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Berlin, 05.08.2013

MANEO zeigt Unterstützung - In Tel Aviv wurde des Anschlags vor vier Jahren gedacht

Am 1. August 2009, gegen 23:00 Uhr, betrat ein maskierter Mann den Jugendtreffunkt ‚Bar Noar‘ in Tel Aviv und schoss auf die anwesenden Jugendlichen, Jugendarbeiter und Jugendarbeiterinnen. Nir Katz (26) und Liz Troubishi (16) wurden erschossen, fünfzehn weitere junge Menschen schwer verletzt. Auf zahlreichen Veranstaltungen in Israel wurde des Anschlags vor vier Jahren gedacht.

03.08.2013: Auf der öffentlichen Gedenkveranstaltung im Meir Park in Tel Aviv, Israels Gesundheitsministerin Yael German. Foto © S.Kowalski.03.08.2013: Auf der öffentlichen Gedenkveranstaltung im Meir Park in Tel Aviv, Israels Gesundheitsministerin Yael German. Foto © S.Kowalski.

Überschattet wurden die diesjährigen Veranstaltungen von Berichten über die Verhaftung der mutmaßlichen Täter, die Anfang Juni durch die Polizei bekannt gegeben worden war. Folge waren widersprüchliche Meldungen. Das hatte zu erneuten Belastungen unter den Opfern und zu Betroffenheit unter Angehörigen und Freunden geführt. MANEO-Projektleiter Bastian Finke reiste nach Israel, um die Verbundenheit mit den Opfern und Angehörigen des Anschlags zu unterstreichen. Mit der Regenbogenbrücke waren 2010 Jugendliche, die den Anschlag überlebt hatten, zu Ferien nach Berlin eingeladen worden.

Anteilnahme und Solidarität auch aus Berlin

Der Anschlag hatte weltweit unter den LSBT*-Communities für Entsetzen gesorgt. Zahlreichen Solidaritätsbekundungen und Unterstützungsangebote erreichten LSBT*- Organisationen in Israel. Von Berlin aus startete MANEO die "Regenbogenbrücke". Spenden wurden gesammelt, so dass im Sommer 2010 Ju- gendliche, die den Anschlag überlebt hatten, und Angehörige, deren Familienmitglieder erschos- sen worden waren, zu Ferien und Erholung nach Berlin und Köln eingeladen werden konnten. Die "Regenbogenbrücke", die vom SPD-Abgeordneten Tom Schreiber und von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, allen voran dem damaligen Geschäftsführer, André Lossin, und der damaligen Vorsitzenden, Lala Süsskind, unterstützt worden war, hat viele neue Freundschaften zwischen Berlin und Tel Aviv entstehen lassen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist zwischen Agudah und MANEO entstanden.

MANEO als Projekt stand Vorbild für das 'Nir-Katz-Report-Center' in Israel

Am 1. August 2012 eröffnete Agudah das 'Nir-Katz-Report-Center', mit dem fortan Fälle von Diskriminierung und Übergriffe in Israel erfasst und ausgewertet werden sollen. Dem Projekt stand MANEO Pate, nach dessen Vorbild das neue Report-Center aufgebaut wurde.

Am 2. August präsentierte Agudah seinen ersten 'Gewalt-Report'. Mehr als 1.000 Fälle wurden seit dem letzten Jahr gesammelt und ausgewertet. Aus diesem Anlass lud die LGBT*-Organisation in die Bar Noar zu einem Runden Tisch ein, um die Ergebnisse zu diskutieren und weitere Vorhaben zu besprechen. An dem Gespräch nahmen Mitglieder des Vorstandes von Agudah und der Eltern- organisation 'Tehila' teil, außerdem Vertreter der Knesset - u.a. Nitzan Horowitz (Meritz), Merav Michaeli (Meritz), Ofer Shelah, (Yesh Atid), Moshe Mizrahi (Labor Party), David Tzur (Hatnuah), Dov Khenin (Hadash) - Ver- treter der Polizei - u.a. Shimon Nachmani (Tel Aviv, Polizei) und Nissim Daudi (Tel Aviv, Polizei) - und MANEO-Projektleiter Bastian Finke. Er informierte über den Stand der Zusammenarbeit zwischen MANEO, der Berliner Polizei und der Berliner Staatsanwaltschaft, die über viele Jahre wuchs und oft über einen mühseligen Weg führte, ebenso über die fortlaufenden Schulungen und Fortbildungen bei der Berliner Polizei. Allein im letzten Jahr 2012 erreichte MANEO mit seinen Schulungsangeboten über 1.000 Polizeibeamtinnen und -beamte. Von diesen Erfahrungen will zukünftig Agudah lernen und eine ähnliche Kooperation mit der Polizei in Israel anstreben. Bastian Finke hatte zugesagt, deren Bemühungen mit den Erfahrungen aus Berlin zu unterstützen.

