Pressemitteilung

Berlin, 20.02.2013

Erfolgreiche Kick-off-Veranstaltung zu neuer MANEO-Kampagne - Expertenrunde diskutierte zu K.O.-Tropfen

Auf einer MANEO-Soiree am 8. Februar im Rathaus Schöneberg diskutierten Expertinnen und Experten von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin sowie aus Psychotherapie, Allgemeinmedizin und Opferhilfe über das in den Berliner Szenen weit verbreitete Phänomen „K.O.-Tropfen“. Bereits am Vormittag hatte MANEO auf einer Pressekonferenz seine neue Präventionskampagne „Achtung! K.O.-Tropfen!“ vorgestellt und auf die Notwendigkeit von mehr öffentlicher Aufklärung über Risiken und Gefahren hingewiesen.

Die Experten auf dem Podium der MANEO-Soiree, von links nach rechts: Dr. Thomas Marte, Arzt und Psychotherapeut; Harald Kröger, Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Polizei Berlin; Franziska Krumbiegel, Toxikologin an der Charité Berlin; Martin Reichert, taz; Bastian Finke, Projektleiter von MANEO; Michael von Hagen, Oberstaatsanwalt; Dr. Heiko Jessen, niedergelassener Arzt.  Foto: Tobias SauerDie Experten auf dem Podium der MANEO-Soiree, von links nach rechts: Dr. Thomas Marte, Arzt und Psychotherapeut; Harald Kröger, Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Polizei Berlin; Franziska Krumbiegel, Toxikologin an der Charité Berlin; Martin Reichert, taz; Bastian Finke, Projektleiter von MANEO; Michael von Hagen, Oberstaatsanwalt; Dr. Heiko Jessen, niedergelassener Arzt. Foto: Tobias Sauer

Im Ergebnis unterstrich die vom taz- Journalisten Martin Reichert moderierte Expertenrunde diese Forderung. Harald Kröger, Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Berliner Polizei, erläuterte, dass es sich bei der Beibringung so genannter K.O.-Tropfen keineswegs um einen Bagatelldelikt handele: „Bereits die Verabreichung solcher Mittel gegen den Willen der Betroffenen stellt eine schwere Straftat dar. Straftaten, die anschließend begangen werden, z.B. Raubstraftaten oder Vergewaltigung, verschlimmern das Ausmaß der Tat.“ Deshalb werden diese Taten mittlerweile gesondert ausgewertet, auch wenn die Berliner Polizei dazu aktuell noch keine Zahlen vorlegen kann.

Die Toxikologin Franziska Krumbiegel stellte die Breite der Substanzen vor, die allgemein als „K.O.-Tropfen“ bezeichnet werden. „Einige dieser Substanzen wirken sofort schlaferzwingend, andere können das Bewusstsein so weit einschränken, dass Betroffene sich willenlos fühlen." In letzter Zeit ist als K.O.-Mittel in den Szenen vor allem GHB im Umlauf, das aufgrund seiner stimulierenden Wirkung auch bewusst als Droge eingenommen wird. „GHB ist deshalb so gefährlich,weil es schon bei leichter Überdosierung toxisch wirken kann, das heißt es kann zu schweren Vergiftungen oder sogar lebensgefährlichen Atemdepressionen führen.“

Schwere Straftaten mit oft weitreichenden Folgen für die Betroffenen

Dr. Heiko Jessen und Dr. Thomas Marte, die in ihren Facharztpraxen Betroffene behandelt haben, wiesen auf die schweren Folgen für die Opfer hin: „Die besondere Problematik der schweren Gewalttaten in Zusammenhang mit K.O.-Tropfen ist, dass die Betroffenen keine Erinnerung darüber haben, was ihnen tatsächlich angetan wurde. Dieses Erlebnis kann Menschen traumatisieren“, so Dr. Thomas Marte. „Oft sind Betroffene verunsichert, weil sie sich selbst nicht erklären können, was passiert ist. Wir nehmen ihnen Proben von Blut und Urin ab, um diese dann auf die typischen K.O.- Substanzen untersuchen zu können“, so Dr. Heiko Jessen. „Das sind ja auch Beweismittel“.

Oberstaatsanwalt Michael von Hagen betonte, dass solche Beweismittel schnell sichergestellt werden müssen. Er warb gleichsam um mehr Vertrauen: „Niemand muss sich dafür schämen, dass er in der Szene unterwegs gewesen ist oder eine rauschende Party gefeiert hat. Es geht doch darum, dass Menschen um ihren Spaß gebracht wurden, darum, dass sie Opfer einer schweren Raubtat oder einer Vergewaltigung wurden, die aufgeklärt werden muss. Dafür brauchen wir die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Betroffenen“, so von Hagen.

MANEO informiert und sensibilisiert in den Berliner Szenen

Bastian Finke, Projektleiter von MANEO, erläuterte, dass K.O.-Tropfen-Delikte dem schwulen Anti-Gewalt-Projekt bereits seit den frühen 1990er Jahren bekannt seien. „Jedes Jahr werden uns neue Fälle gemeldet, sowohl Raubtaten wie auch Vergewaltigungen. Betroffenen fällt es oft schwer, über Erlebnisse zu sprechen, weil sie sich oft eine Mitschuld einreden. Mit unserer neuen Kampagne geht es uns vor allem darum, die Szenen zu sensibilisieren, Szenebesucher mit unseren veröffentlichten Tipps zu erreichen und Betroffene zu bewegen, sich uns anzuvertrauen.“

MANEO hatte die Mordserie, bei der im Frühjahr 2012 drei schwule Männer an den Folgen von Vergiftungen mit K.O.-Substanzen starben, zum Anlass genommen, die 2003 initiierte und 2007 erneuert aufgelegte Aufklärungsarbeit zu KO-Tropfen zu intensivieren. Dies war durch kurzfristig erhaltene Mittel von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt möglich geworden. Entstanden sind zweisprachige deutsch-englische Faltblätter und Plakate sowie Informationen auf der MANEO-Website auch auf Französisch, Polnisch, Spanisch, Russisch und Türkisch.

„Bei der Erstellung der Faltblätter haben wir den fachlichen Austausch mit Expertinnen und Experten gesucht“, so Moritz Konradi, MANEO-Mitarbeiter für Gewaltprävention. „Wir verteilen jetzt das Informationsmaterial im Rahmen unserer Vor-Ort Arbeit in den Szenen, zum Beispiel mit den MANEO-Nachtflugbegleitern. Außerdem bieten wir ein spezielles Schulungsangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Szeneeinrichtungen an, um weiter zu informieren.“

Auf der MANEO-Website können die Faltblätter auch als PDF-Datei heruntergeladen werden:
http://www.maneo.de/aktionen/augen-auf-szenetipps.html

 

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