samstag verschoben. Da MANEO um ein Bild der Einigkeit bemüht ist, rufen nun MANEO und der LSVD gemeinsam zu einer Solidaritätskundgebung am Samstag, den 24. Januar 2009, um 12:00 Uhr, in der Kleiststraße / Ecke Eisenacher Straße auf.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt:
<< MANEO ist Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt. Seit nahezu 19 Jahren arbeitet unser Projekt erfolgreich als Opferhilfe, als Meldestelle von vorurteilsmotivierten schwulenfeindlichen Gewalttaten und als Gewalt- und Kriminalpräventionsprojekt in der Stadt.

Wiederholt haben sich in der Vergangenheit immer wieder auch schwere Übergriffe gegen Schwule in der Gegend zwischen Nollendorfplatz und Wittenbergplatz ereignet. Hierzu zählen Belästigung und Beleidigungen ebenso wie Raub und körperliche Übergriffe. Immer wieder erleben Schwule und Lesben in Berlin, die in der Öffentlichkeit als Homosexuelle sichtbar geworden sind, Beleidigungen und Anfeindungen. Dies dürfen wir nicht hinnehmen.

Wir sprechen hier von vorurteilsmotivierter Gewalt, von Vorurteilskriminalität, von Hassgewalt. Der Angriff gegen ein oftmals von Tätern willkürlich ausgewähltes Opfer besitzt eine stets einschüchternde Botschaft gegen die ganze (Opfer-)Gruppe, die die gleichen Merkmale besitzen: hier die Homosexualität.

Hassverbrechen richten sich gegen die Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaft. Sie stellen eine Bedrohung dar, weil sie ein Menschenrecht verletzten: das Recht eines jeden Menschen, gleichwertig und Mitbürger unserer Gesellschaft zu sein.

Deshalb:
Angriffe auf Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung sind auch Angriffe auf die Menschenwürde als Gemeinschaftswert.

Aus diesem Grund hat MANEO vor drei Jahren eine Toleranzkampagne www.maneo-toleranzkampagne.de initiiert und dazu beigetragen, dass Homophobie und Hassgewalt in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird. Doch wir sehen, dass unsere Bemühungen, wie auch die vieler anderer, noch lange nicht ausreichen.

Mit der Mahnwache verbinden wir vor allem den Wunsch, unsere Solidarität und Unterstützung mit den Opfern auszudrücken, und damit ein deutliches Signal in die Gesellschaft zu vermitteln, dass unsere Anteilnahme und Solidarität in erster Linie den Betroffenen, Angehörigen und Freunden der Betroffenen gehören.

An unsere Verwaltung und Politik richtigen wir den Appell, endlich den Weg frei zu machen, dass ein Projekt wie MANEO auch bedarfsgerecht gefördert wird, dass unser mittlerweile überlaufenes Projekt nicht auch noch jedes Jahr aus Neue für den Erhalt der eigenen Projektarbeit kämpfen muss. >>






Berlin, den 22.01.2009

Nach schwerem Übergriff auf schwule Männer im Schöneberger Kiez:

MANEO ruft auf zur Mahnwache am Freitag, 23. Januar, 19 Uhr

Infolge des schweren Übergriffs auf schwule Männer, der sich in der Nacht zu Mittwoch im Berlin-Schöneberger Kiez unweit eines Szene-Lokals ereignete, wurde ein 23-jähriger Betroffener lebensgefährlich verletzt. Wie berichtet, waren er und ein 24-jähriger Freund am Mittwoch gegen 01:30 Uhr in der Kleiststraße / Ecke Eisenacher Straße von fünf bislang unbekannten Tätern angegriffen worden, die in Richtung Kalckreuthstraße flüchteten. Der Zustand des 23-Jährigen ist mittlerweile stabil.

MANEO bittet Zeugen, die ermittelnde Polizeidirektion 4 zu kontaktieren, Tel. 4664-472510, oder sich vertrauensvoll ans MANEO-Überfalltelefon zu wenden: Tel. 216 33 36.

MANEO ruft zur Teilnahme an seiner Mahnwache am morgigen Freitag, 19:00 Uhr, am Ort des Übergriffs, auf.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke erklärt: „Wir sind erschüttert angesichts der Brutalität und wollen ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern setzen.“

MANEO Mahnwache „protect every kiss“
am Freitag, den 23. Januar, 19:00 Uhr, Kleiststr. / Ecke Eisenacher Str. (Berlin-Schöneberg)






21.01.2009

Neuer gefährlicher Überfall gegen schwule Männer

Heute früh wurde ein 23jähriger schwuler Mann mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht.

MANEO bittet Zeugen um Mithilfe

Heute früh, gegen 01:30 Uhr, haben vier bis fünf bisher unbekannt gebliebene Männer einen 23- und einen 24-jährigen schwulen Mann unweit der Kleiststraße Ecke Eisenacher Straße angesprochen. Die Täter schlugen dann sofort auf die Geschädigten ein. Der 24-jährige konnte sich in ein nahegelegenes Lokal flüchten, um dort Hilfe zu verständigen.

Ein 21-jähriger Bekannter kam ihnen sofort zu Hilfe, wurde dann selbst auch von den Tätern angegriffen und mehrfach ins Gesicht geschlagen. Der 21-jährige berichtete, dass er beobachtet habe, wie die Täter auf den schwerverletzten 23-jährigen, der bereits bewusstlos auf dem Boden lag und stark blutete, weiter gegen Kopf und Körper eingetreten haben.

