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Berlin, 18.04.2011

Gedenktafel für ermordete schwule Polizisten in Spandau enthüllt

Am Mittwoch, den 13. April 2011, wurde in der Moritzstraße in Spandau am Gebäude des Polizeiabschnitt 21 eine Tafel zum Gedenken an vier unter dem Nazi-Regime ermordete schwule Polizisten enthüllt. Innensenator Dr. Ehrhart Körting und Polizeipräsident Dieter Glietsch übergaben im Rahmen einer feierlichen Gedenkstunde die bronzene Tafel der Öffentlichkeit.

MANEO-Mitarbeiter legten ein Blumengesteck nieder.MANEO-Mitarbeiter legten ein Blumengesteck nieder.

Während der letzten Kriegstage im April 1945 wurden die Inhaftierten der Moritzkaserne in Spandau angesichts des nahenden Kriegsendes im Schnellverfahren begnadigt und entlassen. Einzige Ausnahme bildeten vier Berliner Polizisten, die wegen des Verdachts auf homosexuelle Neigungen festgehalten wurden. Otto Jordan, Reinhard Höpfner, Willi Jenoch und ein Mann mit dem Namen Bautz, dessen genaue Identität bis heute nicht geklärt werden konnte, wurden am 24. April 1945, nicht weit von dem Ort an dem die Gedenktafel sich nun befindet, hingerichtet und namenlos vergraben. Der Rechtsverstoß der Homosexualität erschien den Vollstreckern doch zu schwerwiegend, um trotz der nahenden Kapitulation, wie bei den übrigen Gefangenen, zu einer Begnadigung zu führen.

In einer ausführlichen Ansprache bekannte sich der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch zu dem schweren Erbe, das die Polizei aus den Zeiten des Nazi-Regimes bis heute zu tragen hat. Die Hinrichtung der vier Polizisten sei nur ein Beispiel für die homophobe, menschenverachtende Haltung innerhalb der polizeilichen Strukturen zu jener Zeit. Die Institution Polizei habe zu jedem Zeitpunkt der Nationalsozialistischen Herrschaft eine wichtige und tragende Rolle eingenommen, die die diskriminierenden und gewalttätigen Machenschaften des dritten Reiches wesentlich und unterstützend ermöglichten. Der Auftrag der Polizei, ungeachtet von Herkunft, Gesinnung oder auch der sexuellen Orientierung, die Würde des Menschen zu schützen und zu verteidigen sei, und dies insbesondere auch im Umgang mit Homosexuellen, beschämend missachtet worden.

Mit der Tafel will die Berliner Polizei nicht bloß den hingerichteten vier Polizisten ein Denkmal setzen, sondern auch das Vertrauen der Schwulen in die Polizei Schritt für Schritt zurückgewinnen.

"Die Polizei hat in der Vergangenheit und das bis in die fünfziger, sechziger Jahre hinein, viele Fehler im Umgang mit Homosexuellen, nicht zuletzt in den eigenen Reihen, begangen. Das Vertrauen der Homosexuellen in die Polizei ist nach wie vor beschädigt und wir müssen weiter daran arbeiten, dies zu ändern. Die Einrichtung der Stelle eines Beauftragten für Homosexuelle Belange in den neunziger Jahren oder die Enthüllung dieser Gedenktafel sollen auf diesem Wege Zeichen setzen", so Dieter Glietsch, Polizeipräsident von Berlin.

MANEO würdigt das Engagement der Berliner Polizei: "Wir danken Herrn Glietsch für seine bedeutende Rede und für dieses Zeichen. Es bedarf weiterhin noch großer Anstrengung in Deutschland, das Vertrauen unter Schwulen und Bisexuellen, aber auch unter Trans*-Personen und Lesben, zurück zu gewinnen. Wir sind froh, dass wir mit dem Berliner Polizeipräsidenten in Berlin einen so mutigen Mitstreiter in diesem Bemühen gefunden haben."

Im Gedenken an die vier Opfer und die während der Naziherrschaft verfolgten und ermordeten Homosexuellen legten die MANEO-Mitarbeiter zum Ende der Veranstaltung einen Kranz nieder.

 

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