Öffentliche Kundgebung in Tel Aviv in Gedenken an die Opfer des Anschlages

Nach einer bewegenden Gedenkveranstaltung am Grab von Nir Katz, die am 1. August im engsten Fami- lien- und Freundeskreis in Modi'in stattfand, folgte am 3. August eine öffentliche Kundgebung im Meir Park in Tel Aviv. Rederinnen und Redner erinnerten an die Belastungen der letzten Wochen, die durch widersprüchliche Äußerungen der Polizei ausgelöst zu vielen öffentlichen Spekulationen beigetragen hatten. Dazu beigetragen hatte neben der Ergreifung der mutmaßlichen Täter auch die vorübergehende Verhaf- tung und die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen einen Jugendarbeiter von Agudah, nach dem einer der Tatverdächtigen erklärt haben soll, die Tat stehe möglicherweise im Kontext einer persönlichen Beziehung zwischen dem Jugendarbeiter und einem Jugendlichen, womit die Tat ein persönlicher Racheakt gewesen sein soll. Nachdem der Jugendar- beiter dieser Version widersprochen hatte und wieder entlassen worden war, schließt nun auch die Polizei die Möglichkeit eines vorurteilsmotivierten Verbrechens nicht aus.

Zu den Rednerinnen und Rednern zählten u.a. die israelische Gesundheitsministerin Yael German, der Bürgermeister von Tel Aviv- Jaffa Ron Huldai, der Knesset-Abgeordnete Nitzan Horowitz, Ayala Katz, Mutter von Nir Katz, sowie MANEO-Leiter Bastian Finke.

Ayala Katz warnte vor wilden Spekulationen und rief sowohl zur Ruhe wie auch die Strafverfolgungsorgane zu gründlicher Ermittlungsarbeit. Sie bat ebenfalls um mehr Rücksichtnahme gegenüber den Opfern des Anschlages.

Allen Hinweisen muss nachgegangen werden

Bastian Finke erinnerte in seiner Ansprache an die Forderungen der OSZE, die in ihrer Beschäftigung mit dem Thema Hate Crime deutlich darauf hingewiesen hatte, dass viele vorurteilsmotivierte Verbrechen deshalb nicht nachgewiesen werden können, weil Ermittlungsorgane oft nicht gründlich oder nur unzureichend ermittelten, deshalb oft Beweise nicht sichergestellt und verloren gingen bzw. Hinweisen nicht nachgegangen werde. Vor diesem Hintergrund fordert die internationale Organisation verbesserte Trainings und Schulungen für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aller mit Ermittlungen beschäftigten Dienststellen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Gesellschaften noch immer tief von homophoben Einstellungen geprägt sind, die Ermittlungen beeinflussen können", so Bastian Finke.

"Wir wissen nicht, zu welchen Ergebnissen die weiteren Ermittlungen führen werden", erklärte Bastian Finke im Anschluss. "Wichtig ist, dass gründlich ermittelt wird. Ich erinnere mich an ein persönliches Gespräch mit Dave O'Malley, den ich 2010 in Laramie (WY) traf und der seinerzeit als zuständiger Sheriff mit dem Fall "Matthew Shepard" beauftrag gewesen war. Er hatte betont, dass nur eine konzentrierte und professionelle polizeiliche Ermittlungsarbeit, die alle Informatio- nen entgegennahm und Beweise nicht von vornherein ausschloss, dazu geführt hatte, eine vorurteilsmotivierte Tat nachzuweisen."

MANEO wird an der Fortsetzung der "Regenbogenbrücke" weiter arbeiten.

 

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