Friedensnobelpreisträgerin besucht MANEO

Die nordirische Friedensnobelpreisträgerin und Trägerin der Carl-von-Ossietzky-Medaille Mairead Corrigan-Maguire besuchte am gestrigen Sonntag einen persönlichen Freund: MANEO-Projektleiter Bastian Finke. Bei dieser Gelegenheit informierte sie sich über aktuelle Entwicklungen in der Anti-Gewalt-Arbeit von MANEO. „Eure Arbeit ist vorbildhaft", so Mairead Corrigan-Maguire.

Ihr Einsatz für Gewaltlosigkeit ist bis heute der rote Faden in ihrer Arbeit: 1976 hatte Mairead Corrigan-Maguire die nordirische Friedensbewegung "Peace People" mitbegründet, wofür sie den Friedensnobelpreis erhielt. Bastian Finke, der sie kurz darauf in Belfast kennengelernt hatte, begleitete in den folgenden Jahren ihre Arbeit; er engagierte sich über zehn Jahre selbst aktiv in Versöhnungsprojekten in Nordirland, nicht selten mit persönlichem Risiko. Seit Ende der 70er Jahre verbindet beide eine persönliche Freundschaft. 1987 organisierte er einen Aufenthalt für die Nobelpreisträgerin in Berlin, bei dem es zu einem bewegenden friedenspolitischen Nachtgebet in der Evangelischen Sophiengemeinde in Ost-Berlin mit rund 700 Teilnehmern kam. Hier solidarisierte Corrigan-Maguire sich öffentlich mit der Arbeit von Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern in der DDR, die an den Änderungsprozessen in ihrem Land mitwirkten, und formulierte ihren Appell „Blossom where you are“. Sie rief die Menschen in der DDR dazu auf, den Wandel aktiv zu unterstützen.

"Gestalte und verändere dort, wo du lebst".

Im Rahmen ihres Freundschaftsbesuches informierte sich Corrigan-Maguire auch über die aktuelle Arbeit von MANEO. Im Jahr des Mauerfalls gegründet, blickt MANEO als Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt auf nunmehr 20 Jahre Erfahrung und auf zahlreiche Erfolgsgeschichten zurück. In den letzten 20 Jahren ist MANEO aus finanziellen Sparzwängen und unterstützt von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Helfern heraus immer wieder über eigene Kapazitätsgrenzen hinausgewachsen. Insgesamt wurden bisher über 8.000 Opfer professionell beraten und unterstützt und zahlreiche Initiativen und Projekte initiiert, an denen sich heute andere Organisationen orientieren. Zur Erfolgsgeschichte gehört so auch das Lesbisch-Schwule Stadtfest mit heute über 350.000 Besuchern aus aller Welt, Jahr für Jahr, oder die ‚Regenbogenbrücke’, mit der von einem Anschlag auf das LGBT*-Zentrum Agudah in Tel Aviv betroffene junge Menschen im letzten August zu Ferien nach Berlin eingeladen wurden, oder die wachsende europäische Zusammenarbeit von Anti-Gewalt-Organisationen.

„Toleranz und gegenseitige Wertschätzung sind keine Selbstverständlichkeit, kein Selbstläufer. Wir müssen das aktiv leben, das heißt uns einsetzen. Wir lernen ständig hinzu, womit wir uns wandeln", so Finke. Corrigan-Maguire bekundete ihre Anerkennung und ihren Respekt vor den Arbeitsleistungen und dem unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter und Helfer, die diese Arbeit tragen und möglich machen. "Gestalte und verändere dort, wo du lebst – das gilt heute genauso. Eure Arbeit ist vorbildlich und wichtig. Macht weiter so!"

„Wir leben Toleranz“

MANEO hat mit seinem Bündnis "Wir leben Toleranz", dem bereits über 50 Partner beigetreten sind, in den letzten zwei Jahren eine motivierte Gemeinschaft organisiert, um die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre weiter voranzutreiben. „Berlin gilt weltweit als eine tolerante Stadt. Und das ist nicht nur gut so, sondern Ansporn", so Finke. „Denn noch immer geschehen Übergriffe auf Schwule und Lesben, noch immer ist vorurteilsmotivierte Hassgewalt bittere Realität für uns alle.“

Neben dem Kernbereich Opferhilfe setzt MANEO seit jeher auf gewaltpräventive Öffentlichkeitsarbeit, ebenso auf Bildungsmaßnahmen, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei. „Durch unsere Arbeit haben wir Einblick in ein Kriminalitätsgebiet mit hoher Dunkelziffer. Und wir wissen um die Bedürfnisse der Betroffenen. Dies ermöglicht uns, das Thema Hassgewalt qualitativ und mit einer 360-Grad-Perspektive anzugehen", so Finke.

MANEO schult nicht nur die Berliner Polizei seit über zehn Jahren, sondern hat jüngst im Rahmen eines EU-Projektes, an dem sich MANEO mit acht weiteren Ländern beteiligt, in Zusammenarbeit mit der Landespolizeischule Berlin ein erweitertes Training für Polizeimitarbeiter und Mitarbeiter von Schnittstellen des Berliner Staatsschutz entwickelt und durchgeführt. „Es ist wichtig zu sensibilisieren, und zwar auf allen Seiten: bei Behörden genauso wie bei Bürgern und auch Berlinbesuchern. Unterm Strich geht es darum, Gewalttaten aktiv vorzubeugen und die Stadt als Lebens-, Sozial- und Wirtschaftsraum nachhaltig zu sichern. Mit anderen Worten: Wir tragen aktiv zu einem Klima der Toleranz mit bei!"

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