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Berlin, 13.05.2014

MANEO-Report 2013: Dunkelfeld wird weiter erhellt - 290 neue Fälle in Berlin

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans*phobie 2014 stellt MANEO seinen Report für 2013 vor. MANEO wertete 290 Fälle mit homophoben und trans*phoben Hintergründen für Berlin aus. MANEO fordert die Verstärkung von Strukturen, die der Aufklärung, Gewaltprävention und der Opferhilfe dienen.

Täglich werden in Deutschland Lesben, Schwule, Bi- und Trans*-Personen beleidigt oder auch körperlich angegriffen und verletzt. „Dass in Berlin mehr Fälle als in anderen deutschen Regionen bekannt werden erklären wir damit, dass hier wirksamere Strukturen vorhanden sind, die Vorfälle sichtbar machen. In Berlin ist es für LSBT* nicht gefährlicher als in anderen deutsche Großstädten. Die Vorfälle erfordern es, Homophobie und Trans*phobie als gesamtgesellschaftliche Herausforderung ernst zu nehmen“, so Bastian Finke, Leiter von MANEO.

Im Jahr 2013 wurden MANEO 500 neue Fälle und Hinweise gemeldet (im Jahr 2012 waren es 474). Davon boten 353 Fälle genügend Anhaltspunkte für eine Auswertung (2012 waren es 294). 259 Fälle, die sich auf Berlin bezogen, hatten einen homophoben Hintergrund (2012 waren es 202). 246 Fälle richteten sich gegen Schwule und männliche Bisexuelle und 13 Fälle gegen Lesben. Weitere 23 Fälle richteten sich gegen Trans*-Personen. 8 Fälle richteten sich an LSBT* als Gruppe insgesamt. 49 Fälle zum Nachteil von LSBT*-Personen mit Tatort Berlin zeigten keinen homophoben oder trans*phoben Hintergrund, und 14 Fälle lagen außerhalb Berlins.

„Die Fallzahlen liegen damit auf gleichbleibend hohem Niveau“, erklärte Projektleiter Bastian Finke. „Wir haben 2013 mehr Fälle erfassen können als im Vorjahr, was jedoch nicht bedeutet, dass wir eine Zunahme an homophoben oder trans*phoben Übergriffen in Berlin zu verzeichnen haben. Wir haben mit unserer Arbeit dazu beigetragen, Übergriffe zu dokumentieren und sie damit aus dem Dunkelfeld herauszuholen“, so Bastian Finke, Leiter von MANEO. „Dass wir das Dunkelfeld gegenüber letztem Jahr weiter erhellen konnten, lag einerseits an unserer intensiven Gewaltpräventions- und Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir große Präsenz gezeigt und immer wieder Angebote und Erreichbarkeiten von MANEO, Polizei und Staatsanwaltschaft vermitteln konnten. Andererseits ist es uns gelungen, die Koordination zwischen MANEO und den Ermittlungsbehörden zu verbessern, so dass mehr Fälle erkannt werden konnten. Deshalb schließt der MANEO-Report 2013 auch Beiträge der Polizei und Staatsanwaltschaft mit ein.“ MANEO und die Polizei Berlin gehen davon aus, dass bis zu 80-90 % der homophoben Gewalttaten in Berlin nicht gemeldet werden.

Konsequenzen aus der Anzahl der Meldungen

Bereits die bekannt gewordenen Fallzahlen machen deutlich, dass Verstärkungen in der Opferhilfearbeit dringend geboten sind. Dabei geht es nicht nur um die individuelle Beratung und Unterstützung Betroffener, sondern auch darum, dass Menschen, die aufgrund ihrer Identität angegriffen wurden, nicht alleine gelassen werden dürfen, sondern gesellschaftliche Unterstützung und Solidarität erfahren müssen, damit sie zurück in die Mitte der Gesellschaft finden.

Das ist integraler Bestandteil spezialisierter Opferhilfearbeit, die hier geleistet werden muss. Denn vorurteilsmotivierte Hasskriminalität zielt darauf, „das Opfer sowie die Gemeinschaft des Opfers auf Grund ihrer persönlichen Charakteristika einzuschüchtern. Solche Verbrechen vermitteln dem Opfer die Botschaft, dass es nicht willkommen ist; sie bewirken, dass dem Opfer das Recht auf volle Partizipation am Leben in der Gesellschaft verweigert wird. Ferner vermitteln sie Mitgliedern der Gemeinschaft, die die Charakteristika des Opfers teilen, dass auch sie nicht dazugehören und dass sie ebenso Ziele von Verbrechen werden könnten. Deshalb können hate crimes die Struktur der Gesellschaft schädigen und Gemeinschaften zerspalten“, so eine Publikation der OSZE zum Thema Hasskriminalität. Hasskriminalität gefährdet demokratische Strukturen. Gerade deshalb muss hier Opferhilfearbeit die gesellschaftliche Solidarität einbinden und einfordern.

Weitere Ergebniss des MANEO-Reports 2013

Die dominierenden Deliktformen bei schwulenfeindlichen/ homophoben Gewalttaten sind:

Die Bezirke mit den häufigsten Meldungen sind:

Tatorte sind überwiegend:

Die auffällige Zunahme von Vorfällen in Schöneberg bzw. im Schöneberger Regenbogenkiez hatte seit Anfang des Jahres zu einer Intensivierung der Gespräche zwischen MANEO und der Polizei geführt. Durch verstärkte polizeiliche und kriminalpräventive Maßnahmen konnte bis zum Jahresende eine deutliche Abnahme von Vorkommnissen in Schöneberg festgestellt werden.

