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Berlin, 11.06.2011

Zwei Jahre nach dem Anschlag: "Regenbogenbrücke" auf Gegenbesuch in Tel Aviv

Am 6. Juni reiste unter Leitung von MANEO eine 18-köpfige Delegation aus Berlin und Köln nach Tel Aviv, unter ihnen eine parteiübergreifende Delegation des Berliner Abgeordnetenhauses. Der achttägige Aufenthalt findet im Rahmen der „Regenbogenbrücke“ und als Gegenbesuch der von MANEO im letzten Jahr organisierten Einladung von Jugendlichen aus Tel Aviv nach Berlin statt, die 2009 einen Anschlag auf einen Jugendtreff der LGBT-Organisation Agudah in Tel Aviv überlebt hatten. Bei dem Anschlag waren zwei junge Menschen erschossen und 13 weitere zum Teil schwer verletzt worden.

Empfang in der Deutschen Botschaft in Israel, mit dem MANEO- Knutschbär-Souvinier „KissKissBerlin“ (im Foto, v.l.n.r.): Dr. Peter Prügel (Gesandter der Deutschen Botschaft in Israel), André Lossin (Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde zu Berlin), Dr. Harald Kindermann (Deutscher Botschafter in Israel), Tom Schreiber (Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus, SPD) und Bastian Finke (MANEO- Projektleiter). © Foto MANEOEmpfang in der Deutschen Botschaft in Israel, mit dem MANEO- Knutschbär-Souvinier „KissKissBerlin“ (im Foto, v.l.n.r.): Dr. Peter Prügel (Gesandter der Deutschen Botschaft in Israel), André Lossin (Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde zu Berlin), Dr. Harald Kindermann (Deutscher Botschafter in Israel), Tom Schreiber (Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus, SPD) und Bastian Finke (MANEO- Projektleiter). © Foto MANEO

Auf dem Programm standen Gespräche mit der israelischen Polizei in der Hauptwache in Jaffa; zentraler Punkt des Gespräches war der Erfahrungsaustausch im Umgang mit Hassgewalt gegen LGBT- Personen in Tel Aviv, Berlin und Köln – ein Thema, das seit dem Anschlag in Israel verstärkt diskutiert wird. Seitens der israelischen Vertreter wurde besonderes Interesse an den praktischen Arbeitsergebnissen der Polizei in Berlin und Köln betont, ebenso an der Dokumentation und Gewalterfassung von MANEO.

Anlässlich der bevorstehenden CSD-Veranstaltungen in Tel Aviv und Jerusalem fand in der Knesset ein Empfang von LGBT- Repräsentanten durch den Knesset- Abgeordneten Nitzan Horrowitz (Meretz) statt. Im Rahmen der anschließenden Anhörung zum Thema „Regenbogenfamilie“, an der u.a. der Parlamentspräsident der Knesset Rubi Rivlin (Likud) und die ehemalige israelische Außenministerin und Oppositionsführerin Tzipi Livni (Kadima) teilnahmen, dankte Horrowitz den deutschen Delegationsmitgliedern nochmals für ihr Engagement. Nach einem Besuch im Willy-Brandt-Center (WBC) wurden die Teilnehmer tags darauf im Agudah-Zentrum von der stellvertretenden Bürgermeisterin von Tel Aviv, Meital Iehavi, und der Ratsvorsitzenden des Tel Aviver Statrates, Yael Dayan, begrüßt, die ebenfalls noch einmal dem Engagement der von MANEO angeleiteten Delegation dankte.

Neben Berliner Jugendlichen, die im letzten Jahr ihre Tel Aviver Gäste in Berlin und Köln begleitet hatten, nahmen die Abgeordneten Tom Schreiber (SPD), Sascha Steuer (CDU), Dirk Beherndt (Grüne) und Sylvia von Stieglitz (FDP), Vertreter der Berliner und Kölner Polizei, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Kölner AIDS- Hilfe, des Berliner CSD und MANEO teil. Der Gegenbesuch in Tel Aviv, der ausschließlich mit Hilfe von Spenden, Sponsoren und Teilnehmerbeiträgen bezahlt wurde, steht unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, sowie des Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und ehemaligen Bürgermeisters von Berlin, Walter Momper.

