Pressearchiv

Berlin, 17.05.2013

Homophobe Gewaltfälle in Berlin auf gleichbleibend hohem Niveau - Homophobe Hassgewalt bedroht demokratische Prinzipien

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans*phobie stellte MANEO seinen Report für 2012 vor. An dem Pressegespräch nahmen der Staatssekretär für Justiz, Alexander Straßmeir, und der Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Harald Kröger, teil. Staatssekretär Straßmeir berichtete, dass die 2012 eingerichtete Institution einer Ansprechpartnerin bei der Berliner Staatsanwaltschaft für Opfer homophober Hasskriminalität so gut angenommen wurde, dass diese mittlerweile um eine halbe Stelle erweitert wurde.

16.05.2013: Pressekonferenz bei MANEO. Im Foto v.l.n.r: Moritz Kon- radi (MANEO), Bastian Finke (MANEO), Staatssekretär für Justiz Alexander Straßmeir, und Harald Kröger, Ansprechpartner der Berli- ner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Foto © MANEO16.05.2013: Pressekonferenz bei MANEO. Im Foto v.l.n.r: Moritz Kon- radi (MANEO), Bastian Finke (MANEO), Staatssekretär für Justiz Alexander Straßmeir, und Harald Kröger, Ansprechpartner der Berli- ner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Foto © MANEO

Täglich werden Lesben, Schwule, Bi- und Trans*-Personen beleidigt oder auch körperlich angegriffen und verletzt – auch in Berlin. Im Jahr 2012 wurden MANEO 474 neue Fälle und Hinweise gemeldet (im Jahr 2011 waren es 422). Davon boten 294 Fälle genügend Anhaltspunkte für eine Auswertung (2011 waren es 288). 202 Fälle, die sich auf Berlin bezogen, zeigten einen homophoben Hintergrund (2011 waren es 201). 191 Fälle richteten sich gegen Schwule und männliche Bisexuelle und 11 Fälle gegen Lesben. Weitere 7 Fälle richteten sich gegen Trans*-Personen. 71 Fälle hatten den Tatort Berlin ohne einen homopoben oder trans*phoben Hintergrund anzuzeigen, und 32 Fälle lagen außerhalb Berlins.

„Die Fallzahlen liegen damit auf gleichbleibend hohem Niveau“, erklärte Projektleiter Bastian Finke. „Es ist erschreckend genug, dass es diese Gewalttaten nach wie vor gibt. Das muss alle gesellschaftlichen Bereiche herausfordern. Nur wenn wir homophobe Gewalt ernst nehmen, haben wir eine Chance, die Gewalt zurückzudrängen und deren Ursachen zu überwinden“, so Finke.

Die Zahlen von MANEO wurden von der Berliner Polizei ergänzt: „Im Jahr 2012 wurden von der Berliner Polizei 90 Taten festgestellt, die sich gegen die sexuelle Orientierung richteten“, so Harald Kröger, Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Im Vorjahr waren es 95 Taten. MANEO und die Polizei Berlin gehen davon aus, dass bis zu 90 % der homophoben Gewalttaten in Berlin nicht gemeldet werden. Sie erklärten, dass die ermittelten Zahlen keinen Rückschluss auf die Entwicklung der tatsächlichen Prävalenz homophober Gewalttaten in Berlin zulassen, und dass aufgrund der Zahlenmenge weder auf eine Zunoch auf eine Abnahme homophober Gewalt in Berlin geschlossen werden kann.

Der MANEO-Report zeigt auf, dass die dominierenden Deliktformen bei schwulenfeindlichen Gewalttaten einfache Beleidigungen (26%; 2011: 30%), einfache und gefährliche Körperverletzungen (25%; 2011: 21%), und Nötigungen und Bedrohungen (26%; 2011: 17%) sind. Hierbei ist Schöneberg der Bezirk, in dem wieder die mit Abstand meisten Fälle stattfanden (29%; 2011: 27%), gefolgt von Kreuzberg (15%; 2011: 17%) und Mitte (11%). Anders als gemeinhin angenommen ereignen sich diese Taten nicht vorrangig an Treffpunkten der Szenen – Tatorte sind stattdessen überwiegend das öffentliche Straßenland und öffentliche Verkehrsmittel.