Während Krankenwagen, Notarzt und Polizei verständigt wurden, habe er sich um seinen Bekannten gekümmert. Dieser habe so stark auf dem Mund geblutet, dass er drohte, am eigenen Blut zu ersticken. Wie die Polizei mitteilt, wurde der 23-jährige mit massiven Gesichtsverletzungen, einer Schädelfraktur und Hirnblutung ins Krankenhaus gebracht, wo er notoperiert werden musste.

Die Täter sind Richtung Kalckreuthstraße geflüchtet.

Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei der Polizeidirektion 4 übernommen.

MANEO bittet Zeugen, die etwas um diese Uhrzeit beobachtet haben, sich bei der Polizei zu melden oder sich auch vertraulich ans Überfalltelefon zu wenden: Tel. 216 33 36.






Berlin, den 12.01.2009

MANEO auf Einladung im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses angehört:

‚Berliner Aktionsplan gegen Homophobie’ weiter ausbauen!“

Logo Toleranzkampagne Auf Einladung des Innenausschusses hat MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, am heutigen Montagmittag zum „Berliner Aktionsplan gegen Homophobie“ Antrag hier lesen der Grünen-Fraktion Stellung genommen.

In der Anhörung, der unter anderem Polizeipräsident Dieter Glietsch, Innensenator Dr. Erhart Körting und Vertreter weiterer Ausschüsse des Parlaments beiwohnten, betonte MANEO-Projektleiter Bastian Finke erneut die Wichtigkeit und Dringlichkeit eines solchen Aktionsplans und begrüßte die Beschlussvorlage als richtungweisend.

Unter Berufung auf die Erfahrungen und Erkenntnisse der nunmehr 19-jährigen Opferhilfe- und Anti- Gewalt-Arbeit von MANEO, sowie unterstützt durch die Darstellung der beiden Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Berliner Polizei, Uwe Löher und Maria Tischbier, erklärte Finke: „Wir sehen zwei Problembereiche angesprochen, die dringend einer Nachbesserung bedürfen: den Bereich Opferhilfe und den Bereich Gewaltprävention.Die Opferhilfe führt in unserer Gesellschaft noch immer ein Schattendasein. Dabei gilt, wie das Deutsche Forum für Kriminalprävention treffend formuliert: ‚Auf gesellschaftlicher Ebene fordert der Botschafts- und Aufforderungscharakter der Vorurteilskriminalität klare Unterstützungssignale an die Opfer. (...) Auf die angstmachende Botschaft muss mit einer starken Gegenbotschaft der Gemeinschaft reagiert werden, um die potentiellen Opfer zu ermutigen.’

MANEO leistet seit 1991 professionelle Opferhilfe – für Jugendliche und Erwachsene, in erster Linie Berliner, das heißt in Berlin geborene und zugezogene Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft, aber auch für Touristen, die Berlin besuchen.

Unsere spezialisierte Opferhilfe steht dabei vor einem besonderen Hintergrund, nämlich dem einer langanhaltenden Verfolgungsgeschichte von homosexuellen Männern in unserer Gesellschaft unter dem §175 – sowie aller seiner Nachwirkungen. Bis heute erleben viele Jugendliche ihr Coming-out als Spießrutenlauf, an Schulen, in der Familie, im gesellschaftlichen Umfeld. Unsere Arbeit berücksichtigt diese besonderen Schwierigkeiten.

Professionelle Opferhilfe kann, als interdisziplinäres Werkzeug, einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Fehlentwicklungen in der Versorgung und Unterstützung des Opfers zu korrigieren. Hierauf gilt es einen Schwerpunkt zu legen.

Im Bereich der Gewaltprävention macht es das hohe Dunkelfeld nicht-angezeigter Straftaten erforderlich, vertrauensbildend in den unterschiedlichen Szenen unserer Stadt zu arbeiten – vor allem auch den Tätern die Sicherheit zu nehmen, Homosexuelle würden sich nicht wehren und bei der Polizei nicht ernst genommen, nicht gleichwertig behandelt.

Neben notwendiger, allgemein zu fördernder gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit muss vor allem Vertrauensarbeit mit Vorbildcharakter in den Szenen unserer Stadt geleistet werden. In diesem kriminalpräventiven Bereich war MANEO immer schon aktiv tätig.

In zahlreichen Runden Tischen haben wir gezielt die Polizei mit eingebunden und dazu beigetragen, dass Vertrauen in den schwulen Szenen gegenüber der Polizei wachsen konnte – ein langanhaltender, noch immer mühseliger Prozess, wie wir sehen.

Seit einigen Jahren mussten wir nun aufgrund wachsender Nachfragen im Bereich der Opferhilfe unsere gewaltpräventive Vorort-Arbeit stark reduzieren. Uns fehlt die Zeit – obgleich wir feststellen müssen, dass die sich ständig verändernden Szenestrukturen in unserer Stadt eine intensive, regelmäßige Vorort-Arbeit erforderlich machen.

Jedoch: Unsere Anträge, Ressourcen für unsere Arbeitsbereiche Opferhilfe sowie Gewaltschutz- und Gewaltprävention zu verbessern, wurden in den letzten Jahren von der zuständigen Senatsverwaltung regelmäßig abgelehnt.

Dabei belasten die durch Straftaten verursachten Schäden – aber auch die Folgen von Fehlentwicklungen in der Nachsorge – in einem ganz erheblichen Maße den Polizeiapparat, die Justiz, das Sozial- und Gesundheitssystem. Vorurteilsmotivierte Gewalttaten belasten darüber hinaus den sozialen Frieden.

Dadurch, dass an der falschen Stelle gespart wird, zahlen letztlich alle drauf.“


Der Antrag „Aktionsplan gegen Homophobie“ im Wortlaut: Antrag hier lesen