Gespräche mit der Polizei

Nach ihrer Ankunft am frühen Montag Morgen standen bereits am Vormittag erste Gespräche mit der israelischen Polizei in der Polizeihauptwache in Jaffa auf dem Programm, wo sie von Police Commander Zachi Chefetz und Police Chief Commander Arik Cohn begrüßt wurden. An dem Gespräch nahmen ebenso Vertreter der Organisation Agudah teil. Zentraler Punkt des Gespräches war der Erfahrungsaustausch im Umgang mit Hassgewalt gegen LGBT-Personen in Tel Aviv, Berlin und Köln. Dabei berichteten die Kriminalkommissarin Maria Tischbier von der Berliner Polizei und Hauptkommissar Volker Streiter von der Kölner Polizei von Ergebnissen ihrer bisherigen Zusammenarbeit mit LGBT-Organisationen und der Bedeutung dieser Kooperation für die Aufklärung und Erhellung des Dunkelfeldes von Gewaltstraftaten zum Nachteil von LGBT-Personen. Der Vertreter der Polizei in Tel Aviv berichtete ausführlich, wie die Einbeziehung von Minderheiten zum Erkenntnisgewinn im Umgang mit Minderheiten beitragen kann.

Mit dem Anschlag auf den Jugendtreffpunkt von Agudah haben Diskussionen über besondere Gefahren und Gewalt gegen Homosexuelle auch in der israelischen Polizei begonnen. Dies bestätigten die Vertreter von Agudah, machten jedoch gleichsam deutlich, dass bisher noch keine konkreten Schritte oder Maßnahmen daraus ersichtlich wurden, die zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen LGBT-Organisationen und Polizei in Israel geführt hätten.

An dem Gespräch nahmen auch zwei Überlebende teil, ebenso Ayala Katz, deren 23-jähriger Sohn Nir bei dem Anschlag erschossen worden war.

Weil die Einbeziehung von und der Dialog mit LGBT-Personen zu Erkenntnisgewinn und Prävention beitragen kann, soll es auf Anregung von Ayala Katz in Kürze zu einem Fortsetzungstermin kommen. Dabei sollen auch konkrete Vorschläge besprochen werden, wie Daten und Zahlen zu Gewalt gegen LGBT besser erhoben werden können. Seitens der israelischen Vertreter wurde besonderes Interesse an den praktischen Arbeitsergebnissen der Polizei in Berlin und Köln betont, ebenso an der Dokumentation und Gewalterfassung von MANEO. Sollte es zu einer erneuten Einladung nach Deutschland kommen, würde man dieser von israelischer Seite aus gerne folgen.

Empfang und Anhörung in der Knesset, anschließend Gespräche im Willy-Brandt-Center

Gleich im Anschluss an das Gespräch mit der Polizei in Tel Aviv stand ein Termin in der Knesset in Jerusalem auf dem Programm. Hier fand zum dritten Mal anlässlich der bevorstehenden CSD-Veranstaltungen in Tel Aviv und Jerusalem ein Empfang von LGBT- Repräsentanten durch den Knesset-Abgeordneten Nitzan Horrowitz (Meretz) statt. Mit dem Empfang ging eine Anhörung einher, in der LGBT- Repräsentanten über das Thema „Regenbogenfamilie“ diskutierten, über weiterhin bestehende Probleme im Sorgerecht, Adoptionsrecht und rechtlicher Gleichstellung von

homosexuellen Paare in der israelischen Gesellschaft. Nitzan Horowitz begrüßte während der Sitzung die Delegation aus Berlin und Köln auf das Herzlichste und dankte ihnen für das besondere Engagement nach dem Anschlag in Tel Aviv und der Einladung der betroffenen Jugendlichen nach Deutschland. An dem etwa zweistündigen Gespräch nahmen insgesamt 16 Knesset- Abgeordnete teil, unter ihnen der Parlamentspräsident der Knesset, Rubi Rivlin (Likud), und die ehemalige israelische Außenministerin und Oppositionsführerin Tzipi Livni (Kadima). Im Anschluss an die Aussprache kam es noch zu einzelnen Gesprächen zwischen Knesset- Abgeordneten und den Abgeordneten aus Berlin.