„Wir dürfen sowohl in unseren gewaltpräventiven Bemühungen wie auch in der solidaritätsbekundenden Opferhilfe nicht nachlassen. Vor uns liegt noch sehr viel Arbeit“, erklärt Bastian Finke, Leiter von MANEO. „Denn homophobe Hassgewalt ist so, wie auch andere vorurteilsmotivierte Gewalttaten, für unsere demokratische Gesellschaft gefährlich. In ihrem Kern bedroht sie demokratische Prinzipien und Strukturen“.

Vielschichtige Strategien sind erforderlich, um homophobe Hassgewalt zu überwinden

Um homophober Hassgewalt konsequent entgegen zu treten, bedarf es vielschichtiger Strategien, denn Hassgewalt gegen LSBT* ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Erforderlich ist nicht nur, dass für Betroffene Zugangswege verbessert werden und auf deren Ängste und Bedürfnisse eingegangen wird, sondern auch dass auf Seiten der Polizei und Justiz sensibilisiert und fortgebildet wird. Homophobe Straftaten müssen als solche erkannt werden, damit sie verfolgt werden können. Ein erheblicher Anteil von vorurteilsmotivierten Straftaten wird laut Erkenntnissen der OSZE auch deshalb nicht bekannt und verfolgt, weil notwendige Aufklärungsarbeit Polizei und Justiz noch nicht in allen Bereichen erreicht hat. Entsprechend waren, so berichtete Harald Kröger, im letzten Jahr Multiplikatorinnen- und Multiplikatoren-Schulungen bei der Polizei intensiviert worden. Alexander Straßmeir unterstrich, dass auch die Justiz im Bereich ihrer Fortbildungen das Thema mittlerweile mehr berücksichtigt. Dazu trägt die Ansprechpartnerin bei der Berliner Staatsanwaltschaft, Frau Ines Karl, bei.

Seit 23 Jahren besteht MANEO, das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin. MANEO ist vor allem in den Bereichen Opferhilfe, Erfassung von Gewalt, Gewaltprävention und Empowerment tätig. MANEO wird anteilig von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen gefördert. Über 10% des Budgets, das sind mittlerweile € 11.000, muss MANEO aus Eigenmitteln beisteuern. Nur selten werden MANEO in Gerichtsverfahren verhängte Geldbußen zugeweisen. Hier gibt es, und das wurde von Alexander Straßmeir bestätigt, noch Verbesserungsbedarf.

Der vollständige MANEO-Report 2012: www.maneo.de/infopool/dokumentationen.html

 

Newsletter-Anmeldung

Newsletter-Kontakt
Ja, ich interessiere mich für Euren Newsletter. Bitte nehmt mich in Euren Verteiler auf.

weitere Pressemitteilungen

Berlin, 05.12.2013

U-Bahnhof Nollendorfplatz erleuchtet in Regenbogenfarben

mehr »

Berlin, 20.11.2013

MANEO informiert zu Schwerpunktthemen der Gewaltprävention

mehr »

Berlin, 14.11.2013

120 Gäste besuchten das MANEO Charity Dinner 2013

mehr »

Berlin, 07.11.2013

Informationsveranstaltungen zu Schwerpunktthemen der Gewaltprävention

mehr »

Berlin, 15.09.2013

Tolerantia Awards in Warschau verliehen - Maria Sabine Augstein erhält den Tolerantia Award 2013

mehr »

Berlin, 11.09.2013

Einladung zur MANEO-Soiree - Polizei und Staatsanwaltschaft: engagiert gegen homosexuellenfeindliche Gewalt in Berlin

mehr »

Berlin, 10.09.2013

MANEO zeigt Präsenz - MANEO unterstützt Protestaktionen gegen homophobe Gesetze in Russland

mehr »

Berlin, 19.08.2013

Gewaltpräventionsarbeit mit den MANEO-Nachtflugbegleitern - Vorort unterwegs in Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg

mehr »