Sichtbare und ermutigende Signale

Sichtbare und mutige Signale sind erforderlich, um homophober Hassgewalt entgegen zu treten. Mit einem Bündnis will MANEO gesellschaftliche Vernetzung, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen Sichtbarkeit und Präsenz demonstrieren, um jenen entgegen zu treten, die LSBT* aus der Öffentlichkeit verdrängen und in die Isolation treiben wollen. Das wollen beispielsweise jene, die Schwule, Lesben oder Trans*-Personen auf der Straße angreifen, weil sie sichtbar geworden sind. Das wollen auch jene, die Homosexualität oder Trans*sexualität tabuisieren, beispielsweise indem sie verhindern, dass Aufklärungsarbeit an Schulen, im Sport oder in Unternehmen stattfindet.

Deshalb hat MANEO 2009 das ‚Berliner Toleranzbündnis‘ gegründet. Dem Bündnis haben sich bereits 130 Unternehmen angeschlossen – und es wächst weiter. Zu den Mitgliedern zählen z.B. alle bedeutenden Berliner LSBT*-Events, Berliner Hotels, die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), Cine Plus, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Polizei Berlin, Berlin Tourismus, Friedrichstadt-Palast, Komische Oper, Schaubühne am Lehniner Platz, Deutsche Oper Berlin, sowie zahlreiche Cafés, Bars, Restaurants und Geschäfte.

Das Bündnis spiegelt ein breites gesellschaftliches Spektrum wider. Betont wird das Gemeinsame und Verbindende, die Förderung gesellschaftlicher Toleranz und Vielfalt, das entschlossene Eintreten gegen Homophobie und Hassgewalt, gegen jede Form vorurteilsmotivierter gruppenbezogener Gewalt – dies mit vielfältigen Aktionen und Initiativen. Zu diesen zählt beispielsweise auch die mit viel Aufmerksamkeit begleitete und gewürdigte Kuppelbeleuchtung des U-Bahnhofes Nollendorfplatz in regenbogenfarbenem Licht.

Zu dieser Arbeit zählen auch die MANEO Nachtflugbegleiter, die das ganze Jahr über mit zahlreichen Nachttouren durch die vielfältigen Berliner LSBT*-Szenen für Gewaltprävention und Achtsamkeit geworben haben. Mit viel ehrenamtlichem Einsatz und ihrem besonderen Charme sprechen sie Szenenutzer – LSBT* wie Heterosexuelle – Berliner wie Touristen – an und weisen in Gesprächen auf die Angebote von MANEO und Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft hin.

Fallbeispiele:

Beispiel 1: Ein 44-jähriger in Berlin lebender US-Bürger, der zuvor mit zwei Bekannten eine Szene- Bar am Kottbusser Tor verlassen hatte, wurde auf der Adalbertstraße aus einer Gruppe von fünf Männern homophob beleidigt, dann massiv gegen den Kopf geschlagen. Selbst als er am Boden lag, trat der Angreifer mehrmals nach.

Beispiel 2: Die Polizei Berlin meldete am 03.06.2013: „Offenbar wegen seines femininen Erscheinungsbildes wurde ein Mann … in Tiergarten angegriffen. Der 27-jährige war gegen 19 Uhr in der Potsdamer Straße unterwegs, als ihm ein Unbekannter, der ihm mit drei weiteren Männern entgegen kam, unvermittelt gegen den Hals schlug. Anschließend amüsierten sich die Männer über das Opfer und setzten ihren Weg fort.“

Beispiel 3: Am 08.09.2013 wurde eine bekannte Größe der Berliner Tunten- und Transenszene vor der Tür eines Lokals in Charlottenburg ohne Vorwarnung angegriffen. Sie kam erst im Krankenhaus wieder zu sich. Ihr Jochbein war gebrochen und das rechte Auge schwer beschädigt. Sechs Operationen wurden bereits durchgeführt. Das Jochbein wurde mit Metallplatten gerichtet, doch das schwer verletzte Auge bleibt offenbar auf Dauer geschädigt.

Beispiel 4: Die Polizei Berlin meldete am 15.06.2013: „Die Opfer, 23-34 Jahre alt, hatten ihren Angaben nach … gefeiert, als gegen 0.30 Uhr ein unbekannter junger Mann an eine der Frauen herantrat und nach Feuer fragte. Als sie dem Wunsch nachkam, schlug er ihr unerwartet mit der Faust ins Gesicht. Die anderen drei Frauen eilten ihr zur Hilfe, worauf noch zwei weitere junge Männer auftauchten und auf die Frauen einschlugen. (…) Aufgrund der bisher bekannten Umstände wird wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung aus homophoben Motiven ermittelt.“

Der vollständige MANEO-Report 2013:

www.maneo.de/infopool/dokumentationen.html?eID=dam_frontend_push&docID=897

 

 

Dateien:
MANEO-PM-140512-MANEO-Report_2013.pdf
MANEO-Report_2013-140507.pdf
 

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