Den Tagesabschluss bildete am Abend noch ein Gespräch im Willy-Brandt-Center (WBC) an der Grenze zu Ost-Jeruslem. Hier wurden Projekte und Initiativen vorgestellt, die das WBC in Zusammenarbeit mit verschiedenen deutschen, israelischen und palästinensischen Jugendorganisationen entwickelt, an denen u.a. auch die Jugendorganisation der Meretz-Partei aus Israel und der Fatach aus dem West-Jordanland teilnehmen.

Begrüßung durch Stadtoffizielle beim Come-together im Agudah-Zentrum, anschließend Empfang in der Deutschen Botschaft

So dicht gefüllt, wie der erste Tag begann, setzten sich Termine und Gespräch in den folgenden Tagen fort. Am nächsten Tag stellten im Agudah-Zentrum verschiedene LGBT-Organisationen ihre Arbeit vor. Die Delegation aus Berlin und Köln wurde von der stellvertretenden Bürgermeisterin von Tel Aviv, Meital Iehavi, und der Ratsvorsitzenden des Tel Aviver Statrates, Yael Dayan, begrüßt, die ebenfalls noch einmal dem Engagement der von MANEO angeleiteten Delegation dankte. Auch Nitzan Horrowitz nahm noch einmal an diesem Gespräch teil. Es folgte eine Einladung der Stadt Tel Aviv zu einem Essen in Jaffa. Am Nachmittag wurde die Delegation vom Deutschen Botschafter, Dr. Harald Kindermann, in der Deutschen Botschaft begrüßt. Der Gesandte der Deutschen Botschaft, Dr. Peter Prügel, lud am nächsten Tag noch einmal alle Teilnehmer der deutschen Delegation sowie Mitarbeiter und Jugendliche des Agudah-Zentrums sowie LGBT-Vertreter aus Tel Aviv zu einem Abend-Empfang ein.

Während die Berliner Abgeordneten bereits am Mittwoch wieder zurück nach Berlin reisen mussten, erwarteten die übrigen Teilnehmer weitere Begegnungen und Gespräche. Am Donnerstag besuchten sie das Holocaus-Denkmal Yad Vadchem sowie die Altstadt von Jerusalem. Am Freitag sind alle Gäste auf dem Tel Aviver CSD.

In einem Gespräch mit der ARD in Tel Aviv erklärte MANEO-Projektleiter und Leiter der Delegation in Israel Bastian Finke: „Es ist für uns eine große Ehre, von unseren Freunden und auch von so vielen offiziellen Vertretern in Tel Aviv und Jerusalem mit offenen Armen empfangen worden zu sein. Das Interesse ist auf allen Seiten groß, den Austausch fortzusetzen. Wir hoffen, dass die begonnenen Kontakte mit Unterstützung offizieller Stellen weiter fortgesetzt werden.“

Am Samstag wollen sie zusammen noch das beginnende Tel Aviver LGBT-Filmfestival besuchen, das u.a. von „Visit Berlin“ unterstützt wird. Hier wird der Film „Melting Away“ Premiere feiern, der das Thema Transsexualität in berührender Weise behandelt.

Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Gegenbesuch

„Unsere Regenbogenbrücke ist auf Dauer angelegt, nicht nur keine kurzfristige Aktion. Gemeinsam verbindet uns das Bemühen, Diskriminierung und Hassgewalt gegen LGBT zu überwinden“, so Tom Schreiber, MdA (SPD-Fraktion).

„Ich finde es großartig, dass das Team von Agudah weitermacht; seine Warmherzigkeit und sein Engagement sind beeindruckend. Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte und diesen freundlichen Empfang miterleben durfte“, so Sascha Steuer, MdA, (CDU-Fraktion).

„Das Miteinander der israelischen und deutschen Jugendlichen hat mich tief bewegt und beeindruckt“, so Sylvia von Stieglitz, MdA (FDP-Fraktion).

„Projekte wie die Regenbogenbrücke verbinden in geradezu mustergültige Weise konkrete Hilfe für Menschen, die schwerste Gewalterfahrungen machen mussten, mit internationalem Begegnen und Kennenlernen der verschiedenen Gay-Communities. Deshalb habe ich nicht lange nachdenken müssen, als ich um Unterstützung angefragt wurde.“, so Dirk Behrendt, MdA (Grüne-Fraktion).

 

Mehr Bilder in der Galerie: "Regenbogenbrücke - Gegenbesuch 2011"

 

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