Berlin, 05.08.2013

MANEO zeigt Unterstützung - In Tel Aviv wurde des Anschlags vor vier Jahren gedacht

mehr »

Berlin, 21.06.2013

“1.000 Kisses, from Berlin to Paris with Love” - Auf dem Berliner CSD sammelt MANEO weiter Küsse

mehr »

Berlin, 20.06.2013

Grußwort von Hertha BSC an MANEO anlässlich der CSD-Saison 2013

mehr »

Berlin, 19.06.2013

Feierstunde im Rathaus Schöneberg

mehr »

Berlin, 16.06.2013

21. Lesbisch-Schwules Straßenfest in Berlin

mehr »

Berlin, 10.06.2013

Jahresempfang des Bundesverbandes der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) - MANEO erhält Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro

mehr »

Berlin, 10.06.2013

Einheitliche Standards in Europa unterstützen Opferschutz- MANEO-Projektleiter Bastian Finke spricht auf Europäischer Opferhilfekonferenz in Edinburgh

mehr »

Berlin, 30.05.2013

Neue Mitglieder im Toleranzbündnis - MANEO-Nachtflugbegleiter besuchen empfehlenswerte Berliner Hotels

mehr »

Berlin, 20.05.2013

Küsse gegen Ausgrenzung und Gewalt - Kiss-Ins zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Trans*phobie

mehr »

Berlin, 17.05.2013

Anläßlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans*phobie (17. Mai) - Hertha BSC wird Mitglied im ‚Berliner Toleranzbündnis‘ – Anschnitt eines Regenbogenkuchens im Olympiastadion

mehr »

Berlin, 17.05.2013

Homophobe Gewaltfälle in Berlin auf gleichbleibend hohem Niveau - Homophobe Hassgewalt bedroht demokratische Prinzipien

mehr »

Berlin, 17.05.2013

Angst, Isolation und Diskriminierung bei LGBT-Personen in Europa weit verbreitet

mehr »

Berlin, 16.05.2013

Anläßlich des Internationalen Tag gegen Homophobie und Trans*phobie - Regenbogenkuchenanschnitt im Berliner Abgeordnetenhaus

mehr »

Berlin, 13.05.2013

Internationaler Tag gegen Homophobie

mehr »

Berlin, 03.05.2013

MANEO-Antrittsbesuch beim neuen Berliner Polizeipräsidenten Klaus Kandt - Berliner Polizei nimmt vorurteilsmotivierte Straftaten ernst

mehr »

Berlin, 02.05.2013

„Kiss-In” am 17. Mai: Internationaler Tag gegen Homophobie und Trans*phobie - Mit Küssen sichtbare Zeichen setzen

mehr »

Berlin, 26.04.2013

Moderation zwischen CSD und CDU in Berlin

mehr »

Berlin, 18.04.2013

Internationaler Tag gegen Homophobie und Trans*phobie - MANEO mobilisiert mit „Kiss Kiss Berlin“

mehr »

Berlin, 17.04.2013

Zwei homophobe Straftaten gegen schwule Männer in einer Woche - Opfer wurde am Theodor-Heuss-Platz auf belebte Straße geschubst – ein weiterer Mann in Kreuzberg mit Messer verletzt

mehr »

Berlin, 16.04.2013

MANEO Soirée – Die Talkrunde - Ich liebe mein Kind! Eltern setzen Zeichen

mehr »

Berlin, 13.03.2013

Internationale Tourismusbörse Berlin - MANEO zeigt Präsenz auf der ITB

mehr »

Berlin, 13.03.2013

MANEO Party-Benefiz – powered by people for tolerance - kiss kiss Berlin 2013

mehr »

Berlin, 20.02.2013

Erfolgreiche Kick-off-Veranstaltung zu neuer MANEO-Kampagne - Expertenrunde diskutierte zu K.O.-Tropfen

mehr »

Berlin, 25.01.2013

Einladung zur MANEO-Soiree

mehr »
PRINT PAGEPDF VERSION