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Berlin, 14.05.2012

MANEO stellt Jahresbericht 2011 vor - Bagatellisierung homophober Gewalttaten ist bedrohlich

In einem Pressegespräches stellte heute Projektleiter Bastian Finke den MANEO-Report 2011 mit Zahlen zu schwulenfeindlicher Gewalt in Berlin vor. Er warnte davor, homophobe Gewalt zu verharmlosen. Es sind nicht nur körperliche Angriffe, die das Spektrum homophober Übergriffe ausmachen. Auch Ausgrenzung und Diskriminierung entmutigt Menschen. Das kann gerade für junge Menschen gefährlich werden.

Seit 22 Jahren ist MANEO das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin. MANEO ist vor allem in den Bereichen Opferhilfe, Erfassung von Gewalt, Gewaltprävention und Empowerment tätig.

Im Jahr 2011 wurden MANEO 422 neue Fälle und Hinweise gemeldet (im Jahr 2010 waren es 415 Fälle und Hinweise). 288 Fälle boten genügend Anhaltspunkte, um diese auszuwerten (2010 waren es 292 Fälle). 201 Fälle, die sich auf Berlin bezogen, zeigten einen homophoben Hintergrund auf (2010 waren es 216 Fälle). Die Zahlen von MANEO wurden durch Vertreter der Berliner Polizei ergänzt: „Im Jahr 2011 wurden 92 Taten festgestellt, die sich gegen die sexuelle Orientierung richteten“, so Maria Tischbier, Ansprechpartnerin der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Nach Umständen der Tat bzw. der Motivation des Täters wurden diese Taten dem Themenfeld ‚Hasskriminalität’, Unterthema ‚sexuelle Orientierung’ zugeordnet. Im Vorjahr waren es 109 Taten. Die Aufklärungsquote betrug 33% gegenüber 41% im Vorjahr.

Der MANEO-Report zeigt auf, dass die dominierenden Deliktformen einfache Beleidigungen (30%), einfache und gefährliche Körperverletzungen (21%), und Nötigungen und Bedrohungen (17%) sind. Hierbei ist Schöneberg der Bezirk, für den die mit Abstand meisten Fälle gemeldet werden (27%), gefolgt von Kreuzberg (17%). Anders als gemeinhin angenommen sind die Tatorte nicht vorrangig die schwulen Treffpunkte, sondern ereignen sich überwiegend im Bereich öffentlicher Straßen und Verkehrsmittel.

Die aus der Projektarbeit ermittelten Zahlen lassen keinen Rückschluss auf die Entwicklung der tatsächlichen Prävalenz homophober Gewalttaten in Berlin zu. „Wir müssen darauf hinweisen, dass vor dem Hintergrund der geringen Zahlenmenge Abweichungen gegenüber den Vorjahren weder auf eine Zu- noch auf eine Abnahme der homophoben Gewalt schließen lassen“, so Basti-an Finke. „Die Anzahl der erfassten homophoben Gewalttaten in Berlin bewegt sich auf einem gleichbleibend hohen Niveau.“

MANEO und die Polizei Berlin gehen davon aus, dass bis zu 90 % der homophoben Gewalttaten in Berlin nicht gemeldet werden.

„Für uns als MANEO spielt auch eine Rolle, dass wir jedes Jahr an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen: Wir sind von unserer finanziellen und personellen Ausstattung her nicht in der Lage, bei Hinweisen zu ermitteln. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Die von uns dokumentierten und erfassten Fälle sind immer nur ein Ausschnitt aus der tatsächlichen Berliner Realität. Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, das Dunkelfeld zu erhellen und Betroffenen Hilfe anzubieten. Die Zunahme der Hinweise, die wir in den letzten Jahren feststellen, zeigt deutlich, dass wir immer mehr auch die vielfältigen Berliner Szenen erreichen, Vertrauen schaffen und Betroffene an Hilfen vermitteln können“.

Gefahr durch Bagatellisierung

Eine Gefahr geht weiterhin von der vorherrschenden Bagatellisierung homophober Gewalttaten aus: „Das betrifft vor allem Schwache in der Gesellschaft, wie eben gerade auch junge Menschen. Eine Atmosphäre, die mit Vorurteilen angereichert ist und Angst und Aggressionen gegenüber Schwulen, Lesben und Trans*-Personen schürt, wirkt auf Betroffene bedrohlich. Die Folgen können gravierend sein – besonders dann, wenn Betroffene keinen Zugang zu Beratung und Unterstützung haben. Gesellschaftliche Aufklärung ist die beste Prävention. Nach wie vor haben wir in Berlin noch viel zu tun“, so Bastian Finke.

Aus diesem Grund widmet sich in diesem Jahr die von MANEO durchgeführten Aktionen zum Internationalen Tag gegen Homophobie diesem Thema: „Homophobie – eine Gefahr für unsere Jugend“, lautet das diesjährige Motto. 

Die Beste Prävention ist Emanzipation

Nach dieser Devise hat MANEO im letzten Jahr zahlreiche weitere Aktivitäten und Maßnahmen durchgeführt – dies Dank zusätzlicher Mittel und mit großer Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter und Helfer. Dazu zählte die aus Mitteln der DKLB geförderte „MANEO-Gewaltpräventionskampagne: Berliner Bündnis gegen Homophobie und Gewalt“, die „Regenbogenbrücke“, d.h. ein deutsch-israelisches Austauschprojekt, die Vernetzungsarbeit im Schöneberger „Regenbogenkiez“ und die diesjährige Vergabe des „Tolerantia-Preis“ für herausragendes Engagement gegen Homophobie 2011 in Paris. Die deutsche Preisträgerin war die ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Lala Süßkind.

Das gewaltpräventive Vor-Ort-Team „die MANEO-Nachtflugbegleiter“ übergibt den MANEO Report morgen, am 15.05.2012, um 10 Uhr, Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses. Am Donnerstag, den 17.05.2012, veranstaltet MANEO anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie öffentliche Kiss-Ins an der Warschauer Brücke (12 Uhr) und am Mehringdamm Ecke Gneisenaustraße (13 Uhr).

Der MANEO-Report 2011 wird in Kürze auf unserer Homepage online gestellt.

 

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